Paula Beer als Jana Liekam in der TV-Serie „Bad Banks“, die am Mittwoch in Berlin Weltpremiere feierte und seit Donnerstag bereits in der arte-Mediathek verfügbar ist Foto: ZDF/arte

Das Serien-Special der Internationalen Filmfestspiele in Berlin zeigt starke Frauen. Desiree Nosbusch und Paula Beer mischen in „Bad Banks“ den Investmentmarkt auf, Natalie Dormer aus „Game Of Thrones“ leitet jetzt in Mädcheninternat, und eine norwegische Serie macht eine Frau zur Trainerin eines Erstliga-Fußballclubs.

Berlin - Sexismus lauert immer und überall. In den geschmacklos protzigen Bankzentralen Frankfurts, in denen sich eine ehrgeizige Analystin beim Meeting schon mal Sätze gefallen lassen muss wie: „Hast du letzte Nacht gebumst? Steht dir, solltest du jetzt öfter machen!“ Aber auch in einem Kaff an der Nordwestküste Norwegens, in dem eine Frau verspottet, beschimpft und bedroht wird, weil sie es gewagt hat, den Trainerposten bei einem Erst­liga-Fußballklub anzunehmen.

So unterschiedlich der deutsch-luxemburgische Finanzthriller „Bad Banks“ und das norwegische Drama „Heimebane“ (Heimspiel) sind, so haben beide TV-Serien doch auch viel gemeinsam. Weil sie vorführen, wie schwer es ist, sich als Frau in einer Welt zu behaupten, die von Männlichkeitsritualen, und Testosteron bestimmt ist – und weil sei beweisen, wie hochwertig und anspruchsvolle europäische TV-Produktionen heute sein können. Sieben TV-Serien präsentiert die Berlinale in diesem Jahr als Welt- oder internationale Premieren. Netflix hat man diesmal links liegen lassen, dafür ist neben Serien traditionellen Sender aus Deutschland, Norwegen, Israel, Dänemark oder Australien auch eine Produktion des US-Streamingdienstes Hulu vertreten.

Die Berlinale hat ein Herz für TV-Serien-Konkurrenz

Dass sich ein Filmfestival wie die Berlinale auf TV-Serien einlässt, ist keine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist das die Konkurrenz. Das Kino führt einen erbitterten Verteidigungskampf, weil ihm das Fernsehen ständig die besten Regisseure, Autoren, Darsteller und Stoffe abjagt. Trotzdem räumt die Berlinale Serienformaten viel Raum ein. In diesem Jahr hat die TV-Serien-Reihe der Berlinale nicht nur mit dem Zoo Palast ein eigenes Premierenkino spendiert bekommen. Festivalchef Dieter Kosslick ließ sich zum Auftakt auch persönlich blicken: bei der Premiere der mit viel magischem Realismus aufgeladenen australischen Adaption des Romans „Picnic at Hanging Rock“, die im Jahr 1900 spielt und vom mysteriösen Verschwinden von drei Schülerinnen an Valentinstag erzählt.

Mit Natalie Dormer spielt eine Frau die Hauptrolle, die es gewohnt ist, sich in einer Männerwelt durchzuschlagen: Sie war vier Jahre lang als Margaery Tyrell in „Game of Thrones“ zu sehen. Nun ist sie die strenge Leiterin eines Mädchenpensionats. Und weil die ersten beiden bei der Premiere gezeigten Episoden von „Picnic at Hanging Rock“ noch etwas blutleer daherkamen, versprach Dormer: „Keine Sorge, es wird noch viel unanständiger!“

Désirée Nosbuschs Comeback als Finanz-Strippenzieherin

Zwar hat das Berlinale-Serien-Special auch das Kolonialismus-Familiendrama „Liberty“ und zwei von Männerfiguren bestimmte Thriller im Programm, die mal von einer Polarexpedition („The Terror“) und mal aus der Welt von CIA und FBI erzählen („The Looming Tower“). Doch die Reihe wird insgesamt überstrahlt von starken Frauenfiguren.

In dem virtuos erzählten Hochglanz-Thriller „Bad Banks“ spielen diese Paula Beer und Désirée Nosbusch. Die eine ist eine ehrgeizige junge Frau, die in der gierigen Finanzwelt Karriere machen will, die andere eine grau-melierte Strippenzieherin. In dem psychologisch in die Tiefe gehenden Seriendrama „Sleeping Bears“ muss sich eine Lehrerin (Noa Koler) ihrer Vergangenheit stellen. In der grandios besetzten Serie „Heimebane“ mimt Ane Dahl Torp die Frau, die in dem norwegischen Städtchen Ulsteinvik, dessen einzige Attraktion der Fußballverein VARG ist, den Trainerposten bei dem Erstligaklub übernimmt und sich auch vom Star des Teams (gespielt vom echten Fußballhelden John Carew) nicht unterkriegen lässt. Und nur der Zeugwart des Vereins glaubt, dass der ganze Ärger nichts mit Sexismus zu tun hat: „Das Problem ist nicht, dass du eine Frau bist, sondern dass du aus Trondheim kommst.“

Sendetermine: Bad Banks“ ab 1. März auf arte, „The Looming Tower“ ab 9. März bei Amazon, „The Terror“ ab 27. März bei Amazon, „Picnic at Hanging Rock“ ab Mai bei T-Entertain: „Heimebane“, „Sleeping Bears“ und „Liberty“ suchen noch nach einem deutschen Sender.

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