Bei Daimler in Untertürkheim verhandeln Standortleitung und Betriebsrat hart über die Zukunft des Stammwerks. Ein Kompromiss sei eigentlich schon möglich gewesen, schreiben die Arbeitnehmervertreter an die Mitarbeiter. So soll es nun weitergehen.
Stuttgart - Eigentlich wollten sich Daimler und der Betriebsrat im Stammwerk Untertürkheim noch Ende 2020 einigen. „Das wäre ein wichtiges und positives Signal gewesen“, schreiben der dortige Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle und sein Stellvertreter Roland Schäfer in einem Brief an die Mitarbeiter. Derzeit verhandeln beide Parteien über die Zukunft des Leitwerks für Antriebstechnologien – es geht im Kern darum, wie der traditionsreiche Standort strategisch auf die Zukunft ausgerichtet wird. Beide Seiten wollen, dass das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilität in Untertürkheim angesiedelt wird. Umstritten ist, zu welchen Bedingungen das geschehen soll.
Verhandlungen gehen weiter
„Noch nie haben sich unsere Standortverhandlungen so schwierig gestaltet“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Vor Weihnachten habe es so ausgesehen, „als könnten wir uns auf einen Kompromiss einigen, der für beide Seiten tragbar ist“, erläutert Häberle. „Die Standortleitung wollte sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht fest zu diesem Kompromiss bekennen“, so der Betriebsratschef weiter.
Nun sollen die Verhandlungen kommende Woche weitergehen – auf Drängen des Betriebsrats, wie es heißt. „Wir wollen und wir müssen in den nächsten Wochen zu einem Ergebnis kommen“, schreiben die Betriebsräte. Daimler äußerte sich auf Anfrage nicht zum derzeitigen Stand der Verhandlungen.
Konkret drehen sich die Gespräche um die Frage, ob Untertürkheim einen sogenannten E-Campus bekommt und dafür Teile der Fertigung für Verbrennungsmotoren an Werke in Osteuropa abgibt. In dem E-Campus sollen Daimlers Bemühungen um den Elektroantrieb an einem Ort gebündelt werden. Es gehe unter anderem um die „die Verzahnung von Produktion, Forschung und Entwicklung“, erklärte Michael Häberle im Herbst im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch eine Batteriezellfertigung in Kleinserie ist vorgesehen.
Betriebsrat: Keine Verlagerung ohne Kompensation
Um Platz für den E-Campus zu schaffen, will Daimler die bereits vereinbarte Fertigung von Kurbelwellen nach Osteuropa verlagern. Der Betriebsrat befürwortet die Einrichtung des E-Campus, will aber nicht auf Fertigung für konventionelle Antriebe verzichten. „Für eine erfolgreiche und faire Transformation unseres Standorts benötigen wir unbedingt Produktionsarbeitsplätze im konventionellen und im alternativen Antrieb“, betonen Häberle und Schäfer.
Man wolle nicht mit aller Macht an einzelnen Produkten festhalten, brauche aber die Beschäftigung, um den Mitarbeitern Sicherheit und Perspektiven zu geben. „Es wäre absolut fatal, diese Produktionsarbeitsplätze ohne Kompensation ins Ausland zu verlagern“, so die Arbeitnehmervertreter. Gibt es keine Einigung, hat Daimler-Produktionsvorstand Markus Schäfer angekündigt, den E-Campus an einem anderen Daimler-Standort einrichten zu wollen.