Richtige Handhygiene hilft dabei, sich vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen. Wie das geht, zeigen hier Philipp Schulze (li.) und Wilfried Werner Geissler. Foto: Sandra Hintermayr

Auch wenn es in Stuttgart bisher noch keinen Fall gibt: Ärzte bereiten sich auf den Ausbruch des Virus Sars-CoV-2 vor. Bessere Hygienemaßnahmen und der Verzicht aufs Händeschütteln gehören zur Prävention. Ein Beispiel aus Stuttgart-Möhringen.

Möhringen - Es war noch gar nicht die Rede von einer Pandemie, da beschäftigten sich Wilfried Werner Geissler, Facharzt für Innere Medizin, und Philipp Schulze Temming-Hanhoff, Arzt in Weiterbildung zum Hausarzt, bereits mit dem Coronavirus. Fünf Wochen ist das nun her. Damals war das Virus noch nicht in Deutschland angekommen. Dennoch hatten sich die Hausärzte über eine mögliche Ausbreitung Gedanken gemacht, „weil wir Schlechtes befürchtet haben“, sagt Geissler. Wie sich herausstellte, sollten die Ärzte mit ihrer Ahnung recht behalten. Inzwischen sind 188 Infizierte in Deutschland bestätigt, davon sind 26 Fälle in Baden-Württemberg (Stand 3. März, 10 Uhr), informiert das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite www.rki.de.

Händeschütteln ist verboten

Und auch wenn noch kein Fall in Stuttgart bekannt ist, in Möhringen ist man auf den Ausbruch der Erkrankung Covid-19 vorbereitet: „Wir haben per Dienstanweisung das Händeschütteln untersagt“, sagt der promovierte Mediziner Geissler. In der Praxis an der Oberdorfstraße wurden entsprechende Schilder aufgehängt mit dem Wortlaut „Bitte aufgrund der aktuellen Situation das Händeschütteln vermeiden“. Einfach ist das für die Hausärzte nicht, der Handschlag gehört hierzulande zur Begrüßung dazu. „Sie glauben ja gar nicht, wie oft am Tag mir die Hand zum Gruß rausrutscht“, sagt Geissler. Indem man den direkten Kontakt zu Mitmenschen meide, verringere sich das Risiko einer Infektion.

Die Ärzte haben zudem ihr Personal geschult, unter anderem gab es eine Auffrischung zum Thema Handhygiene. Spezielle Schutzmasken mit Filter und Schutzbrillen liegen ebenfalls bereit, sie sollen die Mitarbeiter vor einer Tröpfcheninfektion schützen. Schildert ein Patient Symptome, wird bei ihm bereits am Empfang mit einem Infrarotthermometer, also ohne direkten menschlichen Kontakt, Fieber gemessen. „Liegt die Temperatur bei mehr als 37,5 Grad, bekommt der Patient eine Schutzmaske, und wir bringen in einen separaten Wartebereich“, sagt Schulze. Für die Behandlung steht ebenfalls ein eigener Raum bereit. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt in Stuttgart und sprechen alle Vorgehensweisen ab“, sagt Schulze.

Nach Möglichkeit nicht in die Praxis kommen

Generell gilt aber: Wer grippeähnliche Symptome hat, soll nicht unangemeldet in die Praxis kommen, sondern erst anrufen. Die Ärzte besprechen dann mit dem Patienten die nächsten Schritte. Das gilt insbesondere für Menschen, die entweder Kontakt zu einem bestätigten Coronavirus-Infizierten hatten oder in den vergangenen zwei Wochen in einem Risikogebiet wie der italienischen Lombardei waren. Das städtische Gesundheitsamt (Telefon 0711/2 16-5 93 90) ist in einem solchen Fall ebenfalls Ansprechpartner. Auch anderen Patienten rät Geissler, wenn möglich, nicht in die Praxis zu kommen, sondern die Telefonsprechstunde zu wählen und Routinetermine zu verschieben.

„Es gibt bislang kein Heilmittel gegen Corona“, sagt Schulze. „Deswegen ist die Prävention so wichtig.“ Auch das Robert-Koch-Institut spreche von einer Eindämmung, nicht von einer Vernichtung des Virus. Die Forschung sei aber dran an der Entwicklung einer Therapie. Und so beängstigend das neue Virus für manche sei, so viel sei seit dem Ausbruch im Dezember bereits darüber bekannt. China habe das Virus schnell identifiziert. „Seit dem 7. Januar kennt man den Gegner“, sagt Geissler. Der Wissenschaft seien bereits sechs Corona-Stämme bekannt gewesen, ergänzt Schulze. Zwei davon seien zoonotisch, also aus dem Tierreich stammend. Mit dem Virus Sars-CoV-2 kam nun ein neuer zoonotischer Corona-Stamm hinzu.

Prävention ist wichtig

80 Prozent der Krankheitsverläufe sind ähnlich einer milden Grippe. In Deutschland ist laut dem Robert-Koch-Institut noch kein Patient verstorben. Panikmache sei fehl am Platz sagt Geissler. Dennoch will der Internist das Coronavirus nicht verharmlosen. „Das Problem ist, dass man sich anstecken kann, noch bevor beim Gegenüber Symptome sichtbar sind.“ Das Vermeiden von Menschenansammlungen und Körperkontakt könne zur Vorbeugung beitragen. Das Virus sei umweltstabil, könne also in Flüssigkeiten wie Speichel einige Tage überleben. Deswegen sei es wichtig, nicht in die Hände zu husten oder zu niesen, sondern stattdessen in die Armbeuge, und Taschentücher nur einmal zu verwenden und dann zu entsorgen und anschließend die Hände zu waschen. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Sars-CoV-2 scheint hitzeempfindlich zu sein. Es ist also wahrscheinlich, dass die Infektionen im Frühsommer spätestens abnehmen. „Jetzt aber ist das Virus da und wird erst mal Fahrt aufnehmen“, sagt Schulze.

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