Der Barber Shop diente ebenfalls Bierstation. Insgesamt zwölf Geschäfte haben Craft Biere bei der ersten Bierwanderung im Gerberviertel rund um die Tübinger Strasse angeboten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

„Was läuft denn heute?“ fragt ein Herr. „Bier!“ entgegnet ein anderer. Bei der ersten Bierwanderung durchs Stuttgarter Gerberviertel am Samstagabend genossen 300 Teilnehmer im Kino, im Barber Shop und in den kleinen Läden des Viertels Craft Biere vom Feinsten.

Stuttgart - Im Delphi in der Tübingerstraße hat sich eine kleine Schlange gebildet. „Was läuft denn heute?“ fragt ein Herr. „Bier!“ entgegnet ein anderer. Das Bändchen am Arm und das Gläschen in der Hand weisen sie als Teilnehmer der 1. Bierwanderung im Gerberviertel aus. Im Kinofoyer steht am Samstagabend das Toxic Harvest Ale der Böblinger Kraftbierwerkstatt zur Verkostung bereit. Im Barber Shop schäumt derweil neben der Rasierseife auch Lager von Fux Bier und bei Boots by Boots kredenzt man zwischen Cowboystiefeln „Chinook“, aus Flaschen, deren Etikett ein Indianer ziert. „Eigentlich bin ich gar kein großer Craft Beer Freund“, gesteht Sebastian (29). „Mir schmeckt das oft zu seifig.“. Als sein Freund Randy (35) über einen Flyer stolperte, der zum Bier-Event einlud, ließ er sich trotzdem schnell überzeugen, eines der 300 verfügbaren Tickets zu erwerben: „15 Euro für ein Dutzend Biere – das ist unschlagbar“, stellt er fest.

Zwölf Stationen in vier Stunden

Anhand einer Bierwanderkarte kann jeder Teilnehmer seine eigene Route durch das Quartier festlegen. Ob man die vier Stunden Veranstaltungsdauer nutzt, um alle zwölf Stationen abzuklappern oder lieber länger an einer Schankstelle verweilt, bleibt jedem selbst überlassen. Auch der Startpunkt kann individuell gewählt werden.

Lydia (36) und Nadine (31) beginnen ihre Tour im Smov in der Sophienstraße, wo Hobbybrauer Jürgen Arndt von Inspirationsbräu den Ausschank mit Informationen rund ums eigene Erzeugnis begleitet. „Für dieses Bier wird Nasshopfen verwendet“, verrät er und weist auf eine Flasche Merkur. „Der wird nicht getrocknet und enthält rund 40 Prozent mehr Hopfenöle und Aromen.“ Den Freundinnen mundet das Ergebnis. Kurzerhand beschließen sie, auch noch Venus und Sonnenfinsternis zu probieren.

Zum Pale Ale der Johnny-Cash-Button

Tim (30) hat sich mit seinem Bierwandergrüppchen in der Yeans Halle versammelt und nippt an einem Riedmüller Bier. „Eigentlich könnte man den Tresen hier ruhig stehen lassen“, scherzt er. Dass der Ausschank nicht in Kneipen, sondern in verschiedenen Geschäften erfolgt, findet er reizvoll. So komme man auch in Läden, an denen man sonst nur vorbeigelaufen sei.

Wahrscheinlich wäre es auch für Sebastian beim Blick ins Schaufenster des Flaming Star geblieben, hätte ihn nicht das Pale Ale in die Nesenbachstraße gelockt. Gerade steckt er sich einen neu erstandenen Johnny--Cash-Button an die Jacke. Die Stimmung ist bestens. Auch bei Melanie Ammer, der Mitinhaberin des Fachgeschäfts für Retro-Mode und Accessoires. „Die Leute sind alle sehr entspannt“, urteilt sie. „Sollte im kommenden Jahr eine zweite Bierwanderung stattfinden, was angedacht ist, sind wir auf jeden Fall wieder dabei.“

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