Dieselverbrauch per Gesetz senken Brüssel will Dieselverbrauch bei Lkw senken

Von Markus Grabitz 

Mit der geplanten Regulierung des CO2-Ausstoßes für Lastwagen betritt die EU nun Neuland. Foto: dpa-Zentralbild
Mit der geplanten Regulierung des CO2-Ausstoßes für Lastwagen betritt die EU nun Neuland. Foto: dpa-Zentralbild

Hinter den Kulissen tobt eine Lobbyschlacht um ein geplantes Gesetz der EU-Kommission. Die Senkung von Verbrauchswerten von minus 15 Prozent bis 2025 und mehr sind im Gespräch. Viele wollen auf die Prozentzahlen Einfluss nehmen.

Brüssel - Die EU-Kommission will den Dieselverbrauch von Nutzfahrzeugen per Gesetz senken. Wie zu hören ist, will die EU-Kommission Mitte Mai vorschlagen, dass neu zugelassene Lastwagen über 3,5 Tonnen den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2025 um zehn bis 15 Prozent senken müssen. Noch ist offen, ob die Kommission dem Transportsektor jetzt ein Ziel für die weiteren Einsparungen bis zum Jahr 2030 vorgibt oder ob sie damit bis 2022 wartet.

Das Parlament und die Mitgliedstaaten müssen dem Gesetzgebungsvorschlag noch zustimmen, damit er in Kraft tritt. Bindende Verbrauchsobergrenzen hat die EU bisher nur für Pkw und Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen aufgestellt. Hier schlägt die Kommission vor, dass Autos und Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zwischen 2021 und 2025 den Verbrauch um 15 Prozent senken müssen und um 30 Prozent bis 2030.

Mit der Regulierung des CO2-Ausstoßes für Lastwagen betritt die EU nun Neuland. Hintergrund der späten Regulierung ist, dass der Kraftstoffverbrauch bei Lastwagen sehr stark variieren kann – je nachdem, wie der Aufbau des Lastwagens aussieht und was der Lastwagen zieht. Daher ist es schwer, Vorgaben zu machen. Bisher liegen noch keine vergleichbaren und zertifizierten Angaben zum Kraftstoffverbrauch von Lastwagen vor. Die EU-Kommission hat sich aber zusammen mit der Industrie in den letzten Jahren um die Basis für eine verlässliche Datenbasis bemüht.

Den Ingenieuren bleibt wenig Zeit

In Zusammenarbeit mit der TU Graz wurde ein Verfahren entwickelt, das den Kraftstoffverbrauch einer Zugmaschine je nach Aufbau und Einsatz simuliert. Die „Vecto-Methode“ erlaubt vergleichbare Aussagen über den CO2-Ausstoß von Lastwagen, Zugmaschinen mit Auflieger oder Anhänger, jeweils in unterschiedlichen Konstellationen. Vecto steht für Vehicle Energy Consumption Tool und ist ein Instrument zum Messen des Kraftstoffverbrauchs. Geplant ist, dass die Hersteller die Vecto-Daten für neue Fahrzeuge ab 2019 erheben müssen. Wie zu hören ist, werden die Daten für die 2019er Flotte aber erst ab 2021 verfügbar sein. Damit würde wenig Zeit für die Ingenieure bleiben, bis 2025 neue Spritspartechnologien zu entwickeln.

Hinter den Brüsseler Kulissen tobt eine Lobbyschlacht. Umweltschützer, Hersteller sowie Transporteure versuchen, in den letzten Tagen noch Einfluss zu nehmen auf die Prozentzahlen. Der Herstellerverband Acea hält eine Reduzierung des Verbrauchs von sieben Prozent bis 2025 und 16 Prozent bis 2030 für realistisch. Eine Senkung des Kraftstoffverbrauchs von 24 Prozent bis 2025 fordert dagegen ein Zusammenschluss von 37 Unternehmen, darunter Ikea und Heineken. Mit an Bord sind etliche deutsche Unternehmen wie etwa die Bahn-Tochter DB-Schenker, Tchibo, die Spediteure Bartkowiak aus Hildesheim sowie Große-Vehne aus Stuttgart. In ihrem Brief an die Kommission fordern sie zudem ambitionierte Ziele für Lastwagen, die gar kein CO2 mehr ausstoßen. Wie zu hören ist, versuchen die Hersteller dagegen eine „Supercredits“-Regelung durchzusetzen. Bei derartigen Regelungen, die es bei Pkw bereits gab, erhalten die Hersteller Rabatte auf die CO2-Ziele, wenn sie Fahrzeuge mit alternativem Antrieb anbieten.

Ein niedriger Dieselverbrauch als Verkaufsargument

Noch gibt es im Bereich der Lastwagen so gut wie keine batteriebetriebenen Fahrzeuge. Die großen Hersteller wollen Anfang 2020 mit ersten Modellen auf den Markt kommen. Es wird zudem überlegt, ob E-betriebene Lastwagen auf der Autobahn ihren Strom künftig aus einem Oberleitungsnetz beziehen könnten. Die große Hürde besteht aber darin, dass niemand weiß, wer mit welchen Mitteln die völlig neue Oberleitungsinfrastruktur bauen kann.

Anders als im Pkw-Bereich, wo die Kunden etwa im SUV-Segment durchaus Fahrzeuge mit hohem Kraftstoffverbrauch nachfragen, ist ein niedriger Dieselverbrauch das zentrale Argument von Verkäufern von schweren Zugmaschinen. Nach Angaben der Industrie sind die Verbräuche von Lastwagen in den letzten 20 Jahren bereits um 20 Prozent zurückgegangen. Allein in den letzten fünf Jahren sei der Verbrauch von Neufahrzeugen im Schnitt um acht Prozent reduziert worden. Die Indus­trie schaut mit gemischten Gefühlen auf die kommende Regulierung. Einerseits rechnen sich Hersteller, die spritsparende Fahrzeuge anbieten, bessere Chancen am Markt aus, andererseits sehen sie hohe technologische Herausforderungen.

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