Dennis Hoffmann ist Schädlingsbekämpfer. In seinem Gerät ist eine Mischung aus Wasser und Neemöl. Foto: Thomas Krämer

Der für Menschen nicht ungefährliche Eichenprozessionsspinner breitet sich aus. Städte und Gemeinden versuchen, den Schädling einzudämmen. Zum Beispiel mit einem Sprühmittel, dessen Verzehr für die Giftraupe tödlich endet.

Steinenbronn/Filder - Regelmäßig blickt Dennis Hoffmann in diesen Tagen auf PC-Bildschirm und Smartphone-Display. Wie wird das Wetter? Wo wird es regnen? Wann und wie lange? Denn für die Bekämpfung der Larven des Eichenprozessionsspinners bleiben nach dem Laubaustrieb der Bäume nur wenige Wochen, in denen das Wetter stimmen muss.

Der Wirkstoff stammt vom Neembaum

Hoffmann ist Schädlingsbekämpfer, er arbeitet für das Musberger Unternehmen Walter Grönhoff. Und er ist an jenem Samstagmorgen seit 6 Uhr in Steinenbronn unterwegs, nachdem der ursprünglich geplante Einsatz eine Woche zuvor wegen Regens hatte verschoben werden müssen. Bäume an den Spielplätzen des Ortes hat er schon besprüht, nun ist die Eiche neben der Grundschule dran.

Hoffmann packt ein Sprühgerät aus. Im Tank schwappt eine Mischung aus Wasser und Neemöl. „Ein biologischer Wirkstoff, der aus den Samen des indischen Neembaumes gewonnen wird“, erklärt er. Die Raupen würden das Mittel beim Fressen der besprühten Blätter aufnehmen, „der Wirkstoff verhindert die weitere Entwicklung der Tiere, die nach ein paar Tagen sterben“.

Für Menschen ist das Mittel nicht gefährlich

Für Bienen oder Wespen sei das Mittel genauso ungefährlich wie für den Menschen oder Haustiere, sagt der Experte . Kurz darauf zieht Hoffmann Brille und Lärmschutz auf, er schaltet den Motor des Geräts ein. Ein feiner Nebel weht aus dem Rohr, hüllt die Zweige des Baums ein. Bis zu 20 Meter Höhe kann er vom Boden aus sprühen, ist der Baum größer, ist eine Hebebühne nötig.

Es ist das dritte Jahr, in dem die Musberger Firma in Steinenbronn tätig ist. „Im ersten Jahr war schnelle Hilfe nötig“, erzählt er. Da hatten die Insekten schon ihre Nester gebildet, die Raupen krochen über die Äste und Blätter. „In einem solch fortgeschrittenen Stadium ist die Bekämpfung deutlich aufwendiger, da die Tiere von Hand entfernt werden müssen.“ Doch warum wird überhaupt dieser Aufwand betrieben? Im Laufe der Entwicklung zu einem unscheinbaren grauen Falter wird aus den Larven des Eichenprozessionsspinners eine Raupe, die Brennhaare ausbildet. Und diese können dem Menschen gefährlich werden, Juckreiz verursachen und Allergien bis hin zu mitunter lebensgefährlichen Asthmaanfällen auslösen. Mit dem Besprühen der Bäume soll das verhindert werden.

Vor zwei Jahren starker Befall in Waldenbuch

Auch andere Kommunen auf den Fildern und im Schönbuch sind zurzeit wachsam. In Waldenbuch werden vermutlich im Laufe dieser Woche Eichen überall dort im Stadtgebiet besprüht, wo Menschen unterwegs und damit später auch gefährdet sein könnten. „Vor zwei Jahren hatten wir einen starken Befall“, erinnert sich Ordnungsamtsleiterin Katharina Jacob. Man favorisiere diese vorbeugende Lösung, bei der es gar nicht erst zum Larvenstadium mit den Brennhaaren kommt.

Auch in Leinfelden-Echterdingen wurde in den vergangenen Jahren der Eichenprozessionsspinner beobachtet – „und das mit steigender Tendenz“, wie Tobias Specht von der Abteilung Umwelt und Grünflächen bei der Stadtverwaltung sagt. Schwerpunkte für die Verbreitung des Insekts gebe es keine – es komme im gesamten Stadtgebiet vor. Von einer flächendeckenden Bekämpfung sieht man jedoch ab, konzentriert sich stattdessen auf Bereiche rund um Schulen, Kindertagesstätten, Sportanlagen oder Friedhöfe – eben dort, wo Eichen wachsen, auf die die Larven des Falters zwingend angewiesen sind.

In Filderstadt wurden nach Auskunft der Pressestelle diese Saison noch keine Raupen des Eichenprozessionsspinners gesichtet. Man gehe jedoch davon aus, dass sie an den aus der Vergangenheit bekannten Stellen wieder auftauchen werden.

Danach darf es auf keinen Fall regnen

Nach einer guten Viertelstunde stellt Hoffmann sein Sprühgerät ab. Rund drei bis vier Liter des Neemöl-Wasser-Gemischs haben nun die Blätter der Eiche vor der Schule benetzt. Je nach Temperatur dauere es rund zwei Stunden, bis das Mittel fest auf den Blättern des Baumes sitze. Regnen darf es in dieser Zeit freilich nicht, denn dann wäre die ganze Prozedur möglicherweise umsonst, weil nämlich der Wirkstoff von den Blättern gewaschen werde.

Dennis Hoffmanns Mine hellt sich beim Blick in den Himmel auf. „Dort kommt blauer Himmel“, sagt er erleichtert, packt das Sprühgerät in sein Fahrzeug und macht sich auf zu seinem nächsten und an diesem Tag letzten Ziel. Falls die Vorhersage stimmen sollte und es von Mittag an erneute regnen sollte, kann sich der Schädlingsbekämpfer entspannt zurücklehnen. Das Neemöl haftet dann fest auf den Blättern und wurde vielleicht sogar bereits vom Eichenprozessionsspinner-Nachwuchs aufgenommen. Und das wäre genau zum richtigen Zeitpunkt – nämlich bevor den Raupen im dritten Stadium die gefürchteten Brennhaare wachsen.

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