Mary Poppins tanzt mit den Schornsteinfegern auf der Bühne. Die Kinder Jane und Michael sind von ihrem neuen Kindermädchen anfangs gar nicht begeistert. Foto: Stage Entertainment

Kaya Bode aus Vaihingen und Yannik Rebmann aus Möhringen spielen im Musical des Apollo-Theaters das Geschwisterpaar. Wir haben sie an einem Abend begleitet.

Möhringen - Auf der Bühne vergraulen die elfjährige Kaya Bode aus Vaihingen und der neunjährige Yannik Rebmann aus Möhringen als Jane und Michael Banks alle Kindermädchen. Auch Mary Poppins ist ihnen anfangs nicht geheuer und muss einiges ertragen. Mit der Zeit aber begeistert sie mit ihren ungewöhnlichen Methoden die ganze Familie und verzaubert das Publikum. Hinter der Bühne kann man sich nur schwer vorstellen, dass die beiden Kinderdarsteller irgendwen ärgern könnten. „Die Kleinen sind ganz schöne Medienprofis“, sagt Sabine Röll von der Pressestelle des Stage Apollo-Theaters.

Kaya und Yannik kannten sich vor dem Musical nicht. Mittlerweile haben sie aber schon mehrfach die Geschwister Jane und Michael in dem Broadway-Musical „Mary Poppins“ gespielt, das derzeit im Apollo Theater Möhringen aufgeführt wird. „Inzwischen sind wir wie richtige Geschwister. Es vergeht keine Woche, in der wir uns nicht sehen oder telefonieren“, sagt Kaya und ergänzt: Man sehe sich aber nicht so oft, als dass man sich wie echte Geschwister auf die Nerven gehe.

Eine Jury hat die Kinder in Castings ausgewählt

Nicht jeder, der eine Rolle im Musical übernehmen wollte, steht nun wie Kaya und Yannik auf der Bühne. Den Proben ging eine Reihe an Castings voraus. Beide sprachen und sangen das erste Mal im Februar 2016 vor der Jury. Während Yannik Erfahrungen aus dem Chor mitbrachte, konnte Kaya auf das Gelernte aus der Stage Academy in Vaihingen zurückgreifen.

„Ich habe es bei Tarzan schon versucht. Da bin ich aber leider im letzen Casting rausgeflogen“, sagt Yannik. Auf die Empfehlung hin, beim nächsten Musical wieder vorzusprechen, bewarb er sich bei dem Musical „Mary Poppins“. Kaya hingegen hatte in der Zeitung von dem Musical gelesen. „Ich bin sofort zu Mama gerannt und habe gesagt, dass ich unbedingt mitmachen will“, sagt sie. Die konnte sie überzeugen. Kaya erwartete die Rückmeldung sehnsüchtig, ob sie beim Musical dabei ist. „Wenn der Anruf kommt, freut man sich sehr, weil man weiß: Man ist der Bühne einen Schritt näher gekommen“, sagt sie. Im Anschluss an das letzte Casting bereiteten sich die Darsteller dann schon auf die Shows vor.

Etwa alle zwei Wochen sind die beiden nun immer gemeinsam auf der Bühne zu sehen. Zu ihrem Schutz dürfen Kinder nur 30-mal im Jahr auftreten. Deshalb gibt es insgesamt sieben Paarungen von Kinderdarstellern, die immer abwechselnd auftreten. Das letzte Mal ist für Kaya und Yannik nun schon zwölf Tage her. „Die Tage gehen schnell rum, weil man sich so auf die nächste Show freut“, sagt Kaya. Und auch Yannik fiebert jedem Auftritt entgegen. „Am liebsten würde ich jeden Tag spielen“, sagt er. Bevor die Show beginnt, müssen die beiden einen kleinen Marathon zurücklegen. Weil die Eltern bei den Proben nicht dabei sein dürfen, begleitet Thomas Hirschfeld, künstlerischer Leiter der Kinderabteilung, sie dabei. In den Vorbereitungen wird geprobt, gesungen und sich warm gemacht.

Ein Marathon an Vorbereitungen

Der Abend beginnt um 17.30 Uhr mit dem Schauspieltraining. Dann werden einige Passagen noch mal durchgespielt. In den Szenen streitet sich das Geschwisterpaar Jane und Michael Banks um eine Puppe, beschwert sich über Spinat und Rosenkohl. „Eigentlich mag ich ja Spinat“, sagt Kaya grinsend. Beide hätten gern Mary Poppins als Kindermädchen. Besonders das schnelle Aufräumen begeistert Yannik: „Schnapp, und alles ist fertig.“

Danach geht es weiter zum Gesangstraining. Dort treffen die Kinder auch auf die älteren Darsteller. Zur Begrüßung wird gewunken, auf die Schulter geklopft oder auch frech die Zunge rausgestreckt. „Der Umgang ist sehr herzlich“, sagt Kaya. „Man schaut den Erwachsenen natürlich zu und kann sich von ihnen etwas abschauen“, sagt sie. Wenn alles sitzt, geht es weiter zur Maske. Die Kinder bleiben im Musical ungeschminkt. Es geht mehr darum, die Kostüme anzupassen und das Mikro in den Haaren zu verstecken. „Alle Mädchen mussten sich für die Rolle der Jane Banks einen Pony schneiden lassen“, sagt Kaya. Ihre Freunde hatten dazu gemischte Meinungen. „Ehrlich gesagt finde ich: Das Pony passt gut zu dir“, sagt Yannik.

Am besten ist der Applaus

Bevor es dann wirklich auf die Bühne geht, können sich die beiden im Kinderzimmer ausruhen. Dort tanken die beiden Kinderdarsteller noch einmal Kraft. In der Pause sei hinter der Bühne später keine Zeit mehr für Quatsch, obwohl die wegen der Kinder eine halbe Stunde betrage, sagt Thomas Hirschfeld.

„Die Kinder haben fast mehr Bühnenzeit als Mary Poppins. Sie sind ja in fast jeder Szene präsent“, sagt Sabine Röll. Trotzdem sei die Aufregung nicht so groß, sagen Kaya und Yannik. Die vollen Reihen sehe man von der Bühne aus gar nicht. „Man sieht die ersten fünf, dahinter ist alles schwarz“, sagt Kaya. Wenn das Lampenfieber dann doch mal kommt, stelle sie sich einfach vor, dass das ganze eine Probe wäre. „Es ist ein tolles Gefühl, vor so vielen Leuten zu stehen. Am besten ist der Applaus, der einem zeigt, dass man alles richtig gemacht hat“, sagt Kaya.

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