Schauspielern will gelernt sein: Die Kinder üben Ausdruck, Tonlagen und Stimmungen. Auch auf den Dialekt müssen sie achten, schwäbeln ist auf der Bühne tabu. Foto: Leonie Thum

Im Stage Apollo Theater werden die Kinder auf ihre Rollen im neuen Musical „Mary Poppins“ vorbereitet.

Möhringen - In einem großen Saal mit Spiegelwand stehen acht Kinder und ein Mann im Kreis , trommeln sich mit den Händen auf den Rücken und geben dabei einen langen, vom Trommeln unterbrochenen Ton von sich. Was auf den ersten Blick wie ein Indianertanz wirkt, ist eine Lockerungsübung für die Stimmen der Kinderdarsteller des neuen Musicals „Mary Poppins“. Es feiert im Oktober Deutschlandpremiere im Stage Apollo Theater am SI-Centrum und löst damit das momentan laufende Musical Tarzan ab. Auf die Kinderrollen bereiten sich seit März 16 Kinder vor.

„Mary Poppins“ erzählt die Geschichte der Familie Banks, die auf der Suche nach einem neuen Kindermädchen ist, nachdem die Geschwister Jane und Michael das letzte vertrieben haben. Die beiden geben kurzerhand selbst eine Zeitungsanzeige auf, worauf die außergewöhnliche Mary Poppins erscheint. Mit ihr erleben die Kinder jede Menge Abenteuer.

Die acht Sänger produzieren einen erstaunlichen Klang

Bei der Probe am Dienstagnachmittag legen die Kinder mit dem Einsingen los und gähnen erst mal eine Runde laut mit weit geöffnetem Mund. „Stellt euch vor, ihr müsst fünf Kugeln Eis in den Mund bekommen“, fordert der künstlerische Leiter Thomas Hirschfeld die jungen Darsteller auf. Begeistert reißen die Mädchen und Jungen den Mund noch weiter auf. Als nächstes werden Tonleitern geschmettert, ein einstimmiges „Mamemimomu“ erklingt im Saal. Erstaunlich viel Klang produzieren die acht Sänger, mehr als so mancher Schulchor.

Kein Wunder, denn die Kinder wurden unter 200 Bewerbern ausgewählt. „Wir hatten zwei Castingrunden, in der zweiten waren die Produzenten des Musicals dabei“, berichtet Sarah Konzept vom Stage Apollo Theater. Die Kinder mussten eine Szene vorspielen und einfache Lieder wie „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ singen. Von den eingeladenen 120 Kindern sind am Ende 16 übrig geblieben, dazu noch einige Ersatzspieler. Die Mädchen sind zwischen neun und 13, die Jungen zwischen acht und zwölf Jahren alt. „Wir müssen bei den Konstellationen auch auf die Größe achten – da Jane die ältere Schwester ist, muss sie größer sein als ihr Bruder“, erklärt Konzept. Während der Aufführungsphase werden die Kinder mindestens einmal pro Woche spielen.

Der Text sitzt schon, die Betonung und der Ausdruck noch nicht ganz

Im Spiegelsaal proben die Kinder als nächstes ein Lied, das im Wechsel zwischen Michael und Jane hergeht. „Wir mopsen nicht Brille und nicht Portemonnaie, tun Kröten ins Bett oder Pfeffer in den Tee“, singen sie und stecken mit einem schelmischen Grinsen die Köpfe zusammen. In der Szene geben die Kinder die Annonce für das neue Kindermädchen auf. Viel spielen soll die Neue, nie böse sein, lustig, aber nie nervös sein. Mit frechem Charme tragen die Kinder das Lied vor, der Text sitzt. Woran noch gearbeitet werden muss, sind der genaue Bewegungsablauf, die Betonungen, der Ausdruck.

„Habt ihr es gemerkt? Da fehlt noch etwas die Natürlichkeit“, ruft der Tanzpädagoge Hirschfeld. Die Kinder reagieren zustimmend, niemand ist beleidigt, wenn kritisiert wird. Schließlich wollen sie alle besser werden. Auf die Frage, was ihnen am meisten Spaß macht, sind sie sich einig: „Alles“, ist die Antwort. Die meisten von ihnen haben schon in Theatergruppen gespielt, getanzt oder gesungen. Nun müssen sie alles auf einmal lernen. Drei- bis viermal pro Woche proben sie, in den Sommerferien wird es noch zeitintensiver.

Bleibt da noch genug Zeit für die Schule? „Man muss sich seine Zeit eben gut einteilen“, sagt die zwölfjährige Sara Lindenmann aus Plieningen. Auch der elfjährige Finn Danner aus Gablenberg sieht darin kein Problem: „Die Hausaufgaben muss man eben vorher machen“, sagt er. Die zehnjährige Helena Nick-Schad aus Heumaden macht sich nur ein wenig Sorgen, dass sie nicht gut genug Englisch spricht und die Regisseure nicht richtig versteht. Trotzdem: alle Kinder sind spürbar motiviert. Und bis zur Premiere im Oktober ist schließlich noch etwas Zeit.

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