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Der Gemeinderat will keinen Islamunterricht, kann sich mit seiner Forderung aber nicht durchsetzen.

Ditzingen - Ja, Ditzingen ist mit seinem Anliegen nicht alleine. Aber nein, Ethikunterricht kann dennoch nicht verbindlich bereits in der fünften Klasse angeboten werden. Das ist die Kernbotschaft eines Briefes aus dem baden-württembergischen Kultusministerium an den Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath. Die Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule im Ditzinger Stadtteil Hirschlanden startete deshalb auch in den fünften Klassen das neue Schuljahr ohne das Pflichtfach Ethik.

Makurath hatte im Namen des Gemeinderats geschrieben. Dieser hatte ihn dazu beauftragt, nachdem er es im März abgelehnt hatte, Islamunterricht an der Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule in Hirschlanden einzuführen. Die Entscheidung war knapp ausgefallen. Mit sieben zu sechs Stimmen hatten die Mitglieder des Ausschusses für Finanzen, Kultur und Soziales das neue Fach abgelehnt. Eine Mehrheit fand jedoch ein Antrag des Freien Wählers Frank Hagenlocher. Demnach sollte die Stadt beim Land darauf hinwirken, Ethik ab Klasse fünf zu lehren. Werte seien „aus neutraler Perspektive“ zu vermitteln. Dafür sei Ethik das „richtige und vernünftige Element“, argumentierte Hagenlocher. Der OB stimmte dagegen; der Antrag sei eine „chancenlose Aktivität“.

Absicht im Koalitionsvertrag verankert

In dem Schreiben aus dem baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport heißt es nun, dass sich das Anliegen der Ditzinger nach verbindlichem Ethikunterricht ab Klasse fünf für alle Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen „mit vielen Zuschriften und Meinungsäußerungen“ decke, die das Ministerium im Rahmen der Anhörung zu den Bildungsplänen erreicht hätten. Ethik ist Unterrichtsfach frühestens in der siebten Klasse. Arbeitsgemeinschaften können allerdings bereits in der fünften Klasse gebildet werden.

Im Koalitionsvertrag sei deshalb auch die Absicht verankert, den Ethikunterricht „schrittweise auszubauen“. Daher gebe es im Ministerium bereits entsprechende konzeptionelle Vorarbeiten. Konkrete Entscheidungen der Landesregierung blieben aber abzuwarten, so das Ministerium.

Staatliches Angebot

Der Rektor der Theodor-Heuglin-Schule Jörg Fröscher hatte mit dem Antrag auf Islamunterricht auf den Wunsch von knapp 40 Familien eingehen und auf Deutsch gehaltenen Islamunterricht anbieten wollen. Weil die Schule eine Ganztagsschule sei, müsse er den Schülern ein Angebot machen, auch wenn sie nicht in den Religionsunterricht gingen, so Fröscher. Der Islamunterricht wäre eine kostenlose Möglichkeit für ein staatliches Angebot gewesen. Die Lehrer hätten eine staatliche Prüfung abgelegt, müssten das Thema also mit einer Offenheit lehren, in der sich Sunniten, Schiiten und Aleviten wiederfinden würden. So lange es keinen Islamunterricht gibt, wolle er seinen Schülern ab Klasse fünf einen „qualifizierten Unterricht“ anbieten, da er „kein Bespaßungsmodul machen“ wolle, wie er in der Vergangenheit erklärte. Den Unterricht erteilt eine Ethiklehrerin.

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