Vor der Digitalisierung sollte eine Schule ein Konzept erstellen, um die lokalen Anforderungen abzubilden. Foto: dpa

Weinstadt investiert in zusätzliches Personal, um die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. In Murrhardt ist eine Standardlösung bereits umgesetzt worden.

Weinstadt - Weinstadt will seine Schulen fit für die Zukunft machen. Ein großer Meilenstein auf dem Weg der Digitalisierung sei hierbei bereits geschafft, berichtet Ulrich Spangenberg, der Leiter des städtischen Amts für Familie, Bildung und Soziales, im Gemeinderat: „Die Schulen bekommen einen Breitbandanschluss.“

Mehr als nur Bits und Bytes

Doch braucht es mehr als Bits und Bytes, damit die Stadt als Schulträger den Anforderungen des Bildungsplans gerecht werden kann, in dem seit dem Schuljahr 2016/2017 die Medienbildung für alle Schularten von der Grundschule bis zum Gymnasium ein wichtiger Bestandteil ist. So können die Schulen in Weinstadt jährlich auf ein Budget in Höhe von insgesamt 50 000 Euro für ihre Multimediaausstattung zugreifen. Um den Kauf von Geräten und den Unterhalt von Netzwerken kümmern sich die Schulen indes selbst.

Doch dieses System führe zwangsläufig zu großen Unterschieden in der Qualität und der Geschwindigkeit der Betreuung und Weiterentwicklung der EDV-Ausstattung der einzelnen Schulen, urteilt Spangenberg: „Daher braucht es jemanden, der die Schulen verknüpft.“

Mehr Kosteneffizienz durch Planung

Dafür wolle man nun eine zusätzliche Stelle im Hauptamt schaffen. Zumal die Digitalisierung durch das schnelle Internet an den Schulen mehr Dynamik bekomme. Des Weiteren steigen die für die EDV-Ausstattung nötigen Investitionen und deren Unterhalt werde aufwendiger. Beim bisherigen System zur Digitalisierung, bei dem die Schulen eigenverantwortlich entscheiden und handeln dürfen, bestehe dabei jedoch das Risiko von Fehlentwicklungen.

Demgegenüber verspricht man sich von dem zusätzlichen Personal im Rathaus, das mit jährlich 65 800 Euro zu Buche schlägt, mehr Kosteneffizienz. So soll der oder diejenige unter anderem bei der Fortschreibung der Medienentwicklungspläne der Schulen und beim Ausbau der Geräteausstattung mitwirken. Außerdem soll sich jene Person um das Lizenzmanagement sowie das Netzwerk kümmern, den Nutzern Unterstützung bei Problemen bieten und ein EDV-Betriebskonzept für die Schulen erstellen.

Was ist für die Schulen und die Schüler das Richtige

Wie wichtig eine gute Planung der Digitalisierung ist, betont auch die Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts in Backnang, Sabine Hagenmüller-Gehring, zu diesem Thema gefragt: „Unser Ratschlag ist, zunächst eine Konzeption zu machen und im eigenen Kollegium zu gucken, welche Kompetenzen vorhanden sind, und wer noch Fortbildungen braucht.“

Dabei müsse man schauen, was für die jeweilige Schule und deren Schüler das Richtige sei. „Die Pädagogik steht im Vordergrund. Denn es bringt nichts, eine Ausstattung anzuschaffen, die man dann nicht nutzen kann.“ Erst wenn der Medienentwicklungsplan stehe, sollten die Schulen für dessen Umsetzung an die Schulträger herantreten.

Wanka-Milliarden schaffen Gewissheit

Wie weit sind die Schulen im Kreis bei der Digitalisierung bereits? „Die Schulträger verfahren da ganz unterschiedlich“, berichtet Hagenmüller-Gehring. „Die einen haben bereits investiert, andere haben abgewartet, bis dafür Bundesmittel zur Verfügung stehen.“ Seit jedoch die Entscheidung für die so genannten Wanka-Milliarden gefallen sei, hätten sie nun aber Gewissheit, in welchem Rahmen sie Unterstützung erwarten können. Die Wanka-Milliarden bezeichnen den Digitalpakt, den die frühere Bundesbildungsministerin Johanna Wanka ihren Länderkollegen bereits 2017 versprach.

In den Schulen sei die Digitalisierung „grundsätzlich schon lange Thema“, berichtet Hagenmüller-Gehring weiter. Dabei laufe die Erstellung eines Medienentwicklungsplans in allen Schulen, in die sie hineinhöre, ganz gut, urteilt die Amtsleiterin.

Hospitationen an der Hörschbachschule

Zudem habe man mit der Hörschbachgrundschule in Murrhardt eine Referenzschule. Diese besitze eine Standardlösung für eine pädagogische Konzeption und die digitale Ausstattung dazu und stehe anderen für Hospitationen zur Verfügung. „Dass es sich dabei gerade um eine kleine Schule handelt, ist ermutigend und wichtig.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: