Der neue und der alte Weltmeister: Christian Coleman (links) und Justin Gatlin Foto: AFP/Jewel Samad

Nach drei verpassten Dopingtests hat 100-Meter-Sprinter Christian Coleman bei der WM in Doha den mehrfachen Dopingsünder Justin Gatlin entthront. Für die Leichtathletik ist dies ein schwerer Rückschlag in ihrem Ringen um neue Glaubwürdigkeit, findet unser Sportredakteur Marko Schumacher.

Doha - Der schnellste Mensch der Welt ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe nichts falsch gemacht“, beteuert Christian Coleman immer wieder, als der neue Weltmeister über 100 Meter die vielen Fragen zu seinen drei verpassten Dopingtests beantworten muss. „Niemand in diesem Raum ist perfekt“ fügt der US-Amerikaner an, während neben ihm sein Landsmann Justin Gatlin zustimmend nickt. Kein Wunder. Wer wüsste das besser als der mehrfach überführte Dopingsünder, der sich diesmal mit Silber begnügen muss?

Vor zwei Jahren ist es Gatlin gewesen, der mit seinem WM-Titel in London die Regentschaft Usain Bolts beendet hat; in seinem Nachfolger Coleman sitzt nun der nächste Weltmeister von sehr zweifelhafter Natur auf dem Sprinterthron. Ein sehr eindrücklicher Beleg dafür, dass die Leichtathletik in der Post-Bolt-Ära nicht nur eine neue Lichtgestalt sucht, sondern sich auch weiterhin mit alten Problemen herumschlagen muss.

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Der Weltverband IAAF hat unter der Führung von Präsident Sebastian Coe in den vergangenen Jahren einiges unternommen, die Scherben der Vergangenheit zusammenzukehren und im Ringen um neue Glaubwürdigkeit einen durchaus glaubwürdigen Antidopingkampf zu führen. Ein schwerer Rückschlag ist es nun, dass in der Königsdisziplin dieses Sports erneut ein Mann gewonnen hat, der all jene bestätigt, die auch weiterhin davon überzeugt sind, dass Medaillen nur mit unlauteren Mitteln zu erringen sind.

Nur die Schlampigkeit eines jungen Mannes?

Christian Coleman hat binnen zwölf Monaten drei Dopingtests verpasst. Nur eine Lücke im Regelwerk und die Rückdatierung des ersten Tests verhinderten die zweijährige Sperre, mit der ein solches Versäumnis üblicherweise belegt wird. Mag theoretisch sein, dass tatsächlich keine böse Absicht zugrunde lag, sondern nur die Schlampigkeit eines jungen Mannes, wie der 23-Jährige vorgibt. Es würde nichts daran ändern, dass sein Davonkommen ein Schlag ins Gesicht all jener Athleten ist, die sich unter Preisgabe mancher Persönlichkeitsrechte gewissenhaft an die Vorschriften halten.

Eine fragwürdige Regel hat Coleman erlaubt, in Doha zu starten und den Titel zu gewinnen. Viel besser wäre es für die Leichtathletik gewesen, er wäre zu Hause geblieben.

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