Einige Filialen der Bäckerei Lang haben bereits geschlossen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Bäckereikette Lang hat am Dienstagnachmittag Insolvenz angemeldet. Die Lage hatte sich zuletzt zugespitzt. Schon am Freitag voriger Woche hatten die Beschäftigten des Produktionsbetriebs die Arbeit nieder gelegt.

Stuttgart - Die ins Trudeln geratene Bäckerei Lang ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen habe am Dienstagnachmittag für alle drei Gesellschaften, für die Bäckerei Lang Produktionsgesellschaft mbH, für die Bäcker Lang GmbH und für die Café Lang GmbH, einen „Eigenantrag“ auf Insolvenz gestellt, sagte Ulf Hiestermann, Richter am Amtsgericht Ludwigsburg, auf Anfrage.

Wie berichtet, kämpft das Unternehmen seit Monaten mit Zahlungsproblemen. Für alle drei Gesellschaften waren in den vergangenen Wochen beim Ludwigsburger Amtsgericht insgesamt sieben Gläubigeranträge eingegangen. Die Forderungen waren dann aber zum größten Teil beglichen worden. Zugespitzt hatte sich die Lage auch, weil die Beschäftigten seit August ihre Gehälter nicht oder nur teilweise bekommen haben. Zuletzt wuchs der Unmut in der Belegschaft, viele drängten auf eine Insolvenz.

Beschäftigte haben Druck gemacht

Schon am Freitag voriger Woche legten die rund 50 Beschäftigten des Produktionsbetriebs in Freiberg am Neckar die Arbeit nieder. Damit konnten die Filialen nicht mehr mit eigenen Produkten beliefert werden. Insgesamt sollen es noch etwa 20 Filialen vor allem in Stuttgart, aber auch in umliegenden Städten sein. Schon in den vergangenen Wochen fehlten immer wieder Backwaren in den Regalen der Geschäfte, weil wegen der Liquiditätsprobleme die Rohstoffe für die eigene Produktion fehlten. Und immer wieder musste auch Tiefkühlware zum Aufbacken von anderen Herstellern zugekauft werden. Wie es mit den Filialen nun weitergeht, ist noch offen. Nach Informationen unserer Zeitung sind etwa die Geschäfte am Nordbahnhof und am Ostendplatz in Stuttgart bereits geschlossen.

Ein Jahr hat der Investor durchgehalten

Bei den noch etwa 180 Beschäftigten wurde die Nachricht von der Insolvenz mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Wir sind erleichtert“, sagte die Mitarbeiterin einer Filiale in der Stuttgarter Innenstadt. „Jetzt fühlen wir uns nicht mehr alleine gelassen.“ Nun können sie bei der Arbeitsagentur Insolvenzgeld beantragen.

Aber die Sorgen um den Arbeitsplatz sind groß. Durch den Insolvenzantrag versprechen sich die Beschäftigten die Weiterführung der Geschäfte. Nach Angaben des Ludwigsburger Amtsgerichts soll in Kürze ein vorläufiger Insolvenzverwalter für das angeschlagene Unternehmen bestimmt werden. Erst vor einem Jahr, zum 1. Oktober 2017, hatte der Münchener Unternehmer Ilyas Kaya die drei Firmen der Bäckerei Lang übernommen. In der Produktion waren 58 von 102 Arbeitsplätzen übrig geblieben, von der Bäckereikette 47 Filialen mit rund 200 Mitarbeitern. Dazu kamen 27 Geschäfte, darunter einige Pachtbetriebe unter anderem im Raum Nürnberg, die in die neue Café Lang GmbH übergingen.

Ein Abstieg in Raten

Und schon um die Jahreswende 2014/15 war die Bäckerei Lang in eine schwere Krise geraten und musste einen Insolvenzantrag stellen. Fast 150 Arbeitsplätze wurden abgebaut, das Filialnetz auf etwa 100 Läden reduziert. Mitte 2015 übernahm ein Investorenkonsortium um die Münchner Quantum Capital Partners die Bäckerei.

Das im Jahr 1935 im Stuttgarter Osten gegründete Traditionsunternehmen war im Jahr 2010 durch die Übernahme der Produktionsstätte des Industriegroßbäckers Kamps in Freiberg am Neckar auf einen Schlag stark gewachsen und hatte danach rund 550 Beschäftigte und 165 Filialen.

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