ADAC-Präsident August Markl will den Autoclub umbauen. Foto: dpa

Der ADAC will digitaler werden. Das kostet Geld und deshalb will der Autoclub die Kosten senken. Schon jetzt arbeitet der Verein defizitär

Nürnberg - Deutschlands größter Automobilclub ADAC hat seinen digitalen Umbau vom Pannenhelfer zum modernen Mobilitätsdienstleister beschlossen. Verknüpft wird das mit einem Sparprogramm, machte Club-Chef August Markl zur Hauptversammlung in Nürnberg klar. Das treffe vor allem die Münchner Zentrale und könne auch Stellen kosten, heißt es intern. Für den ADAC arbeiten bundesweit gut 9000 Beschäftigte. Details zum Programm namens Pole Position gibt es noch kaum.

Keine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge

Entspannen können sich zumindest vorerst die 19,8 Millionen ADAC-Mitglieder. Eine Erhöhung ihrer Beiträge wurde in Nürnberg nicht beschlossen. Klar ist aber, dass der ADAC in seine digitale Zukunft investieren und effizienter werden müsse, betonte Markl mit Blick auf die Verluste des Vorjahres. Die sehen mit einem Defizit im Verein von 328 Millionen Euro weit schlimmer aus, als sie wirklich sind. Zum einen beinhaltet die Bilanz nur die Hälfte der Wahrheit. Denn die profitablen ADAC-Wirtschaftstöchter sind in ihr noch nicht enthalten. Sie bilanzieren erst später im Jahr. Zum anderen geht das Defizit des Vereinsteils 2016 fast ausschließlich auf einmalige Sondereffekte zurück. Die waren wegen der fundamentalen ADAC-Neuorganisation nach einem Manipulationsskandal um den inzwischen abgeschafften Autopreis Gelber Engel notwendig geworden, um den steuersparenden Vereinsstatus des Clubs zu sichern. Diesen Status hat das Registergericht München bestätigt. Um das zu bewirken, hat sich der ADAC dreigeteilt, seine kommerziellen Aktivitäten wie Versicherungen organisatorisch vom Verein getrennt und zudem eine neue Stiftung gegründet. Speziell letzteres hat bilanziell zu einem Verlustausweis gezwungen, weil große Vermögenswerte wie die Luftrettung vom Verein auf die Stiftung übertragen wurden.

Zustrom neuer Mitglieder

Operativ hat 2016 dem Verein einen kleinen Verlust von 2,4 Millionen Euro beschert. Auch 2015 war aber schon defizitär und auch die Planung für das laufende Jahr weisen rote Zahlen aus. Das könne kein Dauerzustand bleiben, stellte der 68-jährige Markl klar. Was hilft, ist der nach überwundenem Manipulationsskandal wieder einsetzende Zustrom neuer Mitglieder. 2016 war es netto ein Plus von 467 000 auf gut 19,6 Millionen. Dieses Jahr sollen es knapp 20 Millionen werden.

ADAC-Präsident im Amt bestätigt

Die Digitalisierung speziell auch des Automobils zwinge zu Veränderungen. Moderne Mobilität mit autonom fahrenden Autos bedeute weniger Unfälle und damit weniger Pannenhilfe, was den Club bei seiner Kernleistung angreife. Wenn der ADAC nicht an Bedeutung verlieren wolle, müsse er zu einer zentralen Mobilitätsplattform werden und über sie Informations- sowie Buchungsmöglichkeiten aller Art schaffen. Das Auto bleibe zwar speziell im ländlichen Raum Mobilitätsgarant Nummer eins, meint Markl. Andere Formen der Fortbewegung und ihre Vernetzung würden aber immer wichtiger. Der Club müsse deshalb zum Beispiel nicht nur Autos testen, sondern auch öffentlichen Nahverkehr, Elektrofahrräder oder Carsharing-Angebote. Um seine Zukunft zu sichern, müsse man verstärkt um jüngere Menschen zwischen 15 und 30 Jahren werben.

Markls Zukunft wurde in Nürnberg gesichert. Die Hauptversammlung hat ihn für vier weitere Jahre als ADAC-Präsident bestätigt. Allerdings hat rund ein Viertel der 226 Delegierten in geheimer Wahl gegen ihn gestimmt. Teile der altgedienten ADAC-Funktionäre tragen die von Markl betriebene Reform des Clubs nur mit der Faust in der Tasche mit.

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