Beim Honigschleudern im Alvarium in Waiblingen ist Präzision und Sorgfalt gefragt. Der Honig kann von der Schleuder direkt aufs Butterbrot geschmiert werden. Foto: Gottfried Stoppel

Die Honigernte ist bei Bienenhaltern eine besonders beliebte Tätigkeit. Beim Ausschleudern der Waben im Waiblinger Bieneninformationshaus waren wir dabei. Die Ernte fällt dieses Jahr mittelmäßig aus, der trockene Sommer hat einen höheren Ertrag verhindert.

Dunkelbraun glänzt der Honig in der gelben Wabe. „Das dürfte schon ein Kilo sein“, sagt Wolfgang Groh. Der Beinsteiner ist Verantwortlicher für das Alvarium, also das Bieneninformationshaus in der Waiblinger Talaue. Dort haben Bienen über den Sommer hinweg emsig Nektar gesammelt und in Imkergold verwandelt. Heute ist der Tag der Ernte. Einen der Holzrahmen, in den die Immen eine Wabe mit mehreren Tausend Zellen gebaut haben, darf Leefke Wendt in die Honigschleuder stellen. Für die Zehnjährige ist es die erste derartig intensive Begegnung mit Honigbienen und deren süßem Futtervorrat.

 

Das Entdeckeln der Wage ist eine knifflige Angelegenheit

Bevor es so weit ist, müssen die Waben aus den Bienenvölkern entnommen und die darauf sitzenden Bienen mit einem kleinen Besen abgekehrt werden. Bienenbrut ist auf den Waben nicht zu finden, denn die Kerbtiere lagern den kostbaren Honig immer möglichst weit entfernt vom Flugloch in ihren Kästen ein. Der sogenannte Honigraum am anderen Ende des Nests ist außerdem durch ein Metallgitter von der darunterliegenden Brut getrennt, um zu verhindern, dass die Eier legende Königin nach oben krabbelt.

Für das öffentliche Honigschleudern im Alvarium hat Wolfgang Groh bereits einige Vorarbeiten erledigt. Im Inneren des Holzhauses hängen die Waben jetzt in ihren Zargen. Noch können sie nicht geschleudert werden, denn ein Wachsdeckel verschließt jede Zelle. Wie das dünne Häutchen entfernt wird, demonstriert Wolfgang Grohs Ehefrau Waltraude: Eine vielzinkige Gabel schiebt sie dicht unter die Wachsdeckel, hebt sie ab. Sinkt die Gabel zu tief ab, dann bleibt Honig an dem Werkzeug hängen. Der soll jedoch in die Schleuder wandern, weshalb das Entdeckeln eine Arbeit ist, die höchste Präzision erfordert.

Manche Imker nutzen beim Schleudern moderne Computertechnik

Inzwischen hat Leefke Wendt vier der Waben in die Zentrifuge gestellt. Möglichst gleich schwer sollten die gegenüberliegenden Waben sein, sonst entsteht eine Unwucht und die Schleuder wandert durch das Innere des Alvariums. „Du kannst noch mal ein bisschen Gas geben“, sagt Wolfgang Groh. Mit einer Handkurbel dreht Leefke Wendt die Waben, und der zähe Honig fliegt an die Zentrifugenwand. Nach ungefähr einer Minute muss die Kurbelei kurz unterbrochen werden: „Jetzt drehst du die Wabe einmal um die eigene Achse und stellst sie wieder rein“, sagt Wolfgang Groh. Würde man von einer Wabe den ganzen Honig einer Seite auf einmal ausschleudern, dann würde das fragile Kunstwerk der Natur zerbrechen. Deshalb wird zunächst nur ein Teil entnommen, die Wabe gedreht und erneut an der Kurbel gedreht. Manche Imker setzen dazu auf Computertechnik. In eine Honigschleuder mit Programmautomatik speichern sie Laufzeit und Drehgeschwindigkeit vorab ein und müssen dann nur noch auf den Startknopf drücken.

Im Alvarium des Bezirksimkervereins Waiblingen und Umgebung verlässt sich Wolfgang Groh auf traditionellen Handbetrieb. Das Ergebnis ist dasselbe: Nach einer halben Stunde hat sich am Boden der Zentrifuge genügend dunkelbrauner Sommerhonig angesammelt. Leefke Wendt darf den Hahn öffnen, und die Leckerei läuft durch ein grobes und ein feines Sieb in einen Eimer. Experten erkennen schon am Fließverhalten, ob der Honig noch zu viel Wasser enthält. Das ist unerwünscht, „um eine Gärung zu vermeiden“, weiß Wolfgang Groh. „Vor allem bei zu warmer Lagerung kann das sehr schnell gehen.“ Der Fachmann verlässt sich aber nicht nur auf sein erfahrenes Auge. Mit einem Löffel darf Leefke Wendt einen Honigtropfen auf die Glasplatte eines Refraktometers streichen. Ähnlich wie im Weinbau die Öchslezahl zeigt das daumendicke Gerät den Wassergehalt des Honigs an. „17,5 Prozent, das passt“, erkennt Wolfgang Groh. Damit ist der Honig bei trockener, kühler und dunkler Lagerung fast unbegrenzt haltbar.

Im vergangenen Jahr drohte Bienenvölkern der Hungertod

Prinzipiell kann der Honig direkt aus der Schleuder auf ein Butterbrot geschmiert werden. Wolfgang Groh und viele seiner Imkerkollegen machen jedoch noch einen Zwischenschritt: „Ich rühre den Honig, um ihm eine Streichfähigkeit zu geben, die sehr viele Kunden wollen.“ Durch mehrmaliges Rühren werden die Zuckerkristalle im auskristallisierenden Honig zertrümmert, und eine dauerhafte feincremige Konsistenz entsteht. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn es auch tatsächlich Honig gibt. Im vergangenen Jahr war dem nicht überall so. Manches Bienenvolk hat wegen des schlechten Wetters so wenig Nektar gesammelt, dass etliche Imker keine einzige volle Honigwabe ernten konnten. Mehr noch, ohne eine – im Frühsommer eigentlich untypische Fütterung – wären viele Bienenvölker verhungert.

Dieses Jahr war die Honigernte zumindest etwas besser. Als „mittelmäßig“ schätzt sie Groh ein. Das warme Frühjahr und der zur Obstblüte noch feuchte Boden haben die Nektarproduktion der Bäume gefördert. Im Sommer jedoch war es zu trocken, um die Honigräume noch mehr zu füllen. Für die Schleuderaktion im Alvarium hat der Honig aber gereicht, und an deren Ende kann Leefke Wendt ein Glas mit nach Hause nehmen.