Alice Weidel lebt zwar mit einer Frau zusammen, bekommt aber von sexuellen Minderheiten nur wenig Zustimmung, sagt eine Befragung. Foto: AP

Laut einer Studie, die das Wahlverhalten von Homosexuellen untersucht hat, würde die AfD bei dieser Bevölkerungsgruppe am 24. September an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Dafür sind zwei andere Parteien besonders stark.

Berlin - Auch wenn die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel als einzige Spitzenkandidatin der Parteien, die voraussichtlich am 24. September in den Bundestag einziehen, offen homosexuell lebt, halten sich die Sympathien sexueller Minderheiten für die Rechtspopulisten offenbar in Grenzen. Das sagt zumindest eine gemeinsame Wahlstudie der Universitäten Wien und Gießen, für die 7400 Menschen befragt wurden, die lesbisch, schwul, bisexuell, transgeschlechtlich oder intersexuell (LSBTIQ) sind. Die Ergebnisse wurden am Montag in Berlin vorgestellt. Hiernach würde die AfD gerade mal 2,7 Prozent der Wählerstimmen erreichen und bliebe weit hinter aktuellen Umfragen zurück, in denen sie bei der wahlberechtigten Gesamtbevölkerung zwischen 8 und 12 Prozent Zustimmung erhält – und würde an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Ebenfalls deutlich schwächer als im Bundesdurchschnitt schneidet bei LSBTIQ-Wählern laut der Studie die CDU ab – und das, obwohl im Juni 75 von 311 Unionsabgeordneten im Bundestag für die Ehe für alle gestimmt hatten, die mit Schützenhilfe anderer Parteien auch durchgesetzt wurde. Statt 36 bis 38 Prozent kommt die CDU bei der Befragung auf nur auf 6,9 Prozent kommen.

Die Grünen sind die stärkste Kraft

Relativ nahe an die Zahlen der Wahlprognosen kommen bei den Befragten SPD und FDP heran. Die Sozialdemokraten bekommen der Studie nach 21,2 Prozent (Umfrageinstitute sehen sie bei 20 bis 24 Prozent), während die FDP 9,5 Prozent der Stimmen für sich verbuchen könnte (laut den Instituten 9 bis 10 Prozent).

Deutlich stärker als in den Vorhersagen sind bei den befragten LSBTIQ-Menschen dagegen die Linke und die Grünen. Sie sind laut der aktuellen Sonntagsfrage bei 8 bis 11 (Linke) beziehungsweise bei 7 bis 9 Prozent (Grüne). In der Befragung können sie die höchsten Werte aller Parteien in Deutschland für sich verbuchen: 22,6 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, die Linke wählen zu wollen und 29 Prozent würden ihr Kreuz bei den Grünen setzen.

Die LSBTIQ-Studie erhebt keinesfalls den Anspruch, eine Wahlprognose zu sein. Viel mehr gehe es darum, Erkenntnisse über das Wahlverhalten von sexuellen Minderheiten zu gewinnen, betonen die Politikwissenschaftler hinter der Studie. Da sexuelle Minderheiten in Deutschland nicht erfasst werden, wäre eine repräsentative Studie ohnehin unmöglich.

Andere Umfragen, die etwa von Dating-Portalen durchgeführt wurden, kommen auch zu ganz anderen Ergebnissen. So würde die AfD laut einer Erhebung des schwulen Dating-Portals Planet Romeo 12 Prozent der Wählerstimmen erhalten, die CDU 27, die SPD 23, die Linke 11, die Grünen 14 und die FDP 7 Prozent. Der Wert dieser Befragung ist allerdings noch fragwürdiger: Planet Romeo hat weder Angaben über die Zahl der Teilnehmer, noch über die Methode der Untersuchung gemacht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: