Abwasser wird in Aidlingen deutlich teurer. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die stark steigenden Abwassergebühren bewegen die Aidlinger Bürgerinnen und Bürger – Verwaltung muss in der Fragestunde viele Antworten geben.

Die in der Gemeinderatssitzung am 29. Januar rückwirkend zum Jahresbeginn deutlich erhöhten Abwassergebühren, zum Teil heftige Nachzahlungen und gestiegene Abschläge bewegen die Aidlinger Bürgerinnen und Bürger. Das Thema sorgte auch anlässlich der Bürgerfragestunde im neuerlichen Gemeinderat am Donnerstagabend für großes Interesse und fast bis auf den letzten Platz gefüllte Zuhörerreihen.

 

Da bereits zuvor viele Schreiben und Anrufe bei der Gemeindeverwaltung eingegangen waren, nutzten Bürgermeister Ekkehard Fauth und Kämmerin Fiona Rennert die Gelegenheit, einen umfangreichen Fragenkatalog zu beantworten und die Situation ausführlich zu erklären. „Den großen Anstieg sehen wir als Einmaleffekt“, lautete eine der zentralen Botschaften.

Nach der Erhöhung bleibt immer noch ein sattes Defizit

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Neuberechnung die Gebührenkalkulation durch die von der Gemeindeverwaltung beauftragte Firma Heyder + Partner. Diese legte angesichts einer Kostendeckung bei 3,79 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser und 70 Cent pro Kubikmeter Niederschlagswasser offen, dass die Aidlinger Abwassergebühren seit Jahren viel zu niedrig angesetzt waren. Hinzu kamen Investitionsmaßnahmen in der Kläranlage, was sich allein für das Jahr 2019 zu einem satten Minus von 1,15 Millionen Euro addierte. „Unterdeckungen müssen wir innerhalb von fünf Jahren ausgleichen“, erklärte Fiona Rennert.

Für den vollen Betrag hätte das eine Erhöhung auf 6,40 Euro für den Kubikmeter Schmutzwasser und 1,05 Euro fürs Regenwasser bedeutet, was der Gemeinderat im Januar aber klar ablehnte. Nach einigem Hin und Her votierte eine deutliche Mehrheit für den Kompromissvorschlag von 4,79 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser und 90 Cent pro Kubikmeter Niederschlagswasser. Das bedeutet unter dem Strich aber auch, dass vom Defizit rund 680 000 Euro bei der Gemeinde verbleiben und im ohnehin auf Kante genähten Kernhaushalt zu Buche schlagen.

Haushalt mit großer Mehrheit beschlossen

Fehlende Jahresabschlüsse und verspätete Information der Bürgerinnen und Bürger monierten weitere Fragesteller, das Versagen von Kontrollmechanismen stand im Raum. „Wir haben massive personelle Probleme in der Kämmerei gehabt“, führte der Schultes aus, gelobte aber Besserung beim „unglücklichen Timing“ angesichts verspätet veröffentlichter Gemeinderatsprotokolle. „Wir schaffen Transparenz“, versprach auch die Kämmerin und räumte wie im Publikum vermutet ein, dass sich die Gesamtverluste beim Abwasser durch die noch ausstehenden und fürs Frühjahr angekündigten Nachkalkulationen aus 2020, 2021 und 2022 auch ihrer Ansicht nach auf rund fünf Millionen Euro summierten.

Die Gebühren müssten deshalb vorerst unverändert hoch bleiben – sofern auch der im Juni neu zu wählende Gemeinderat das so beschließt. „Ich würde Sie mir in den nächsten Gemeinderat wünschen“, attestierte ein Zuhörer den beiden hartnäckigsten Fragestellern unter dem Applaus des Publikums.

Zahlen beim Abwasser leicht positiv

Jeweils mit großer Mehrheit verabschiedet wurden anschließend im Verlauf der weiteren mehr als vierstündigen Sitzung die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe Wasserversorgung und Abwasser sowie Haushaltssatzung und Haushaltsplan 2024 mit Gesamteinnahmen und –ausgaben von 25,9 und 26,7 Millionen Euro. „Es würde zurückgegeben, wenn’s so wäre“, unterstrich Fiona Rennert angesichts in diesem Werk leicht positiver Zahlen beim Abwasser.