Neuerdings gibt es sogar ein Pixi-Buch, in dem die Buchhandlung an der Kirchheimer Straße vorkommt. Foto: Caroline Holowiecki

Während anderswo Buchläden vor Käuferschwund und Internet kapitulieren, hat Papyrus in Stuttgart-Sillenbuch erweitert. Was läuft hier besser als anderswo?

Sillenbuch - Huch, wo sind denn all die Kinderbücher hin? Das Team der Buchhandlung Papyrus in Sillenbuch hört diese Frage nach wie vor regelmäßig. Und verweist dann lächelnd nach nebenan. Bereits Ende 2018 hat das Geschäft üppig erweitert. Nachdem eine Tür weiter eine Fahrschule ausgezogen war, hatte der Buchhändler Uwe Meinhardt die Gunst der Stunde genutzt, den Raum zusätzlich angemietet und einen Durchgang in die Zwischenwand geschlagen. Hinter großen Schaufenstern befindet sich nun „Papyrus für Kids“. Neben jeder Menge Kinder- und Jugendbüchern sowie Lernmaterialien gibt es zwischen bunten Sofas Gesellschaftsspiele und kleines Spielzeug, außerdem CDs.

„Wir waren schon immer zu klein. Ich mag es gern voll, aber wir sind explodiert“, erklärt Uwe Meinhardt. Seit 1995 führt er sein Geschäft. Kurios: Begonnen hatte er seinerzeit tatsächlich in genau jenem Nebenraum, den er nun wieder angemietet hat. 2002 war er jedoch – aus Platzmangel – ins etwas größere heutige Hauptgeschäft gezogen. Warum sind aber gerade Kinder- und Jugendbücher plus Spiele auf die neue Fläche gewandert? „Das sind die Segmente, die seit Jahren wachsen“, stellt er klar. Schon immer seien bei Papyrus Artikel für junge Kunden besonders stark nachgefragt gewesen, erklärt die Mitarbeiterin Alexandra Volz, nun könne man noch mehr anbieten und es zudem ansprechender präsentieren. Ehemals habe es in der Nachbarschaft eine eigene Kinderbuchhandlung und ein zusätzliches Spielwarengeschäft gegeben, nachdem die aber zugemacht hätten, „war hier ein Vakuum“, sagt der Chef.

Der Einzelhandel in Stuttgart-Sillenbuch sei gesund

Der Bedarf und die Klientel sind da. In Sillenbuch wohnen viele Gutverdienende und -ausgebildete, außerdem viele Familien. „Die Kinder kommen schon nach der Schule zu uns“, sagt Christina Bubeck, ebenfalls eine Mitarbeiterin. Hinzu komme, dass der Einzelhandel in Sillenbuch gesund sei. „Wir haben noch eine gut funktionierende Einkaufsmeile“, stellt Uwe Meinhardt klar. Zu Papyrus kommen demnach viele Stammkunden. Und den größten Konkurrenten, das Internet, hat man sich quasi ins Haus geholt. Der Ladeninhaber zeigt auf einen großen Aufkleber an seiner Tür. „Heute bestellt, morgen geliefert“ steht drauf. „Das kann der Kunde auch bei uns“, betont er.

Das wirtschaftliche Risiko habe sich bei der Erweiterung in Grenzen gehalten. Die meisten Bücher habe man im Bestand gehabt. Der neue Raum bringe jedoch zusätzliche Kundschaft – und viel positive Rückmeldung. „Man sieht einen Erfolg“, sagt Uwe Meinhardt nach gut einem Vierteljahr, „wir sind alle total erfreut über den Zuspruch“. Hinzu kommt: Mehr Platz beschert mehr Möglichkeiten. Veranstaltungen, etwa Lesungen, kann er sich vorstellen – für Kinder, wohlgemerkt. „Da werden wir ab Sommer drauf hinarbeiten.“

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