Die beiden Senioren-WGs in Krummwälden sind eine Alternative zum Pflegeheim. 21 Senioren leben in den Wohngemeinschaften, umgeben von Tieren wie Katzen, Hühnern und einem Therapiehund.
In der Senioren-WG geht es schon um 9 Uhr rund. Fünf ältere Frauen sitzen am Küchentisch und schälen Äpfel. „Heute gibt’s Kartoffelpuffer und Apfelmus“, verrät Ursula Riegraf (88), die nebenbei einen Kuchenteig mit Äpfeln belegt, der Kuchen wird zum Nachmittagskaffee serviert. Riegraf lebt gerne in der Gemeinschaft, sie fühlt sich gut versorgt.
Zeitgleich lässt eine Dame Geschirrhandtücher durch die Bügelmaschine, Helene Bremer faltet sie akkurat. Die 79-Jährige fühlt sich wohl, blickt aber mit etwas Wehmut auf ihr früheres Zuhause, das sie zugunsten des WG-Lebens aufgegeben hat, weil sie alleine nicht mehr zurecht kam. Alltagsbegleiterin Moni Dangelmayer steht am Herd, sie leitet die beiden WG-Häuser in Krummwälden. „Die Frauen helfen sehr gerne mit, sie wollen etwas arbeiten“, weiß sie. Jeder macht, was er kann, eigenständig oder mit Unterstützung.
Vor 13 Jahren wurde ein Mehrgenerationenhaus gebaut
Wie kam es eigentlich zur Gründung der beiden Wohngemeinschaften für Senioren, die unter dem Dach des Unternehmens Senioren-Mutter angesiedelt sind? Da kommt Gründerin Elke Kaiser-Reher ins Spiel. „Meine Schwiegermutter wollte nicht ins Pflegeheim“, erzählt sie, kurz entschlossen wurde vor 13 Jahren ein Mehrgenerationenhaus in Krummwälden gebaut.
Ihre Schwiegermutter Gisela Reher starb kurz nach dem Einzug, ihren Platz nahm Freundin Anita Barz ein. Sie investierte in das Wohnprojekt, mit Anna Weber, der ein Hof in der Nähe gehörte, war eine weitere Mitstreiterin, die sich an Kaiser-Reher wandte, dabei. Das alte Gebäude wurde abgerissen, 2016 das erste und 2017 das zweite WG-Haus gebaut.
Mittlerweile leben 21 Senioren mit und ohne Demenz im Alter zwischen 60 und 100 Jahren in den drei Häusern zusammen und beweisen: Was bei Studenten funktioniert, kann auch im Alter durchaus eine Bereicherung sein. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit Bad, die anderen Räume werden gemeinschaftlich genutzt. Alltagsbegleiter sind vor Ort, ein hauseigener Pflegedienst kümmert sich um die weitere Versorgung, selbst Palliativ-Patienten können im Haus bleiben und werden von Fachpersonal betreut. Frisör, Massage, Fußpflege, alles wird erledigt.
Ein wichtiger Baustein sind die Angehörigen, die eng mit eingebunden sind und gerne mithelfen. Wer in die WG neu einzieht, entscheiden Bewohner und Angehörige, längst gibt es weit mehr Interessenten als Plätze. Vor kurzem hat Emilie Kuch dort ihren 100. Geburtstag gefeiert, die Luftballons hängen noch an der Wand und die alte Dame schält noch zügig ihre Äpfel.
Gartenarbeit wird gemeinsam erledigt
Kaiser-Reher hat ein Konzept, das beim Rundblick durch die WG-Küche überzeugt. „Wir versuchen ein normales Leben mit den alten Menschen zu leben, wie in einer Familie“, sagt sie. Nicht irgendwelche Beschäftigungsangebote, sondern sinnvolle Tätigkeiten stehen auf dem Programm. Viele Ausflüge, etwa in den Zoo, zum Weihnachtsmarkt oder eine Neckarschifffahrt, werden unternommen.
Hühner und Kaninchen spazieren durch ihr Gartengehege, Katzen gehen ein und aus, Therapiehund Josy sucht sich ihr Plätzchen in der Küche. Mit zur tierischen Gemeinschaft gehören Esel, Schafe und Pferde. Die Tiere sind für die Bewohner eine Bereicherung, da ist sich Kaiser-Reher sicher. Die Esel werden auf der nahegelegenen Wiese besucht, mit den Schafen und dem Hund machen die alten Menschen gerne Spaziergänge. Im Hochbeet im Hof wächst Feldsalat, weitere Beete und Blumenkübel lassen erahnen, dass der Garten rund um die WG-Häuser im Sommer einer blühenden und auch schmackhaften Oase gleicht. Gartenarbeit wird gemeinsam erledigt.
„Wir sind schon auf einem guten Weg zu Selbstversorgern“, sagt Kaiser-Reher, die auf Nachhaltigkeit setzt. Die Herren sind für die Küchenarbeiten nicht so zu begeistern, sie sind handwerklich unterwegs oder helfen bei den Tieren mit. Schon geht die Haustür auf, ein Bewohner der Nachbar-WG holt Josy zur Morgenrunde ab und die Hündin freut sich wie Bolle.
Ein Verein unterstützt die Wohngemeinschaft
Auskunft
Infos zu den Senioren-WGs gibt es unter www.senioren-mutter.de.
Angebote
Noch diesen Monat eröffnet das Unternehmen Senioren-Mutter eine Tagespflege in Waldstetten, der Neubau einer Senioren-WG ist hier in Planung.
Helfer
2020 wurde der Verein Seniorenfreunde zur Unterstützung der Senioren-WG in Krummwälden gegründet.
Wer sich informieren oder den Verein unterstützen möchte, findet Infos unter: www.senioren-freunde.de