Das Verkehrsverbot gilt seit Jahresanfang in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Stadt hat nach einer Zählpanne ihre Erfassungsmethode der Bußgelder geändert. Das lässt die Zahl der ertappten Autofahrer seit September deutlich in die Höhe schießen.

Stuttgart - Es sind deutlich mehr Autofahrer erwischt worden, die trotz des seit Jahresbeginn geltenden Verkehrsverbots für Diesel der Euronorm 4 oder schlechter mit einem Fahrzeug dieser Schadstoffklasse unterwegs waren, als es zunächst den Anschein hatte. 671 Verstöße stellte die Stadt im Oktober fest, sie erließ 334 Bußgeldbescheide. Weil auch noch einige aus den Vormonaten rechtskräftig wurden, sind am Ende des Monats Oktober 418 Bußgelder wegen Verstößen gegen das Fahrverbot fällig geworden.

Das hatte bis Ende August noch ganz anders ausgesehen: Fast schon übertrieben wirkten Aufwand und Aufheben um das Fahrverbot, als Anfang September zu vermelden war, dass lediglich ein Bußgeldbescheid rechtskräftig geworden sei.

Die Stadt deckte jedoch vier Wochen später selbst ihren Fehler auf, der in der Erfassung lag: Weil die Fälle eine gewisse Bearbeitungszeit haben, dauerte es, bis sie sich in der Statistik niederschlugen. In den Monaten bis August seien nur diejenigen Fälle gezählt worden, bei denen Erfassung, Bearbeitung und Ausstellung des Bußgeldbescheids in den gleichen Kalendermonat fiel. Da das aber meist länger dauert und sich der Bearbeitungsvorgang auch über das Monatsende hinziehen kann, war die Bilanz falsch. Der Fehler wurde nun korrigiert.

Seit September werden die Bußgeldbescheide anders gezählt

Danach kam für den September die Zahl von 78 rechtskräftigen Bußgeldbescheiden heraus. Das sind diejenigen, die tatsächlich nach allen Einsprüchen und Prüfungen bezahlt werden müssen. Erlassen worden waren im September 334.

Das sind deutlich höhere Werte als in den Vormonaten. Damals waren es zwischen einem und 17 rechtskräftigen Bescheiden bei 18 bis 53 ausgestellten, die nach der falschen Zählweise der Stadt erfasst worden waren. Diese Werte rückwirkend zu aktualisieren, das sei nicht möglich, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Die Zahlen der Monate Februar bis August sind damit also für die Analyse obsolet. Was zählen wird, um die Zahl der tatsächlichen Verstöße am Ende des Jahres beurteilen zu können, ist die Gesamtzahl der ausgestellten und rechtskräftig gewordenen Bußgeldbescheide – wobei sich die Bearbeitungszeit auch über das Ende des Monats Dezember und damit über den Jahreswechsel hinziehen kann.

Die Grundlage der Anzeigen sind nach wie vor die Überwachungsmaßnahmen der Stadt. Das waren im Oktober gut 19 000 im ruhenden Verkehr – also Falschparker. Im fließenden Verkehr bekamen 31 628 Autofahrer einen Strafzettel, davon 29 418, weil sie zu schnell waren und geblitzt wurden, und 2210, weil sie an einer Rot zeigenden Ampel nicht hielten.

Diese Zahlen sind seit Jahresbeginn Monat für Monat ähnlich hoch geblieben, allerdings mit leichten Schwankungen. So waren zum Beispiel im Mai nur rund 21 500 Raser geblitzt worden, in den anderen Monaten zwischen 24 000 und 29 000. Wer auf diese Weise aktenkundig wird, dessen Fahrzeugdaten werden abgeglichen. Kommt dann Euro 4 und schlechter zutage, setzt es ein Bußgeld in Höhe von 80 Euro plus Gebühren.

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