Präsident Aschraf Ghani (am Mikrofon) kritisierte die Verhandlungen. Foto: AP

Die USA und die Taliban haben zentrale Streitpunkte geklärt und streben ein Abkommen über einen Teilabzug der Nato-Truppen an. Danach sollen Taliban und afghanische Regierung verhandeln.

Doha/Berlin - Unterhändler der aufständischen afghanischen Taliban und der Regierung der USA haben in Katar eine vorläufige Einigung darüber erzielt, wie in Afghanistan ein Friedensprozess in Gang kommen soll. Jetzt stimmen beide Seiten die Ergebnisse jeweils intern ab, die Amerikaner auch innerhalb der Nato. Spätestens zum 1. September soll es ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban geben.

Ziel: Nato soll Truppen schrittweise abziehen

Nach Informationen unserer Zeitung aus Verhandlungskreisen hat die Einigung diese Ziele: Die Nato wird demnach sehr bald nach Vertragsschluss Truppen aus Afghanistan schrittweise abziehen. Dies ist daran geknüpft, dass die Taliban ihre Angriffe auf ausländische und Regierungssoldaten sowie auf Zivilisten einstellen. Danach sollen die afghanische Regierung und die Taliban in Oslo direkt über Frieden verhandeln.

Der Weg bis dahin bleibt weit. Die Taliban sprechen nicht für alle Aufständischen. Die Nato möchte ihre Ausbildungshilfe für die Regierungstruppen nicht komplett einstellen. Offen ist, wie viele der derzeit gut 1200 Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan bleiben sollen. Die Taliban haben bisher Verhandlungen mit der Regierung abgelehnt. Präsident Aschraf Ghani wiederum hat die Verhandlungen in Doha stets kritisiert. Die afghanische ­Regierung war aber stets in das Vorgehen der Amerikaner eingebunden.

Experte warnt vor dem Ende des deutschen Engagements

Der deutsche Afghanistan-Experte Thomas Ruttig warnt unterdessen davor, dass mit einem Abzug der Bundeswehr auch das deutsche Engagement in Afghanistan endet: „Nach einem Friedensabkommen beginnt erst der Wiederaufbau richtig. Zudem müssen sehr viele ehemalige Kämpfer der verschiedenen Parteien demobilisiert und integriert werden“, sagt Ruttig.

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