Der Klassik-Wohnwagen war auch in den 70er-Jahren schon ein Renner. Foto: dpa (2), Lg/Rettig

Die CMT feiert ihren 50. Geburtstag. Drei Aussteller und ein früherer Projektleiter blicken auf die Anfänge zurück. Sie haben auch den Streik 1975 mitbekommen.

Stuttgart - Man muss schon ein bisschen suchen in der Halle 9 auf der CMT, um den kleinen, aber feinen Stand von Christian Nussbächer zu finden, der einen ganz besonderen Industriekleber anbietet. „Früher, als wir noch auf dem Killesberg waren, mussten immer alle an meinem Stand vorbei, heute müssen sie mich suchen“, sagt Nussbächer. Aber damals sei auch alles sehr eng gewesen, der Auf-und Abbau eine kleine Katastrophe, weil es keinen Ladehof gegeben habe. Und während er erzählt, taucht er so richtig ein in die Anfangszeiten. Damals seien die Kunden noch mit Zigaretten an seinem Stand gestanden am Killesberg, und er schwärmt vom Aktuellen Sportstudio, das in den 70er Jahren aus der Halle 6 ausgestrahlt wurde – mit seinem Lieblingsmoderator, dem 2012 verstorbenen Harry Valerien.

Vor fünf Tagen hat Nussbächer seinen 70. Geburtstag gefeiert – ein persönliches Jubiläum, das wunderbar korrespondiert mit dem 50. Geburtstag der CMT, denn Nussbächer ist mit seiner Firma CHN von Beginn an dabei und inzwischen der dienstälteste Aussteller. Am Anfang vertrieb er passend zur Ausrichtung der damaligen Messe für Motor, Sport und Freizeit (MSF) Autopflegemittel. Inzwischen schwört er auf seinen Kleber, mit dem man verschiedene Materialien verbinden kann. Inzwischen hat er sich auch mit der Messegelände beim Flughafen angefreundet, schätzt den Platz und kann sich auf seine Stammkunden verlassen, die teils nur wegen seines Klebers kommen. „Solange ich Spaß habe, fit bin und so dankbare Kunden habe, mache ich weiter“, sagt der Kleinunternehmer aus Böblingen.

Harter Kampf um Gunst der Aussteller

Am alten Standort Killesberg habe vor allem Hans Müller, der damalige Projektleiter, für ein besonderes Klima gesorgt. „Er war wie ein Vater für uns, hat jeden persönlich gekannt, egal ob kleiner oder großer Aussteller“, sagt Nussbächer. Und Müller sei es auch zu verdanken, dass sich die MSF zur Caravan, Motor, Touristik (CMT) entwickelt habe. Müller freut sich über das Lob und ist begeistert, dass am ersten Wochenende 85 000 Besucher gekommen sind. „Das hätte man sich in den Anfängen nicht vorstellen können – auf dem Killesberg ist die CMT mit 40 000 Besuchern schon aus allen Nähten geplatzt“, so Müller.

Es sei ein sehr harter Kampf um die Gunst der Aussteller gewesen, die sich vor allem auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin präsentiert hatten. Zum Glück stand der damalige Corps Touristique-Chef Fritz Tischler auf der Seite der Stuttgarter und hat für sie geworben. „Er hat uns sehr geholfen, und das war nicht gegen die ITB gerichtet“, sagt Müller. Tischler habe danach in Berlin leider Hausverbot bekommen.

Platzprobleme auf dem Killesberg

Für Müller, der 30 Jahre als Projektleiter gewirkt hat, war es aber nicht immer einfach, allen gerecht zu werden. Als der Bereich Caravaning 1975 wegen des gestiegenen Tourismusangebots aus der großen Halle in mehrere kleinere verteilt werden sollte, streikten die Händler aus der Region und blieben weg. Müller behalf sich mit ausländischen Anbietern, und ein Jahr später waren auch die Abtrünnigen wieder da. Ein weiteres Schlüsselerlebnis sei gewesen, dass die Besucher unter der Woche einen Tag Urlaub genommen hätten, um auf die CMT zu kommen. Sie wollten dem Andrang am Wochenende entkommen. „Da wussten wir, jetzt haben wir es geschafft“, sagt Müller.

Zum Urgestein der CMT zählt auch Karl-Heinz Wanner aus Dettingen-Teck, der in Halle 5 seine Silverdream-Reisemobile ausstellt. Er war von Anfang an in verschiedenen Funktionen auf der Messe vertreten. Der 73-Jährige hatte schon früh ein Gespür für Entwicklungen und Bedürfnisse in der Caravaning-Branche. 1969 kaufte er privat einen gebrauchten Wohnwagen, den er mit Gewinn weiterverkaufte. „Da habe ich gemerkt, das ist der richtige Zeitpunkt, um in die Branche einzusteigen“, sagt Wanner. Damals waren Wohnwagen was für Puristen – ohne Heizung, Küche und Trennwände, und schwer zu manövrieren. Auf dem Killesberg hat Wanner seine ersten Reisemobile ausgestellt. „Das war sehr familiär dort, man kannte jeden Aussteller“, sagt Wanner, der als einziger Anbieter aus der Region übrig geblieben ist. Seine Kinder werden in das Reisemobil-Unternehmen einsteigen.

„Vor allem das Anspruchsdenken der Kunden hat sich geändert“, sagt Wanner, der interessierten Besuchern auch mal einen Espresso und eine Brezel serviert. Kunden seien vor allem Rentner, die ihr Häuschen verkauft hätten, um in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Sie wollten im Wohnmobil was von der Welt sehen. „Früher sind die Leute schon mit 60 nicht mehr in den Urlaub gefahren“, sagt Wanner.

Konzept nicht kopierbar

Ein Zeitzeuge der CMT-Geschichte ist auch Michael Winkler vom deutschen Caravaning Handelsverband DCHV. Den Umzug der Messe schildert er als „riesigen Qualitätsschub“. „Die CMT auf dem Killesberg war wie Regionalliga, die CMT am Flughafen ist wie Bundesliga“, sagt Winkler, der noch ein Kompliment hinterherschiebt. „Mehrere andere Messegesellschaften haben versucht, das Konzept nachzumachen. Allerdings ist es keiner auf Dauer erfolgreich gelungen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: