Der Regionalverband legt eine kritische Analyse des vom Land gewünschten zusätzlichen unterirdischen Kopfbahnhofs vot. Das Ministerium beklagt in einer Stellungnahme, dass über die Machbarkeitsstudie „in der Presse unautorisiert berichtet“ worden sei.
Stuttgart - Die grün-schwarzen Koalitionäre wollen den Bahnknoten Stuttgart weiter ausbauen. Dazu gehört nach ihren Vorstellungen auch eine unterirdische Ergänzungsstation beim Hauptbahnhof. Für die, wie für die übrigen Ideen, wolle man „eine Verständigung mit den betroffenen Partnern Stadt Stuttgart und Verband Region Stuttgart herstellen“. So steht’s im Koalitionsvertrag. Zumindest beim zusätzlichen unterirdischen Kopfbahnhof scheint diese Übereinkunft nicht ganz einfach zu erreichen. Die Stadt hat wiederholt reserviert auf die Gedankenspiele des Verkehrsministeriums reagiert, weil sie sich in ihren städtebaulichen Ambitionen eingeschränkt sieht. Nun legt der Regionalverband nach. In einer Präsentation für den Verkehrsausschusses sind auf 13 Seiten die Knackpunkte aus Sicht der Fachleute der Region zusammengefasst.
Der Regionalverband kritisiert etwa, dass es an einer Klarstellung fehle, „auf welchen Infrastrukturgrundlagen die Studie“ im Auftrag des Landes aufbaue. Auch bevor das Land auf den Plan trat, wurden schon verschiedene weitere Ausbauten des Bahnknotens diskutiert, teilweise wurde beim Bau von Stuttgart 21 bereits darauf geachtet, für diese Ergänzungen Vorsorge zu treffen.
Region bezweifelt die Leistungsfähigkeit
Vor allem die S-Bahn, für die die Region und nicht das Land zuständig ist, soll von der Ergänzungsstation profitieren. Allerdings ist man bei der Region skeptisch, was die Leistungsfähigkeit des vorgelegten Plans angeht. Das Konzept des Landes sehe rund 30 Zugfahrten pro Stunde vor. „Dies erscheint für einen 6-gleisigen Sackbahnhof mit 2-gleisigem Zulauf sehr ambitioniert“, heißt es in der Sitzungsunterlage für die Regionalräte. Zudem werde „nicht klar, wo die erforderliche Nachfrage für die unterstellten Angebotsausweitungen herkommt“. Überdies müsste dafür das S-Bahnnetz vor allem im Außenbereich ausgebaut werden. Diese Maßnahmen tauchen aber in dem auf gut 770 Millionen Euro taxierten Konzept des Landes nicht auf. Die Region verweist vorsorglich darauf, dass „für die vorgeschlagene erhebliche Angebotsausweitung im S-Bahn-Verkehr (...) sowohl die Finanzierung der Verkehre als auch die Finanzierung der erforderlichen zusätzlichen Fahrzeuge sichergestellt werden“ müsse. Im Klartext: Wer mehr S-Bahn wolle, muss diese auch bezahlen und könne diese Lasten nicht einfach auf die Region abwälzen.
Sorge um die eigenen Ausbaupläne
Dort sieht man sich auch in den eigenen Ausbauplänen tangiert. So werde der Bau der T-Spange, die umsteigefreie Fahrten von Bad Cannstatt nach Feuerbach ermöglichen soll, „deutlich aufwendiger, die Eingriffe in den Rosensteinpark werden deutlich größer und die Führung muss oberirdisch erfolgen“. Wenig kann man im Verband auch den vorgeschlagenen Trassierungen für den neuen Bahnhof und die Strecken dorthin abgewinnen. Diese entsprächen nicht europäischen Normen und nutzen zudem „Ausnahmegrenzwerte“. Auch zum Realisierungszeitraum macht die Region eine Ansage. „Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse ist es eher unwahrscheinlich, dass die Station vor 2035 zur Verfügung steht“.
Angesichts der Kritikpunkte bleibt abzuwarten, ob die Regionalversammlung ihren Entschluss vom September 2020 revidiert. Damals hieß es, man lehne „die Überlegungen zur Umsetzung eines Ergänzungsbahnhofes zum im Bau befindlichen Durchgangsbahnhof ab, da derzeit kein erkennbarer verkehrlicher Bedarf für einen solchen Bahnhof besteht und ein solcher Ergänzungsbahnhof regionalplanerischen Zielen entgegensteht.“
Ministerialer kritisiert Medien
Für das Land hat Gerd Hickmann, Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr, in einem Schreiben an die Region versucht, deren Bedenken zu zerstreuen. Zudem macht er deutlich, wie verstimmt man im Ministerium ist, dass die als Abschlussbericht überschriebene Studie, die das Verkehrsministerium gleichwohl als „Entwurf“ verstanden wissen will, überhaupt zum jetzigen Zeitpunkt publik geworden ist. Es sei „in der Presse unautorisiert berichtet“ worden. Unsere Zeitung hatte exklusiv Details aus dem Abschlussbericht bekannt gemacht.