Dunja Hayali trifft in Zirndorf eine irakische Flüchtlingsfamilie. Foto: ZDF

Das früher jeweils mehrere Themen anpackende Talkmagazin „Dunja Hayali“ hat ein leichtes Lifting bekommen. Nun gibt es ein durchgehendes Oberthema, aber immer noch wechselnde Gesprächsrunden und Reportage-Einschübe. Zum Auftakt der neuen Staffel hat das gar nicht funktioniert.

Stuttgart - Lächelnd moderiert Dunja Hayali das nach ihr benannte Talkmagazin an. Weil sie also darüber hinweg schmunzelt, dass die Politik gerade scheitert, fragt man sich sofort, ob diese Sendung ein einziges großes Missverständnis werden könnte. Oder feixt die für ihre Souveränität bekannte Moderatorin etwa nur, weil sie glaubt, folgende Rechnung überraschenderweise lösen zu können: Drei Themen, acht Gäste, viele Filmchen, 60 Minuten – macht zusammen was? Einen bereichernden Beitrag zum Thema Flüchtlinge?

Jetzt hechelt Hayali. Von Thema zu Thema, von Beitrag zu Beitrag, von Asylverfahren und Seenotrettung zur Integration. Anders als in herkömmlichen Talkshows gibt es bei ihr – wie schon in den vorigen drei Staffeln – zwischendurch Reportageschnipsel, von jetzt an allerdings zu einem Oberthema. Die sollen zeigen: Die Moderatorin sucht Brennpunkte persönlich auf, sie ist nah dran. Hayali sitzt zum Beispiel bei der Anhörung eines syrischen Flüchtlings im künftigen Ankerzentrum Zirndorf dabei, die am Ende sechs Stunden gedauert haben soll – aus der die Zuschauer allerdings nichts als betroffene Gesichter mitnehmen können.

Ganz schnell abgewürgt

Zu kurz spricht Hayali auch mit einer Familie aus dem Irak, die abgeschoben werden soll, deren Geschichte sonst aber völlig im Dunkeln bleibt. Ein anderer Film zeigt eine afghanische Mutter, die mit ansehen musste, wie ihre vier Kinder in den Fluten der Ägäis starben. Tränen, Schnitt – für Betroffenheit bleibt keine Zeit. Im Studio sitzt ein Überlebender der Familie, der inzwischen gut integriert ist. Er fühle sich jetzt gefangen im Streit der Politik, das darf er gerade noch sagen. Dann wird er von Hayali abgewürgt.

Die Härte der Schnitte in den Reportagen, die Ruppigkeit – auch von Hayali – machen aus Bildern, die Nähe und Menschlichkeit vermitteln wollen, beinahe Karikaturen. Der Umgang mit den Betroffenen ähnelt dem der Politik: Kurz hinschauen, nichts genauer wissen wollen. Aus lauter Hilflosigkeit guckt man am besten schnell wieder weg.

Keifen und ausgelacht werden

Die Gesprächsrunden zwischen den Beiträgen fasst die Gastgeberin für die gerade einmal 1,45 Millionen Zuschauer selbst am besten zusammen: „Man hat das Gefühl, alle Diskussionen kommen wieder zurück.“ Dabei sind es nicht einmal „Diskussionen“. Da jeder Gast nur circa zwei Mal zu Wort kommen kann, werden Statements abgesondert. Peter Ramsauer (CSU), Bundesminister a. D., und die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, dürfen einander ankeifen und sich vom Studiopublikum auslachen lassen.

In Runde zwei, Unterthema Seenotrettung, fordert Gerald Knaus, Vorsitzender der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative, mit den Herkunftsländern ähnlich wie mit der Türkei zu verhandeln. Der stellvertretende Chefredakteur der „Bild“, Nikolaus Blome, erinnert an Otto Schilys Vorschlag, Asylverhandlungen in die Herkunftsländer zu verlagern. Und Tankred Stöbe von Ärzte ohne Grenzen will seine Arbeit nicht kriminalisieren lassen. Alle reden aneinander vorbei.

Das geht hier zack-zack

Claus-Peter Reisch, der als Kapitän des Rettungsschiffs „Lifeline“ in den vergangenen Wochen mehreren Hundert Geflüchteten das Leben gerettet hat und tatsächlich ein interessanter Gast gewesen wäre, sagte Hayali kurzfristig ab. Sie hätte ihn aber eh kaum zu Wort kommen lassen – so wie die letzten beiden Gesprächsgäste, die in fünf Minuten abgehandelt werden.

Wolfgang Osterkamp, der Geschäftsführer der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative Leipzig, schildert, wie „Arm gegen Arm“ ausgespielt werde, und Petra Köpping (SPD), sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, versucht vergeblich, dieses Bild zurechtzurücken. Zack. Zack. Über ihre Arbeit verliert sie den verräterischen Satz: „Wir haben Sprachvermittler, die wir anwenden können.“ Dunja Hayali sagt dazu gar nichts mehr. Die Zeit ist abgelaufen. In dieser dritten Runde ist die Sendung dann auch endgültig k.o.

Auch wenn sich im Gegensatz zu den früheren Hayali-Talk-Staffeln nun alles um ein Thema dreht, kommen Tiefe, Zusammenhänge und Empathie zu kurz. So schafft das reformierte Talkmagazin am Ende nur eines: Es illustriert krude die vollkommene Unbeholfenheit aller Beteiligten beim Thema Flüchtlinge. Termine: „Dunja Hayali“ läuft im Sommer einmal im Monat um 22.45 Uhr live im ZDF. Die nächste Sendung kommt am 8. August.

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