Wulf Wager beim „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch Schwäbischer Tausendsassa

Von Jan Sellner 

Mann mit vielen Talenten: Unterhalter Wulf Wager im Zeppelinstüble Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Mann mit vielen Talenten: Unterhalter Wulf Wager im Zeppelinstüble Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Es sind Schwaben-Tage: Im Alten Schloss eröffnet die Große Landesausstellung „Die Schwaben – zwischen Mythos & Marke“, im Zeppelinstüble kommt der 17. „Auf gut Schwäbisch“- Stammtisch zusammen – in gewohnt kleinem und feinen Rahmen.

Stuttgart - Gestatten, Wulf Wager, Moderator, Musiker und Kabarettist mit einer „rotzfrechen“ Gosch. So lautet die Selbstbeschreibung des Gastes beim 17. „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch unserer Zeitung am Donnerstagabend im Zeppelinstüble im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin.

Wager ist auf vielen Bühnen im Südwesten zu Hause – überall dort, wo im Publikum Schwaben sitzen. Solche, die es immer schon sind, und solche, die eine Zugehörigkeit zu dieser Region entwickelt haben. Am ver­gangenen Sonntag moderierte er in Rottenburg am Neckar vor mehr als 400 Mundart-Fans fast fünf Stunden lang das Finale des Sebastian-Blau-Preises für Kabarettisten und freute sich mit den Siegern: dem Duo Hillu’s Herzdropfa aus Justingen bei Schelklingen. Ein älblerisches Dialekt-Erlebnis der besonderen Art.

„Wa dud die Denne do danne en dene Dennele denna?“

Am Donnerstagabend steht er im Kreis der Stammtischrunde und macht seine Zuhörer zu Vortragenden. Sie sollen schwäbische Zungenbrecher aufsagen: „Wa dud die Denne do danne en dene Dennele denna?“ (Was macht die schlanke Frau in der Fichtenschonung?) Sogleich hat er die Runde für sich gewonnen – darunter auch Vertreter des Fördervereins Schwäbischer Dialekt aus Tübingen, der sich finanziell für die Mundart engagiert und Projekte unterstützt wie „Mundart in der Schule“. Eine von vielen Ideen, die von Wulf Wager stammen oder von ihm mitentwickelt und ausgearbeitet wurden. Dazu zählt auch der erwähnte Se­bastian-Blau-Preis, der seit 2002 in ver­schiedenen Kategorien vergeben wird, und der Cannstatter Volksfestumzug, die dortigen Mundarttage und der Volksmusiktag ­Baden-Württemberg im Freilichtmuseum ­Neuhausen ob Eck.

Historisches Volksfest auf dem Schlossplatz

Eine andere Wager-Idee wird 2018 umgesetzt werden: ein historisches Volksfest auf dem Stuttgarter Schlossplatz anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Cannstatter Volksfests. Wager hat die Stadt Stuttgart dafür gewinnen können, eine Woche lang Seiltänzer, Feuerschlucker und andere historische Schausteller im Herzen der Stadt auftreten zu lassen. Die Jubiläumssäule wird zur Fruchtsäule umgestaltet. Es gibt ein historisches Festzelt mit Speisen aus dem 19. Jahrhundert und traditioneller schwäbischer Volksmusik. Ein Riesenprojekt. „Die Vorbereitungen sind weitgehend abgeschlossen“, sagt Wager zufrieden – und blickt in eine staunende Runde, ehe er zu seiner Harmo­nika greift und ein „Lompaliedle“ singt. ­Anschließend gibt er eine launige Einführung in die schwäbische Trachtenkunde, ehe er über die schwäbisch-alemannische Fasnet spricht, von seiner Musikcomedytruppe, die Stäffelesgeiger, berichtet und dann zu seinem Großvater-Dasein überleitet: „Seit zwei Jahren hab ich ein Enkele.“ Der 53-Jährige strahlt. Ein schwäbischer Tausendsassa halt. Eine Art Superschwabe – von Kindesbeinen an.

„Kein Tag ohne Lachen und ohne Musik“

Wie bringt der Geschäftsführer einer Werbeagentur, der auch noch Buchautor und Kolumnist ist, das alles unter einen Hut, will Moderator Tom Hörner wissen. Es hat mit Freude zu tun. Wager stellt die Gegenfrage: „Wenn dich nachts um drei einer weckt und fragt, warum bist du auf der Welt, was sagst du dann?“ Für sich selbst hat der gebürtige Stuttgarter diese Frage so beantwortet: „Um Freude zu bereiten und um Freude zu haben.“ Sein Lebensmotto lautet: „Kein Tag ohne Lachen und kein Tag ohne Musik“, sagt’s und verabschiedet sich unter dem Applaus der begeisterten 40 Stammtischler im Zeppelinstüble mit dem nächsten Lompaliedle. Sicher nicht für lange.

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