Glückwünsche vom Oberbürgermeister Fritz Kuhn: Seit dem 17. Oktober 2016 hat der Schönberger Rechtsanwalt Fabian Mayer seinen Arbeitsplatz im Stuttgarter Rathaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Vom Rechtsanwalt zum Bürgermeister: Fabian Mayer erzählt aus seiner Sicht, wie er das vergangene Jahr wahrgenommen hat, wie er kurz vor der entscheidenden Wahl seine Aufregung bekämpft hat und warum der Einstand am DJ-Pult kein Problem für ihn war.

Schönberg - Global gesehen war 2016 ein Jahr der Instabilität, Verunsicherung und Diskontinuität. Die Welt rast. Wir erleben das als staunende Zuschauer, ob in der Zeitung, im Fernsehen oder im Internet. Wir spüren, dass die Ereignisse 2016 viel verändert haben, finden aber nur schwer Worte, um es zu fassen oder richtig einzuordnen. So blicke ich auf die unterschiedlichen Großereignisse des vergangenen Jahres zurück – und bin mit diesen Eindrücken sicher nicht allein.

Mein persönliches Jahr 2016 war vor allem von einer Entscheidung geprägt, die mein berufliches Leben grundlegend verändert hat. Am 22. September wurde ich zum Stuttgarter Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht gewählt. Davor war ich Anwalt und Partner in einer renommierten, international tätigen Stuttgarter Wirtschaftskanzlei. Mich aus dieser beruflichen Situation herauszubewegen und für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, war eine große und wichtige Entscheidung, über die ich einige Zeit nachgedacht habe.

„Auf dem Gymnasium war ich Schulsprecher“

Letztlich gewann in der Abwägung des Für und Wider einer solchen Bewerbung am Ende die Leidenschaft für politische Gestaltung und das Arbeiten am Gemeinwohl die Oberhand. Ich war schon früh politisch aktiv, und die Organisation des Gemeinwesens fand ich schon immer spannend. Auf dem Königin-Charlotte-Gymnasium in Möhringen war ich Schulsprecher, später dann Vorsitzender der Jungen Union Stuttgart und Stadtrat der CDU. Als ich mich entschieden hatte, für die CDU als Bürgermeisterkandidat anzutreten, bin ich gewissermaßen einem inneren Ruf gefolgt.

Die Zeit zwischen der Nominierung der CDU am 22. Juli und der Wahl am 22. September habe ich als lang empfunden – eine große Ausnahme in diesem rasanten Jahr. Gedanklich hing ich in dieser Zeit irgendwie zwischen zwei Leben, nicht wissend, wie die Wahl ausgehen wird.

Der Wahltag war ein schöner Spätsommertag; daran erinnere ich mich noch genau. Bevor ich ins Rathaus ging, habe ich morgens einen langen Spaziergang durch das Ramsbachtal gemacht, das ich sehr mag. Ich habe mich auf eine Bank in die Sonne gelegt, Musik gehört und versucht, mich etwas abzulenken. Gegen Nachmittag ist die Spannung und Anspannung stark gestiegen. Als ich gewählt wurde, war ich wirklich erleichtert, dass es so gut geklappt hat. Von meinen Schultern fiel eine Last ab. Groß gefeiert habe ich nicht, aber im Kreise der Familie gab es abends einen kleinen Umtrunk.

„Als Bürgermeister verläuft jeder Tag anders“

Mein Arbeitsalltag hat sich seitdem radikal verändert. Zunächst einmal musste ich innerhalb von drei Wochen all meine Anwaltsgeschäfte übergeben. Das war eine sehr intensive Zeit, die nochmals viele Ressourcen gekostet hat. Meinen Einstand als Bürgermeister hatte ich dann – eher unkonventionell – am DJ-Pult bei der Stuttgartnacht im Rathaus am 15. Oktober, bei der ich aktuelle Lieder und Disco-Klassiker aufgelegt habe. Das war ein schöner Abend, ich habe ja auch etwas Bar- und Cluberfahrung: Während meines Jurastudiums habe ich fünf Jahre lang als Barmann im Waranga am Kleinen Schlossplatzgearbeitet.

Am Montag, 17. Oktober, ging es dann mit der „richtigen“ Arbeit als Bürgermeister los. Während meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und Partner in einer Wirtschaftskanzlei hatte ich vor allem mit umfangreichen Schriftsätzen und juristischer Detailarbeit zu tun. Obwohl ich noch immer in der Einarbeitungsphase bin, kann ich schon jetzt sagen: Als Bürgermeister verläuft jeder Tag anders. Wirklich regulär sind nur die Ausschusstage mit dem Verwaltungsausschuss oder dem Kultur- und Medienausschuss.

„Manchmal schaffe ich es zum Abendessen nach Hause“

Doch abgesehen davon ist der Alltag ganz verschieden: Eine hohe Vorgangs- und Entscheidungstaktung und viele Gespräche. In den vergangenen Wochen habe ich beispielsweise alle 23 Stuttgarter Bezirksvorsteher kennengelernt.

Was sich nicht verändert hat, ist mein vergleichsweise hohes Arbeitspensum. Meine Frau hat mit Freude festgestellt, dass ich als Bürgermeister nicht noch mehr arbeite, als es im Anwaltsberuf die Regel war. Hin und wieder schaffe ich es unter der Woche auch mal zum Abendessen nach Hause zu kommen. Und ich versuche außerdem, mir die Wochenenden einigermaßen freizuhalten – was nicht immer ganz gelingt.

Wenn ich frei habe, genieße ich die Zeit mit meiner Frau, unserem vierjährigen Sohn und unserer einjährigen Tochter. Jeder Moment, den ich mit meiner Familie im Jahr 2016 hatte, wurde dadurch gewissermaßen auch zu einem Jahresgroßereignis.

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