Eine unscheinbare Mulde im Wald von Dettingen: hier wurden Schlacken gefunden, die belegen, dass hier im Mittelalter Eisen verhüttet worden ist. Die Stätte ist vermutlich Teil einer ehemaligen Montanlandschaft im mittleren Albvorland. Foto: privat

In Nürtingen lässt das Landesamt für Denkmalpflege graben. Gesucht werden Zeugnisse der Eisenerzverhüttung, die im Albvorland bereits andernorts entdeckt worden sind.

Nürtingen/Dettingen - In der Nürtinger Europastraße hat jetzt die Firma ArchaeoBW im Auftrag der Landesdenkmalbehörde mit Ausgrabungen begonnen. Die Archäologen und Denkmalschützer erwarten, dass sie dort auf einem Grundstück hinter der Agentur für Arbeit auf Zeugnisse der hochmittelalterlichen Eisenverhüttung stoßen werden.

Meist ist das Erz direkt an den Abbaustellen verhüttet worden

An der besagten Stelle wird das Grundstück mit einem Mehrfamilienhaus neu bebaut. „Da bei der Erweiterung der Agentur für Arbeit im Jahr 2000 in der Baugrube verschiedene Funde im Zusammenhang mit hochmittelalterlicher Eisenverhüttung beobachtet wurden, lag der Verdacht nahe, dass sich diese Strukturen auch auf das Nachbargrundstück erstrecken würden“, erklärt Lisa Schlager von der Pressestelle des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart. Durch eine archäologische Sondierung habe sich dieser Verdacht schließlich erhärtet, sodass nun mit den Ausgrabungen begonnen worden ist.

An dieser Stelle wurden offenbar zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert Erze des sogenannten braunen Jura, die am wenige Kilometer entfernten Albtrauf gewonnen wurden, verhüttet, um daraus Eisen zu gewinnen. Die Erze wurden sonst in großem Maßstab in dieser Zeit aber direkt an den Abbaustellen verhüttet.

Die Gegend bildete ein Montanrevier im Mittelalter

Erst vor gut einem Jahr war bekannt geworden, dass der ehrenamtliche Beauftragte des Landesamts für Denkmalpflege, Axel Sigel, auf Dettinger Markung Schlacken entdeckt hat. Der Acker wurde als archäologische „Verdachtsfläche“ eingestuft. Vermutet wird, dass sich dort einst ein größerer Eisenerzverhüttungsplatz befunden haben muss.

Die Fundstelle liegt in einem circa 40 Kilometer langen Gürtel zwischen dem Albtrauf und dem Neckarland, der laut Guntram Gassmann, Spezialist für Montanarchäologie im Landesamt für Denkmalpflege, im Mittelalter ein umfangreiches Montanrevier gebildet hat. Forscher haben zudem herausgefunden, dass auf der Alb und im Albvorland bereits deutlich früher Eisenerzvorkommen ausgebeutet wurden. So wurde beim Landgestüt St. Wolfgang-Würtingen ein frühkeltischer Verhüttungsplatz verortet.

Eisenerz als Ressource für den technologischen Fortschritt

Ein Forschungsvorhaben des Landesamts gemeinsam mit der Universität Tübingen zum Bergbau soll nun weiteren Aufschluss über die vermutete Montanlandschaft geben. Das Eisenerz scheint demnach eine wichtige Ressource für den technologischen Fortschritt in der Region im Mittelalter gewesen zu sein.

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