Die Spitze des Bezirksamts in Stuttgart-Degerloch war in den vergangenen Monaten vergleichsweise verwaist. Foto: Bosch

Brigitte Kunath-Scheffold, die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Degerloch, ist im Dezember schwer erkrankt, die Folgen wirken nach. Und auch ihr Stellvertreter ist seit September 2016 nicht am Arbeitsplatz. Das war und ist eine Herausforderung.

Degerloch - Die vergangenen Monate dürften für Brigitte Kunath-Scheffold beruflich gesehen die schwersten gewesen sein, die sie je erlebt hat. Kurz nach Weihnachten erkrankte die Bezirksvorsteherin von Degerloch schwer, und es ist immer noch nicht ganz ausgestanden. Wobei sie heute auf Nachfrage sagen kann: „Ich bin guter Dinge.“ Seit vergangener Woche ist Kunath-Scheffold in ambulanter Reha, diese dauert noch gute zwei Wochen, wie sie sagt.

Die Sekretärin kam mit Akten ins Krankenhaus

Kunath-Scheffold hatte mit einer verschleppten Lungenzündung sowie einer Viruserkrankung zu kämpfen. Daran schlossen sich verschiedene unangenehme Begleiterscheinungen an, berichtet sie. Ganz ausgeklinkt habe sie sich bei der Arbeit allerdings nie. Seit Dezember hat die Bezirksvorsteherin deshalb zwischen Krankenbett und Rathaus jongliert. „Ich habe alles getan, um den Laden am Laufen zu halten“, sagt Kunath-Scheffold.

Ihre Sekretärin habe sie zum Beispiel mit Mundschutz und Aktenstapeln im Krankenhaus besucht, „und ich war jeden Tag in Kontakt mit ihr“, erzählt die Bezirksvorsteherin. Mit Krücken sei sie zu den wichtigsten Terminen ins Bezirksamt gekommen. Den Neujahrsempfang in Degerloch habe sie von der Klinik aus vorbereitet und koordiniert.

Der Stellvertreter kehrt erst demnächst wieder zurück

Brigitte Kunath-Scheffold hatte doppeltes Pech. Zum einen ist es ihre eigene Gesundheit, die sie in den vergangenen Monaten mehr oder weniger niedergestreckt hat. Zum anderen ist ihr Stellvertreter, Mykola Heinrich, seit September 2016 nicht an seinem Arbeitsplatz. Er ist seitdem ebenfalls krank und kehrt erst demnächst wieder ins Bezirksamt Degerloch zurück.

So gesehen war die Spitze des Degerlocher Bezirksamts in den vergangenen Monaten vergleichsweise verwaist. Wobei Kunath-Scheffold betont, dass sie trotz Krankheit nie komplett ausgefallen sei. Sie sei zwar bis Ende Februar krankgeschrieben gewesen, habe die Geschäfte aber nie längere Zeit ruhen lassen. Schlicht, weil ihr der Job und der Stadtbezirk am Herzen lägen. Sie habe die Verantwortung für den Stadtbezirk vor rund 17 Jahren übernommen, „und dazu stehe ich“.

Positiv für sie: Ihr Chef, der Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer, hat ihr einen zusätzlichen Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Dieser ist mit hundert Prozent seit Februar im Dienst in Degerloch. Außerdem wurde die Arbeitszeit einer Sachbearbeiterin aufgestockt.

Es seien bisher keine Beschwerden aufgekommen

„Das war durchaus eine große Herausforderung für das Degerlocher Bezirksamt, aber ich bin der Auffassung, dass es uns bisher gut gelungen ist, die Situation zu meistern“, sagt Bürgermeister Fabian Mayer zu der Situation in den vergangenen Monaten. Dies liege nicht zuletzt auch daran, dass Kunath-Scheffold selbst vom Krankenbett aus alle Geschäfte koordiniert habe.

Der Verwaltungsbürgermeister betont, dass weder im Stuttgarter Rathaus noch im Bezirksrathaus Degerloch Beschwerden aufgekommen seien aufgrund der Abwesenheit von Kunath-Scheffold und ihrem Stellvertreter Heinrich. Außerdem ist Mayer zuversichtlich, dass sich die Situation bald wieder entspannt.

Während der ganzen Zeit sei nur eine einzige Sitzung der Bezirksbeiräte krankheitsbedingt ausgefallen, berichtet Kunath-Scheffold. Eine weitere Sitzung, an der sie nicht persönlich teilnehmen konnte, habe der CDU-Sprecher Götz Bräuer im Auftrag des Verwaltungsbürgermeisters geleitet, sagt die Bezirksvorsteherin.

Positive Rückmeldungen von Bürgern

Im März ist Brigitte Kunath-Scheffold beruflich wieder eingegliedert worden. Das heißt, sie hat etwas weniger gearbeitet als normalerweise, um ins Tagesgeschäft zu finden. Seit Ostern ist sie wieder zu hundert Prozent im Einsatz. Und seit vergangener Woche macht sie eben die ambulante Reha. Für diese ist Kunath-Scheffold vom Dienst befreit, wie sie sagt. Was aber nicht bedeutet, dass sie Stift und Aktenordner liegen lässt. „Meine Arbeit macht mir ja Spaß, ich mache das mit großer Freude für Degerloch.“

Von Bürgern habe sie in den vergangenen Wochen nur positive Rückmeldungen erhalten. Niemandem sei aufgestoßen, dass das Chef-Zimmer im Rathaus nicht so besetzt gewesen sei, wie gewohnt. „Wenn die Leute mich auf der Straße treffen, sagen sie: machen Sie langsam, machen Sie vorsichtig.“ Ein Rat, den Kunath-Scheffold versucht, zu befolgen. Wobei sie sagt: „Natürlich ist es viel Arbeit, ich habe jetzt viel nachzuholen.“

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