Die Leonberger CDU-Ratsfraktion unterstützt ihren Stadtverbandschef: Oliver Zander hatte in der vergangenen Woche öffentlich in Erwägung gezogen, den Erhalt der Geburtshilfe im Leonberger Krankenhaus mit städtischen Zuschüssen abzusichern.
Der Chef des CDU-Stadtverbandes bekommt Rückendeckung von seiner Gemeinderatsfraktion: Oliver Zander hatte in der vergangenen Woche öffentlich in Erwägung gezogen, den Erhalt der Geburtshilfe im Leonberger Krankenhaus mit städtischen Zuschüssen abzusichern. Eine Aussage, die viel Wirbel gemacht hatte, war sie doch nicht mir der Leonberger Ratsfraktion und auch nicht mit der Kreistagsfraktion abgestimmt. Was beide nicht schlimm fanden, schließlich könne der Parteichef eigene Vorschläge machen.
Im Nachhinein findet Elke Staubach, die Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion, den Vorschlag aber durchaus überlegenswert. Wobei sie zuallererst den Landkreis Böblingen in der Pflicht sieht: „Da das Krankenhaus dem Klinikverbund angehört, ist es Aufgabe des Kreises, dafür zu sorgen, dass das Leonberger Krankenhaus als Ganzes optimal aufgestellt ist, damit es der Bevölkerung rund um Leonberg auch zukünftig als Anlaufstelle dient“, erklärt Staubach. „Wir begrüßen, dass laut Medizinkonzept 2030 der Fachbereich Geriatrie ausgebaut werden soll. Hat doch Leonberg viele Einrichtungen mit Betreutem Wohnen, Senioren- und Pflegeheimen aufzuweisen. Gerade da ist auch die Notfallversorgung rund um die Uhr ein wichtiger Baustein.“
Gerade vor dem Hintergrund der Rund-um-die-Uhr-Versorgung im Klinikum hält es die Fraktionschefin für „irritierend, dass die Gynäkologie ein Bauernopfer werden soll.“ Die Christdemokratin verweist auf die Zertifizierung als „babyfreundliches Krankenhaus“ und das ebenfalls zertifizierte Beckenbodenzentrum, das an einem anderen Standort neu aufgebaut werden müsste. Der gerade erst aufgebaute hebammengeführte Kreißsaal würde als „Aushängeschild in der Versenkung verschwinden.“
„Sind denn die Verluste in dieser Abteilung so hoch, dass dies alles nicht mehr umsetzbar wäre?“, fragt Staubach. Womöglich hingen die 70 Millionen Gesamtverlust im vergangenen Geschäftsjahr mit nicht abgerufenen Zuschüssen und Fördermitteln für ärztliche Tätigkeiten zusammen.
Hebammen informieren am Samstag auf dem Marktplatz
Das Krankenhaus brauche mehrere medizinische Standbeine, dazu zähle die Gynäkologie: „Notfalls muss über einen Zuschuss einmalig oder auch verstetigt nachgedacht werden, so wie von Zander vorgeschlagen.“
Die Argumentation des Leonberger SPD-Kreisrates Günther Wöhler hält Staubach für „kontraproduktiv.“ Der Mediziner hatte im Gespräch mit unserer Zeitung indirekt Verständnis für das geplante Aus der Gynäkologie gezeigt, allein schon angesichts der Personalknappheit. „Dies verunsichert Schwangere und führt zu Abwanderungen in andere Häuser“, befürchtet die CDU-Fraktionschefin. „Damit ist weder der Gynäkologie am Standort noch dem Klinikverbund gedient.“
Die CDU-Gemeinderatsfraktion will mit der eigenen Kreistagsfraktion und den anderen Leonberger Stadträten die Möglichkeiten eines Zuschuss-Antrages für den Haushalt 2024 erörtern. Um die Gynäkologie zu erhalten, müssten andere Dinge zurückstehen: „Kurze Wege, zufriedene Patienten, neue Erdenbürger – geboren in Leonberg – haben Priorität vor anderen Freiwilligkeitsleistungen, deren Ziel erst noch zu definieren ist“, sagt Staubach. „Der Mensch ist wichtiger als die Sache.“
Die Leonberger Hebammen informieren am Samstag, 23. September, von 10.30 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz über ihre Arbeit und erläutern, warum sie einen Erhalt der Geburtshilfe und der Gynäkologie in Leonberg fordern.