Larry Flynt: der Mann im goldenen Rollstuhl wollte Porno als eine Form der Rede- und Ausdrucksfreiheit verstanden wissen. Foto: AFP/MARK RALSTON

Mit 78 Jahren ist „Hustler“-Verleger Larry Flynt gestorben. Er war mehr als nur ein Großmeister des Obszönen.

Stuttgart - Manche verdienen sich mit schmuddligen Dingen eine goldene Nase. Bei Larry Flynt hat es gleich zu einem goldenen Rollstuhl gereicht. Sein Geschäftsmodell beschrieb er einmal mit den unverblümten Worten: „Ich bin das größte Schwein von allen.“ Unverblümtheit könnte man überhaupt sein Lebensthema nennen. Unter den Hochglanzmagazinen, die vor allem von Männern wegen ihrer hochkarätigen Interviews und ihres mutigen Enthüllungsjournalismus gelesen werden, vertrat Larry Flynts „Hustler“ die gynäkologischste Position.

 

Wie sein Magazin ist der 1942 geborene Flynt ein Kind der Gosse. Aufgewachsen in den Hinterwäldern von Kentucky handelte er bereits als Junge mit heißem Stoff, illegal gebranntem Schnaps, sein Vater war der beste Kunde. Später betrieb er eine Reihe von Strip-Clubs und gab einen Newsletter heraus, in dem er seine Clubs bewarb. Das Blättchen in Schwarz-Weiß wurde schnell so beliebt, dass er sich entschied, daraus ein eigenes Magazin zu machen. „Hustler“ heißt soviel wie Hure, Gauner. Doch dass der Herausgeber zur schillernden Kultfigur wurde, ist eine direkte Folge der Derbheit seines Blattes. Denn um das Recht auf Porno als eine Form der Rede- und Ausdrucksfreiheit zu verteidigen, zog er fortan vor die Gerichte, wenn es sein musste trug er dabei die US-Flagge als Windel

Plädoyer für Meinungsfreiheit

Der Regisseur Milos Forman, der Flynts Biografie verfilmt hat, machte daraus ein furioses Plädoyer zum Wert der Meinungsfreiheit in einem bigotten, von Doppelmoral geprägten Land.

1978 wurde Flynt von einem Rechtsextremisten niedergeschossen, nachdem er Bilder eines Paares mit unterschiedlichen Hautfarben veröffentlicht hatte. Seitdem saß er von der Hüfte abwärts gelähmt im Rollstuhl.

Immer bereit Tabus zu brechen, lobte der streitbare Demokrat hohe Summen für kompromittierende Informationen aus dem Leben republikanischer Politiker aus, 2017 auch gegen Donald Trump. Am Mittwoch starb Flynt in seiner Villa in den Hollywood Hills an Herzversagen.