Beamte sichern Spuren am Tatort. Das Urteil im Riedenberger Doppelmord ist gefallen. (Archivfoto) Foto: www.7aktuell.de | Jonas Oswald

Ein 53-Jähriger, der im Oktober seine Frau und seinen Sohn im Stuttgarter Stadtteil Riedenberg erstochen hat, ist zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte die Tat eingeräumt.

Stuttgart - Knapp acht Monate nachdem er in einem Stuttgarter Vorort seine Ehefrau und seinen Sohn erstochen hat, ist ein 53 Jahre alter Mann am Montag zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Baustellen-Koordinator am 18. Oktober zunächst seine 43 Jahre alte Ehefrau, dann seinen 16-jährigen Sohn und schließlich den Hund der Familie getötet hat - mit mehr als 80 Messerstichen.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Hahn sprach von einer unfassbaren, extrem brutalen Tat und mehrmals von „wuchtigen Stichen“. Ohne sichtbare Regung nimmt der geständige Täter das Urteil am Montag zur Kenntnis. Blauer Pullover, Jeans. In Handschellen wird der relativ große, kräftige Mann mit den kurzen braunen Haaren schließlich wieder abgeführt. Das mögliche Motiv für die Bluttat am 18. Oktober 2015 kennt vermutlich nur er. Dem Gericht sei der Beantwortung dieser Frage im Prozess seit Anfang Mai nicht näher gekommen, sagte Hahn bei der Urteilsverkündung.

Sonntag, 18. Oktober 2015: Um 9.28 Uhr geht ein Notruf bei der Polizei ein. Ein Mann erklärt, er habe seine Familie getötet. Wenig später findet die Polizei im Kinderzimmer einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus am Mandarinenweg tatsächlich die Leichen einer Frau und eines Jugendlichen. Die 43-Jährige übersäht mit 55 Stich- und Schnittverletzungen, der 16-Jährige mit 27. Auch der Hund liegt erstochen im Zimmer.

Der Vater der ausgelöschten Familie wird festgenommen, blutüberströmt und mit drei Promille Alkohol im Blut. Er soll versucht haben, sich die Pulsadern an beiden Armen aufzuschneiden, leistet keinen Widerstand. Er sei beruflich überfordert gewesen, es sei ihm „alles zu viel“ geworden, er habe Angst vor dem Jobverlust und einem sozialen Abstieg gehabt, sagt der Mann später aus. Der psychiatrische Gutachter des Landgerichts war am Ende etwas ratlos: Er erklärte den 53-Jährigen aber wegen einer Psychose für vermindert schuldfähig.

Depressiver Zusammenbruch am Tattag

Das Gericht geht davon aus, dass er am Morgen des Tattags einen depressiven Zusammenbruch erlitten hatte und seine Steuerungsfähigkeit daher vermindert war. Spätestens, als er in den Keller ging und sich mit Axt, Beil und Messer bewaffnete, habe er aber den Beschluss gefasst, seine Familie auszulöschen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Totschlags zu lebenslanger Haft gefordert. Der ursprüngliche Vorwurf des Mordes wurde fallengelassen wegen der verminderten Schuldfähigkeit.

Die Familie des 53-Jährigen lebte sehr zurückgezogen, womöglich hatte auch die Frau psychische Probleme. Sein Job als Baustellen-Koordinator bei einem Energieunternehmen sei dem arbeitsbesessenen Mann über den Kopf gewachsen, meinte Richter Hahn. Sogar nachts und extrem penibel habe er seine Baustellen und auch die von Kollegen überprüft. Nach eigenen Aussagen habe er sich auf einem „Kreuzzug für die Sicherheit“ befunden - ausgelöst wohl durch einen Beinahe-Unfall auf einer seiner Baustellen.

Der Mann war zeitweise freigestellt und in psychiatrischer Behandlung, lehnte Medikamente aber ab und spielte laut Gericht Ärzten vor, dass es ihm besser gehe. Nach der Tat schickte er noch zwei Mails an seinen Arbeitgeber, in denen er zum einen seine Baustellen auflistete und übergab und zum anderen schrieb, dass er seine Familie getötet habe und nicht mehr zur Verfügung stehe.

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