Zu Kugelschreibern und Luftballons gibt es von Stefan Kaufmann einen kräftigen Händedruck dazu . Das Signal: Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Sie wollen nach Berlin. Die zwölf aussichtsreichsten Bewerberinnen und Bewerber in Stuttgart stellen wir in unserer Serie zur Bundestagswahl vor. Heute: Stefan Kaufmann (CDU).

Stuttgart - Der Wiedererkennungswert ist groß: Stefan Kaufmann sieht in Echt genauso aus wie auf den Wahlplakaten: grau-blauer Anzug, dunkelblaues Hemd, schwarz umrandete Brille. Der promovierte Jurist setzt auf Seriosität – und pünktlich ist er auch. An seinem Infostand gegenüber vom Vaihinger Markt will er von 9 bis 12 Uhr um Stimmen für sich und seine Partei bei der Bundestagswahl werben. Zehn Minuten vorher steht der Stand, und um 9 Uhr hat der Kandidat die ersten Broschüren in der Hand.

Kaufmann ist in Berlin Obmann der CDU im Ausschuss für Bildung und Forschung. Doch er weiß, dass er mit einem solchen Spezialthema bei den kurzen Begegnungen mit den Wählern am Infostand nicht punkten kann. „Mir geht es darum, den Menschen zu zeigen, dass ich für sie da bin und ihre Probleme ernst nehme“, sagt er. Er will einer „Aus Stuttgart. Für Stuttgart“ sein, wie es unter seinem Konterfei auf Plakaten und Broschüren heißt. Und ihm geht es darum, dass ihm die Wähler ihre Erststimme geben und ihm damit das Direktmandat sichern. Aller guten Dinge sind drei, zweimal in Folge hat er das schon geschafft.

Seine Helfer am Infostand sind außer den drei Wahlhelfern Kugelschreiber, Chips für den Einkaufswagen – und vor allem Luftballons: „Wollen die Kinder einen Ballon, haben die Eltern keine Chance weiterzugehen“, weiß der routinierte Wahlkämpfer.

An den Luftballons kommen Eltern mit Kind nicht vorbei

Außer kleinen Werbegeschenken gehört kräftiges Händeschütteln zu seinem Wahlkampf: „Guten Morgen, Sie kennen mich. Ich bin Ihr Bundestagsabgeordneter.“ Mit den Worten geht er an diesem Vormittag zigmal beherzt auf die möglichen Wähler zu. Viele nicken und versprechen: „Sie sind mein Kandidat.“ Eine Dame freut sich: „Ja, Sie stehen heute tatsächlich selbst hier und machen Wahlkampf.“ „Nicht nur heute“, kontert Kaufmann. Ein netter Plausch entwickelt sich. Doch der CDU-Politiker bekommt auch kräftig Gegenwind: Die Flüchtlingspolitik treibt die Menschen um. „Ich hab immer CDU gewählt. Aber für uns Alte tut ihr gar nichts. Den Flüchtlingen schiebt ihrs vorne und hinten rein. Aber wer hat Deutschland aufgebaut, sich den Buckel kaputt gemacht?“, fragt ein Rentner. Einige andere machen ihrer Wut ähnlich Luft. Kaufmann weiß: Die wird er nicht ins Boot zurückholen. Die rudern mit der AfD davon. Trotzdem versucht er ’s mit Argumenten.

Geboren ist Kaufmann in Weilimdorf, hat in Tübingen und den Niederlanden Jura studiert, wohnt in Stuttgart-Mitte, wurde 2000 CDU-Mitglied und ist seit acht Jahren Bundestagsabgeordneter. Dort hat er zum Beispiel für die Sanierung des denkmalgeschützten Hoppenlaufriedhofs Geld lockergemacht. Außerdem setzt sich Kaufmann, selbst katholisch und homosexuell, für die Rechte von Schwulen und Lesben ein. Und er war der erste offen schwule Bundestagsabgeordnete der Union. Schlagzeilen machte zuletzt, dass es die katholische Kirche ablehnte, Kaufmanns Bund fürs Leben mit seinem Partner zu segnen. Den gab es trotzdem, allerdings gespendet von der alt-katholischen Kirche. Auf seine persönliche Lebenssituation wird er nicht angesprochen, weder am Infostand am Vaihinger Markt noch bei der Podiumsdiskussion im Gemeindepsychiatrischen Zentrum in Möhringen am Abend. „Das spielt nur für einige Erzkonservative eine Rolle“, sagt er.

Im Gemeindepsychiatrischen Zentrum ist das Interesse an der Podiumsdiskussion groß. Der Saal mit rund 80 Zuhörern ist voll belegt. Die erste Frage an Kaufmann: Was für ihn am Wahlkampf spannend und was langweilig ist? Die prompte Antwort: „Spaß macht die Begegnung mit Menschen im Straßenwahlkampf. Nicht so spannend sind Podiumsdiskussionen.“

Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. Doch darauf legt er es nicht an und redet den Zuhörern auch nicht nach dem Mund. Deren Themen sind: Mindestlohn, Langzeitarbeitslosigkeit und Wohnungsnot. Mit seinem Bekenntnis, mehr Geld in die Bildung stecken zu wollen, hat er es gegenüber der Konkurrenz schwer. Ute Vogt (SPD), Johanna Tiarks (Linke), die die „Mindestlöhne“ anheben wollen, und Dirk Spaniel (AfD), der die „unkontrollierte Zuwanderung stoppen will“, bekommen mehr Applaus. Kaufmann bleibt dabei: „Mehr Bildung verbessert die Chancen für alle.“Schluss der Diskussion ist nach knapp zwei Stunden.

Am Vaihinger Markt wird Punkt 12 Uhr zusammengepackt. „Ich muss weiter“, verabschiedet sich Kaufmann schnell. Insgesamt stehen im Wahlkampf rund 100 Termine an Infoständen, auf dem Podium, bei Festen und in Heimen in seinem Kalender.

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