Die ehemalige Grundschule an der Scharnhauser Straße 19 ist für ein Pflegeheim im Gespräch. Noch aber hat die Landwirtschaftliche Schule darin Klassenzimmer. Dort ist man nicht begeistert von der Idee. Zudem schätzt die Stadt das Haus als baufällig ein. Foto: Simone Bürkle

Die CDU schlägt die alte Grundschule als Standort für ein Pflegeheim vor. Dort hat die Landwirtschaftliche Schule jedoch noch sehr wohl Räume, die sie nutzt.

Plieningen - Einen „Silberstreif am Horizont“, so nennt die CDU im Stuttgarter Gemeinderat ihre Idee. In einem Antrag haben die Christdemokraten formuliert, was sie sich für Plieningen vorstellen: ein Alten- und Pflegeheim. Den Wunsch danach gibt es im Ort schon seit Jahren, allerdings scheiterten schon mehrere Investoren daran, dass nie ein geeignetes Grundstück für ein solches Vorhaben zur Verfügung stand (wir berichteten).

Nun schlägt die CDU einen neuen Standort vor, der aus ihrer Sicht bestens geeignet wäre für ein Pflegeheim. Dabei handelt es sich um die alte Grundschule an der Scharnhauser Straße 19. Das Grundstück, das sich im Besitz der Stadt befindet, biete wegen seiner Größe sogar Platz für einen Außenbereich für demente Senioren und liege verkehrsgünstig in der Nähe der Ortsmitte. Zudem gebe es direkt vor der Haustür eine Bushaltestelle und einen Fußgängerüberweg. Obendrein sei das Gebäude wegen Baufälligkeit bereits seit mehr als einem Jahr geschlossen, argumentieren die Christdemokraten.

Das Haus ist mitnichten aufgegeben

In letzterem Punkt freilich irrt die CDU. Das Haus ist mitnichten aufgegeben, vielmehr hat die Landwirtschaftliche Schule Hohenheim dort mehrere Räume belegt. In dem Haus sind Klassenzimmer, aber auch ein EDV-Raum, eine Werkstatt und Lehrerzimmer der Schule untergebracht.

Dementsprechend verschnupft reagieren die Verantwortlichen der Schule auf das Vorpreschen der CDU. „Die Ideen werden jeden Tag skurriler“, sagt Gerhard Pfuderer. Der stellvertretende Schulleiter kann angesichts der Pläne für das Gebäude nur den Kopf schütteln. „Uns wurde immer signalisiert, das Haus sei einsturzgefährdet“, sagt er. Tatsächlich gibt es eine Vorlage der Stadtverwaltung, die in der vergangenen Woche im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats diskutiert wurde. Dort ist zu lesen, dass die Stadt das Haus als „stark sanierungsbedürftig“ einstuft und insbesondere die „risikobehaftete Haustechnik“ für problematisch hält.

Seit Jahren schwelt ein Streit zwischen Stadt und Land

Ohnehin sind Pfuderer und seine Kollegen die ewigen Diskussionen um ihre Schule leid. Denn schon seit Jahren schwelt ein Streit zwischen Stadt und Land, die jeweils einen Teil der Schule in ihrer Trägerschaft haben. Dabei geht es um die Sanierung der maroden Schulgebäude.

Vor einigen Monaten hatte es wieder eine Annäherung gegeben. Es sah sogar eine Zeit lang so aus, als könnten sich beide Seiten auf einen Neubau für die Schule einigen, deren Räume derzeit über ganz Plieningen und Hohenheim verteilt sind. „Für diese Planungen wurde ja auch schon Geld ausgegeben“, sagt Pfuderer. Die Summe lässt sich beziffern, von 24 000 Euro ist bei der Stadt die Rede.

Doch dann kam doch wieder alles ganz anders. Nach einem Briefwechsel zwischen Oberbürgermeister Fritz Kuhn und dem beim Land zuständigen Staatssekretär Ingo Rust kristallisierte sich heraus, dass Stadt und Land derzeit wohl nicht zu einer gemeinsamen Lösung kommen werden.

Stadt will Schulen zusammenlegen

Stattdessen schlägt die Stadtverwaltung nun vor, die Landwirtschaftliche Schule mit der Gewerblichen Schule im Hoppenlau zusammenzulegen und beide Schulen miteinander in der Innenstadt anzusiedeln. Das hält Gerhard Pfuderer für einen völlig falschen Ansatz: „Wir sind entsetzt über diesen Vorschlag. Wie man das alles hier so zerschlagen kann, ist unvorstellbar.“ Denn in Hohenheim, sagt der stellvertretende Schulleiter, „gibt es alles vor Ort, was wir brauchen“ – von den Gewächshäusern bis zu hin zu den Lehrgärten. In der Innenstadt hingegen gebe es keine Möglichkeiten, den Schülern einen so praxisnahen Unterricht zu ermöglichen, wie es bisher der Fall sei. „Die Qualität des Unterrichts kann nur erhalten bleiben, wenn die bisherige Konstruktion erhalten bleibt“, sagt Pfuderer – auch wenn dies wegen der vielen verteilten Gebäude einen höheren Organisationsaufwand für die Landwirtschaftliche Schule bedeute. „Aber das haben wir im Griff“, versichert Pfuderer.

Wohin die Zukunft letztlich geht für die Landwirtschaftliche Schule, ist offen. „Die Stadt ist dabei, die Zusammenlegung mit der Hoppenlau-Schule zu prüfen“, sagt die städtische Sprecherin Friederike Gehlenborg. Und ob die Idee der CDU, an der Scharnhauser Straße 19 ein Pflegeheim einzurichten, „vom Silberstreif zum Sonnenaufgang“ wird, wie es die Christdemokraten formulieren, bleibt vorerst ebenfalls ungeklärt – dies sei auch in der Prüfung, in diesem Fall beim Sozialamt. „Mehr können wir dazu nicht sagen“, sagt Gehlenborg.

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