Am Ditzinger Bahnhof werden drei Wohn- und Geschäftshäuser gebaut. Auf dem dadurch entstehenden Quartiersplatz sollen die Menschen flanieren und verweilen. Foto: Real I. S.

Die Umgestaltung des Ditzinger Bahnhofsareals geht bald weiter: Ein Investor baut für mehr als 22 Millionen Euro drei Wohn- und Geschäftshäuser. Auch die Stadt selbst hat noch einige Pläne für das Gelände.

Ditzingen - Mehr Einkaufsmöglichkeiten, mehr Wohnraum und komfortablere Zugänge zu den Gleisen: Die Neugestaltung des Ditzinger Bahnhofs geht in die nächste Runde. Bis 2021 soll das Areal fertiggestellt sein und ein Ort, an dem die Menschen sich gern aufhalten. Das jedenfalls hofft die Stadt. Jetzt hat sie „einen wichtigen Schritt“ zum zweiten Bauabschnitt getan: Sie hat einem Investor aus der bayrischen Hauptstadt eine Fläche von rund 4700 Quadratmetern östlich des historischen Bahnhofsgebäudes verkauft. Der Kaufvertrag wurde jetzt besiegelt, teilt die Stadt mit. Zum Kaufpreis schweigt die Real I.S., und auch zum Bauvorhaben selbst nennt sie nur wenige Details.

Wo sich derzeit noch ein Park-and-ride-Platz sowie Abstellmöglichkeiten für Fahrräder befinden – und wo zuvor der provisorische Busbahnhof war –, will die Real I.S. bis 2020 drei Wohn- und Geschäftshäuser bauen. Die Bagger für das Projekt namens „Neues Bahnhofsareal“ sollen im Frühjahr anrollen. Die Real I.S. investiert hier rund 22,5 Millionen Euro. In den Erdgeschossen sollen sich Einzelhandel und Gastronomie ansiedeln. In den Obergeschossen sind Arztpraxen, Büroflächen und mehrere Wohnungen vorgesehen.

Mit Behinderungen muss gerechnet werden

Während der Bauarbeiten werden sich die Menschen am Bahnhof auf einige Behinderungen einstellen müssen. So fallen die Park-and-ride-Plätze weg, jedoch wurde laut Stadt bereits im Parkhaus des Einkaufszentrums „Bahnhofcenter“ Ersatz geschaffen. „Außerdem wird der Fußweg zum Aufzug verlegt. Der Zugang zu Aufzug und Unterführung wird aber durch die Stadt und den Käufer sichergestellt“, sagt Katharina Bauer vom Stadtbauamt. Man würde die Bürger „frühzeitig“ über die geplanten Änderungen informieren.

Auch die Stadt selbst will das Bahnhofsareal demnächst weiterentwickeln. So soll der Vorplatz neu gestaltet werden, wobei die stattliche Platane als markanter Baum erhalten bleiben soll. Der Vorplatz bilde mit dem künftigen Quartiersplatz – der Platz zwischen den neuen Gebäuden der Real I.S. über der geplanten Tiefgarage – einen „wichtigen Stadtraum, der zum Verweilen einlädt“, sagt Katharina Bauer. An der Stuttgarter Straße werde eine Böschung mit Bäumen einen Puffer zwischen der Straße und der Aufenthaltsfläche schaffen, den mobil eingeschränkte Menschen über eine Rampe passieren können. „Entlang der dreigeschossigen Flachdachgebäude können die Menschen flanieren“, sagt Bauer, der Freibereich vor dem achtgeschossigen Gebäude an der Ecke Stuttgarter Straße/Gerlinger Straße sei als Außenterrasse eines Gastronomiebetriebs vorgesehen. Die Fläche stehe den Bürgern während der Bauarbeiten nicht zur Verfügung. Der Quartiersplatz soll Mitte 2021 fertig sein, der Vorplatz dagegen erst Ende 2021.

Viele Veränderungen an der Unterführung

Für die Fahrgäste gibt es laut Bauer bis dahin kaum Einschränkungen, sowohl Aufzug wie Unterführung blieben weiter nutzbar. Lediglich während des Umbaus der Unterführung komme es zu Einschränkungen für den S-Bahn-Verkehr. „Die Bahnnutzer müssen dann die neue Fußgängerbrücke als Zugang zum Bahnsteig nutzen, solange die Unterführung gesperrt ist“, sagt Bauer. Die Unterführung soll großzügiger, breiter und insgesamt optisch ansprechender werden. Dabei entsteht an beiden Seiten der Gerlinger Straße auch ein Rad- und Gehweg.

Die von der Bahn betriebene Aufzugsanlage zum Bahnsteig will die Stadt bis Mitte 2019 um einen dritten Aufzug südlich der Bahnlinie in Richtung Gewerbegebiet erweitern. Das ermöglicht den Fahrgästen einen barrierefreien Zugang zu den Gleisen. Außerdem soll neben dem bereits vorhandenen Park-and-ride-Parkhaus an der Calwer Straße ein weiterer barrierefreier Fußgängerüberweg in Form einer Brücke zu den Bahnsteigen gebaut werden – und zusätzlich ein sogenanntes Radhaus. Dort können Pendler ihre Drahtesel dann in abschließbaren Boxen parken.

Noch Unklarheiten bei geplanter Straße

Die Bahn baut die Brücke, die Stadt übernimmt die Mehrkosten, die durch die Verbreiterung der Unterführung entstehen. Insgesamt sind rund 2,9 Millionen Euro veranschlagt, davon würden 1,5 Millionen auf die Stadt entfallen. Wer die neue tiefergelegte Straße baut und wie die Kostenaufteilung aussieht, müsse indes noch zwischen Stadt und Land geklärt werden.

Was bisher geschah

Shopping
Im westlichen ersten Bauabschnitt ist bereits das rund 3000 Quadratmeter große Einkaufszentrum „Bahnhofscenter Ditzingen“ entstanden. Offiziell eröffnet wurde es im August 2016. Daneben ist auf 4200 Quadratmetern ein weiteres Gebäude entstanden. Dort hat sich der Drogeriemarkt Müller angesiedelt, außerdem gibt es Büroflächen.

Kultur Das ehemalige Empfangsgebäude bleibt erhalten – das Kulturdenkmal „Alter Bahnhof“ ist denkmalgeschützt. Der Backsteinbau, der auf einer Fläche von 800 Quadratmetern auf dem dritten Bauabschnitt steht, wurde an einen privaten Eigentümer verkauft. Dieser hat modernisiert: Ein Bistro hat bereits eröffnet, und zeitnah soll im Erdgeschoss eine Bäckerei einziehen. Die Freibereiche um das Empfangsgebäude werden laut Stadt erst mit Abschluss der Gesamtmaßnahme fertiggestellt.

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