Seit zwei Wochen ist Tim Schlor wieder zu Hause in Bonlanden. Dort spielt er am liebsten Lego. Foto: privat

Tim Schlor hat seit seiner Geburt einen Herzfehler. Ganz spontan hat der Elfjährige aus Filderstadt-Bonlanden deshalb nun eine neue Herzklappe erhalten. Die Operation war riskant – doch das Coronavirus kam ihm sogar zugute.

Filderstadt-Bonlanden - Als Tim Schlor nach 13 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, fiel er erst einmal seinem kleinen Bruder Jan um den Hals. Der Jüngere durfte den Älteren nach seiner Operation aufgrund der Corona-Regelungen nicht besuchen, die beiden konnten sich nur einmal aus der Ferne zuwinken. Tim stand dabei an einer Fensterscheibe des Stuttgarter Kinderkrankenhauses Olgäle, Jan auf dem Parkplatz davor. „Zurück zu Hause gab es dann Kindersekt für alle und Tims Lieblingskekse“, berichtet Maike Schlor – und ihr Lachen klingt erleichtert. Die mehrstündige Operation, die ihr Sohn vor ziemlich genau einem Monat über sich ergehen lassen musste, war riskant, er musste unter anderem an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Doch alles ging gut; seit zwei Wochen ist Tim wieder zu Hause in Bonlanden.

Die ersten Operationen schon als Baby

Bereits drei Tage nach seiner Geburt war festgestellt worden, dass Tim Schlor einen Herzfehler hat; Fallot-Tetralogie lautet der Fachbegriff. Mit drei Monaten musste er zum ersten Mal operiert werden, ein Jahr später erneut. Weil sein Herz nicht im regulären Sinusrhythmus schlägt, wurde ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt. Zudem wurde ihm mit einem Jahr die Pulmonalklappe entfernt, eine der vier Herzklappen.

Weil die meisten Herzklappen nicht mitwachsen, wartet man mit dem Einsetzen einer neuen Klappe ab, bis Kinder größer sind. Inzwischen ist Tim Schlor viel gewachsen, außerdem war das Kabel seines Herzschrittmachers kaputt gegangen. Deshalb entschied man sich, dass nun der richtige Zeitpunkt sei, um eine neue Herzklappe zu implantieren. Die kam von einem Spender, und musste deshalb ziemlich spontan eingesetzt werden, denn die speziell präparierten Spenderklappen müssen zeitnah implantiert werden.

Ein Legoherz für den Chirurg

„Von außen sieht man an Tims Brust schon fast gar nichts mehr“, berichtet Maike Schlor (40). „Er muss jetzt aber für drei Monate gut aufpassen, damit das Brustbein wieder zusammenwachsen kann.“ Übertriebener Sport, Liegestütze sowie Stürze sollten vermieden werden. Außerdem muss er vorerst engmaschig zur Kontrolle beim Kardiologen. Davon abgesehen kann Tim seine Pfingstferien aber voll und ganz genießen – und spielt jede Menge Lego.

Mit den bunten Bausteinen hat auch der Chirurg aus dem Olgäle Tims Vertrauen erwerben können: „Im Vorgespräch hat Tim ihn gefragt, wie er denn an sein Herz rankommt. Da war ich kurz unsicher, was der Chirurg nun antworten würde. Doch er hat super reagiert und meinte: ‚Das ist wie Lego bauen, ich mache das jeden Tag.’“ Daraufhin habe Tim keine weitere Frage mehr gestellt, hatte auch in der Nacht vor der Operation keine Angst – und hat dem Chirurg anschließend ein selbst gebautes Herz aus Legobausteinen geschenkt.

Krankenhaus war nicht überlastet

Generell glaubt Maike Schlor, dass sie riesiges Glück im Krankenhaus hatten – nicht zuletzt deshalb, weil aufgrund des Coronavirus derzeit viel weniger Operationen als normalerweise stattfinden. Es sei ruhig gewesen, „das Personal war entspannt.“ Nach wenigen Tagen bekam Tim sogar ein Einzelzimmer. „Die Ruhe dort hat man ihm angemerkt, da konnte er sich gut erholen.“ Zwar durfte er keinen Besuch empfangen, mit der Oma beispielsweise waren nur Videotelefonate möglich. Aber entgegen der ursprünglichen Anweisung, dass nur seine Mutter ins Krankenhaus kommen dürfe, konnte auch der Vater spontan noch einen Corona-Test machen – und als der negativ war, durfte auch er seinen Sohn besuchen.

Während Tim noch auf der Intensivstation war, übernachtete seine Mutter im Blauen Haus, ganz nahe zum Olgahospital. Am Operationstag selbst durfte sie bereits eine Stunde später zu ihm. „Dank der guten Medikation war er schon da gut drauf und hat den Daumen hochgezeigt – das hat mich wirklich überrascht“, sagt Maike Schlor. In den darauffolgenden Tagen fiel ihm das Essen zwar schwer, er hätte es aber immer wieder versucht. Und abends, wenn die Eltern gehen mussten, hätte Tim nie geweint. „Auch die Krankenschwestern haben irgendwann gesagt: Was für ein tapferes Kerlchen.“

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