Der Mann der Witze: Markus Zipperle bei seinem Auftritt im Stuttgarter Zeppelinstüble. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Die Spektrum der Mundart reicht von der Poesie bis zum Schenkelklopfer. Das spiegelt sich beim Schwaben-Stammtisch unserer Zeitung im Zeppelinstüble wider. Diesmal wurden die Schenkel beansprucht.

Stuttgart - Was tun, wenn die geladenen Künstler – die gefeierten Muggabatscher – kurzfristig absagen müssen, weil mehrere Bandmitglieder das Zipperlein plagt? Ganz einfach: Man holt sich selbst ein Zipperle oder vielmehr Markus Zipperle – und der Abend ist gerettet. So geschehen am Donnerstag beim 23. „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch im Zeppelinstüble des Hotels Steigenberger in Stuttgart. Dank der Spontaneität des flinken Mundartsprechers aus Wäschenbeuren kommt die erwartungsfrohe Stammtischrunde auch diesmal auf ihre Kosten.

Obwohl er seit 20 Jahren Mundart-Geschäften nachgeht und dreimal pro Woche in der Theaterscheuer Ebersbach auf der Bühne steht, ist manches an Markus Zipperle erklärungsbedürftig. Das beginnt beim Namen. „Ist das Zipperle echt?“, will Moderator Tom Hörner wissen. „Klar!“, sagt Zip­perle. Wie dieser Zipperle überhaupt sehr authentisch ist. Eine „schwäbische Sau­gosch“, wie er sich selbst nennt. Schon als Sechsjähriger, so erzählt er, stand er auf den Tischen und hat Sprüche gemacht und Witze gerissen. Daran hat sich nichts geändert. „Ich bin kein Comedian, sondern Witzerzähler“, sagt er. Dazu steht er – und davon kann er sogar leben. „Zumindescht verhongert mr nett, wie mr sieht“, sagt Zipperle und wirft sich in Positur.

Unerschöpflich scheint sein Repertoire

Witze-Mann Zipperle ist Mitglied der losen Mundartvereinigung Schwobakomede, zu der auch Größen wie die Sebastian-Blau-Preisträger Hillus Herzdropfa, Kehrwoch Maifa und der schwäbische Tausendsassa Wulf Wager gehören. Seine Witze wechseln zwischen Höhen und kalkulierten Tiefen. „Zipperle fängt da an, wo andere aufhören“, sagt Moderator Hörner. Das deckt sich mit Zipperles Selbstbeschreibung: „In seinem tabulosen Programm macht er vor nichts und niemandem halt, hat aber trotz aller Härte auch immer ein schelmisches Grinsen parat, das dem Publikum zeigt: ,Ist doch alles nur Spaß.‘“

Und Spaß hat das Publikum im Zeppelinstüble reichlich – etwa wenn der Witzerzähler auf seinen Bekanntsheitsgrad verweist und eine Gruppe chinesischer Touristen auf dem Petersplatz sagen lässt: „Wer isch denn der alte Ma neba dem Zip­perle?!“ Gemeint ist der Papst. Unerschöpflich scheint sein Repertoire aus Kalauern und Sprüchen. Grenzenlos sein Vergnügen, sie unters Volk zu bringen. Dazu gehören auch schwäbischer Wortwitz („etwas stauen lauen müssen“) und Situationskomik.

Zipperle ist „nicht therapiebar“

Bei seinen Auftritten trägt Zipperle häufig T-Shirts mit dem Aufdruck „Nicht therapierbar“. Daran besteht kein Zweifel. An diesem Abend lautet die Aufschrift: „Gottes schönste Gabe ist der Schwabe.“ Das unterstreicht Zipperle musikalisch mit einer schwäbischen Coverversion von Louis Armstrongs „What a wonderful World“. Klar, dass der gebürtige Reutlinger damit in erster Linie das Schwabenland meint. In Vertretung von Heiko Volz und Volker Lang zitiert er den Äffle-&-Pferdle-Klassiker: „ Was isch groß?“ Pferdle: „Ha, Schtuegert!“ Äffle: „Und was isch größer?“ Pferdle: „Ha, d’Welt!“ Äffle: „Und was isch ’s Allergrößte?“ Pferdle: „Linsa mit Spätzla und Saidawürschtla!“ Der Stammtischrunde gefällt’s. Körperliche Zipperlein, sollte es solche im Raum geben, sind für einige ­Augenblicke vergessen.

Die positive Wirkung, die vom Dialekt im Allgemeinen und von der seit April 2009 täglich erscheinenden „Auf gut Schwäbisch“-Spalte im Besonderen ausgehen kann, hebt Albrecht Hartmann hervor: „Die Dialektspalte tut gut und ist für den Erhalt der schwäbischen Sprache ungemein wichtig“, betont der „Auf gut Schwäbisch“-Autor der ersten Stunde. Die fidele Stammtischrunde lässt er wissen: „Geht man von durchschnittlich vier veröffentlichten Leserbeiträgen pro Tag aus, dann sind bis heute fast 10 500 Beiträge erschienen.“ Kein Witz!