Die Schüler beobachten, wie lange das Auto zum Bremsen braucht. Foto: Horst Rudel

Eine Mitarbeiterin des ADAC testet mit Schülern des Erich-Kästner-Gymnasiums, wie sich ein Auto bei Tempo 30 verhält. Für viele ist das ein Aha-Erlebnis.

Eislingen - Erst vor kurzem hat eine Studie aus den USA gezeigt, dass Kinder etwa bis zum Alter von 14 Jahren Schwierigkeiten haben, sich sicher im Verkehr zu bewegen. Ein Grund dafür ist, dass sie Geschwindigkeiten nicht realistisch einschätzen können. Der ADAC bietet Schulen deshalb das Programm „Achtung Auto“ an, bei dem Fünftklässlern ein Gefühl dafür vermittelt werden soll, wie lange ein Autofahrer braucht, um sein Fahrzeug im Notfall zum Stehen zu bringen. Am Montag war der ADAC im Erich-Kästner-Gymnasium in Eislingen zu Gast. Die Kinder erinnerte der Unterricht zeitweise an eine Achterbahnfahrt.

Mit Kreide haben die 24 Schüler der 5d am Ende der Straße, die zur Turnhalle führt, eine Start- und Ziellinie über den Asphalt gezogen. Auf Geheiß von Birgit Weber vom ADAC rennen sie die Strecke entlang und stellen fest, dass es gar nicht so einfach ist, genau auf der Ziellinie stehen zu bleiben. Noch schwieriger wird die Sache, als sie nicht schon vor der Ziellinie abbremsen, sondern erst stoppen dürfen, als ihre Klassenlehrerin Meike Nagel eine gelbe Fahne schwenkt. Der Anhalteweg, so lernen sie, besteht aus der Reaktionszeit und dem Bremsweg. Danach testen die Kinder zusammen mit Weber und Nagel, wie sich das auf ein Auto auswirkt, das mit Tempo 30 fährt.

Hütchen markieren, wo das Auto halten wird

Die Zwölfjährigen stellen am Fahrbahnrand orangene Hütchen an der Stelle auf, an der sie glauben, dass Webers Wagen bei einer Vollbremsung stehen wird. Der Bremsweg ist länger, als viele dachten. „Ihr seht jetzt, dass Auto hätte nicht rechtzeitig gehalten, wenn hier ein Ball auf die Straße gerollt wäre“, fasst Weber zusammen und mahnt die Kinder: „Wir alle haben nur ein Leben. Und dieses Leben sollten wir bestmöglich schützen.“ Die Kinder flüstern zumindest vorübergehend beeindruckt.

Sich selbst zu schützen, darum geht es Weber auch beim nächsten Thema: dem Anschnallen. Auf dem Beifahrersitz dürfen Kinder ohne zusätzliche Sicherung erst vom zwölften Lebensjahr an sitzen oder wenn sie mindestens 150 Zentimeter groß sind. Weber zeigt, warum das so ist.

Die Kleinste der Klasse spielt Versuchskaninchen

Ella, die kleinste in der Klasse, setzt sich in den Wagen und legt den Sicherheitsgurt an. „Und was ist jetzt das Problem“, fragt Weber in die Runde. „Der sitzt am Hals“, rufen einige Kinder. Und wo sollte der Gurt eigentlich sitzen?“, will Weber wissen. „An der Schulter“, tönt es von allen Seiten.

Dann wird es rasant. Je zwei der kleineren Schüler sitzen auf dem Rücksitz, ein größerer auf dem Beifahrersitz. Weber prüft, ob alle richtig angeschnallt sind und die kleineren Sitzschalen benutzen, um nicht gewürgt zu werden. Dann rast sie rückwärts an den Beginn des für das Training abgesperrten Straßenstücks. Einige ihrer jungen Passagiere kreischen jetzt auf.

Weber gibt Gas. Bei 30 Stundekilometern bremst sie abrupt. Die Kinder im Wagen hebt es von den Sitzen, sie hängen in den Sicherheitsgurten. Kurz schauen sie erschrocken, dann brechen sie in Gelächter aus. Schnell befreien sie sich aus den Gurten, springen aus dem Wagen und rennen zu ihren Klassenkameraden. „Das war wie in der Achterbahn. Gott sei Dank saß ich nicht vorne“, ruft Melanie lachend. „Ich hab mich voll erschreckt“, kräht Miriam. Gut möglich, dass in den nächsten Tagen einige Eltern von ihren Kindern losgeschickt werden, um Sitzschalen zu kaufen.

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