Paula Beer spielt Jana Liekam, die Jungbankerin zwischen Gier und Überforderung. Foto: ZDF

In „Bad Banks“ erzählen Arte und ZDF endlich mal ohne Moralbremse vom Aufstieg einer ehrgeizigen jungen Bankerin. Unter der Regie von Christian Schwochow spielt Paula Beer eine komplizierte Frau, die sich unter Skrupellosen behaupten will.

Stuttgart - Wo dieses Geld eigentlich herkomme, fragt sich in der Serie „Bad Banks“ ein Pärchen aggressiver Jungbanker, nachdem es an der Börse mit Hilfe von Insiderinformationen illegal Millionen erzockt hat. Das könnte der Beginn einer reinigenden Katharsis werden, einer von moralisierenden Drehbuchautoren vorangetriebenen Seelenhäutung. Aber zum Glück nicht in diesem von Christian Schwochow inszenierten Sechsteiler: „Bad Banks“ will seine Figuren nicht verdammen, aber doch das Suchtpotenzial der Spiele, die sie treiben, als unüberwindbar darstellen. Börsengeld, definiert der abgebrühtere – oder auch nur: abgefahrenere – der beiden Banker, sei eben fiktiv, da müsse man sich keine Gedanken machen.

Die Hauptfigur von „Bad Banks“, die fünfundzwanzigjährige Jana Liekam, von der Darstellerin Paula Beer hervorragend zwischen Überspanntheit, Erfolgsgier und Selbstzweifeln verortet, könnte in einer konventionellen Serie zur Identifikationsfigur werden: zur ehrgeizigen Aufsteigerin, die sich mitreißen lässt vom amoralischen Kampfgeist weiter oben, aber merkt, welchen inneren Schaden sie nimmt und gerade noch rechtzeitig aussteigt. Entlang dieser Dramaturgie hat Oliver Stone 1987 seinen klassischen Finanzweltthriller „Wall Street“ aufgezogen, mit Charlie Sheen als Jungbörsianer und Michael Douglas als charismatischem Prediger der Gier.

Skrupel behindern die Emanzipation

Aber „Bad Banks“ löst sich souverän von solchen Beschwichtigungen. Jana Liekam ist eine sehr komplizierte Figur. Und die männlichen Vorgesetzten, mit denen sie es zu tun bekommt, sind zwar Alphatiere, aber als verführerische Vorbilder taugen sie mit ihren Macken und Verkrümmungen nur bedingt: Barry Atsma und Tobias Moretti überzeugen in ihren Rollen. Die interessanteste der Arrivierten ist aber die intrigante Bankerin Leblanc (eine Offenbarung: Désirée Nosbusch), deren kühle Intelligenz und Härte Liekam anziehend findet. Ohne falsch klingende Erklärungsdialoge wird klar, dass die jüngere Frau sich hier Skrupellosigkeit als Emanzipationsmodell abschauen könnte. Ob sie diesen Weg gehen wird, ist eine der spannenden Fragen von „Bad Banks“.

Die von einem Team unter Leitung von Oliver Kienle („Auf kurze Distanz“, „Die Vierhändige“) geschriebene Serie ist am 1. und 2. März auf Arte zu sehen, vom 3. bis 5. März beim ZDF und bereits jetzt in den Mediatheken der beiden Sender abrufbar. Verdientes Lob begleitet das Projekt: „Bad Banks“, heißt es ziemlich einhellig, sei eine der wenigen hiesigen Produktionen, die man aktuellen ausländischen Qualitätsserien an die Seite stellen dürfe.

Keine zähen Erklärungen

Tatsächlich verzichtet das Drehbuch auf erzwungene Einführungskurse, zähe Erklärstrecken und sperrig im Handlungsfluss stehende Was-bisher-geschah-und-warum-Dialoge. Die Serie schmeißt uns hinein in eine fremde Welt und vertraut auf unsere Neugier, uns dort zurecht finden zu wollen. Die Kamera lässt kaum Farben zu, gerade einmal das kühle Blau von Bankerhemden. Die kühlen, düsteren Bilder vermitteln das Abgenabeltsein der Megazocker-Sphäre von der Restwelt außerhalb der Bankentürme.

Dass es auch um ein gigantisches Bauprojekt namens „Leipzig 25“ geht, sollte niemanden auf die Idee bringen, hier könnten S-21-Seitenhiebe verteilt, gar Krimihypothesen zum Projekthintergrund entwickelt werden. Die Stadterneuerung, deren enorme Finanzrisiken weggeschmuggelt werden müssen, ist das, was Hitchcock einen MacGuffin nannte, ein den Filmfiguren wichtiges Element, das aber nur dazu dient, die Handlung in Gang zu bringen.

Hier liegt auch die einzige Schwäche von „Bad Banks“. Auf Geschäftsdetails wollen der Chefautor Kienle und der Regisseur Schwochow sich nicht einlassen, sie wollen Menschen unter Druck zeigen. Dass dem Zuschauer die Einpeitschreden der Chefs, das Gehabe der Telefonverkäufer und manch anderes bekannt vorkommen mag, muss man „Bad Banks“ aber nicht vorhalten. Wie viele Bereiche der Gesellschaft lebt die Finanzwelt noch immer ihre eigenen Klischees, doch genau darin liegt hier der erzählerische Ansatz: zu zeigen, wie wenig sich seit dem Beinahe-Kollaps des globalen Finanzsystems geändert hat.

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