Um den hebammengeführten Kreißsaal zu retten, schlägt die CDU einen städtischen Sonderzuschuss vor. Der Stadtverbandschef Oliver Zander wirft SPD-OB Cohn einen „Kuschelkurs“ gegenüber dem Böblinger Landrat vor.
Lässt sich die Geburtenstation im Krankenhaus Leonberg durch einen Sonderzuschuss aus dem städtischen Haushalt finanziell langfristig absichern? Mit diesem Vorschlag wartet die Leonberger CDU unmittelbar vor der entscheidenden Phase der Haushaltsberatungen auf.
Hintergrund: Der Klinikverbund Südwest, unterstützt durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Landrat Roland Bernhard, will die Gynäkologie in Leonberg aus Kostengründen perspektivisch schließen. Davon betroffen wäre auch die Geburtshilfe.
Personalmangel keine neue Erkenntnis
Dagegen regt sich großer Widerstand. Deshalb ist sich der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander sicher: „Wenn wir einen Zuschuss aus städtischen Mitteln beantragen, ziehen alle Fraktionen mit, die es ernst meinen mit dem Erhalt des Krankenhauses.“
Nicht an vorderster Front der Kritiker steht Leonbergs OB. Dass Martin Georg Cohn (SPD) „so klaglos den Krankenhaus-Plänen des Landrats zustimmt“ und sich sogar noch zufrieden zeigt, kann Zander überhaupt nicht verstehen. „Ein OB muss für seine Klinik kämpfen statt auf Kuschelkurs zu gehen“, fordert der CDU-Chef und kritisiert gleichzeitig, dass zum Leonberger Krankenhaus, insbesondere zur wirtschaftlichen Situation der Geburtshilfe keine Zahlen vorgelegt würden. Und dass Personal fehle, sei weder eine neue Erkenntnis noch ein exklusives Leonberger Phänomen.
Cohn hatte im Sommergespräch mit unserer Zeitung davor gewarnt, jenes Gutachten wieder aufzumachen, das Eckpunkte für die künftige Aufstellung des Klinikverbundes Südwest aufzeigt. Laut der Meinung der Hamburger Beratungsfirma Lohfert & Lohfert soll das Krankenhaus Leonberg als Klinik der Grundversorgung mit Rund-um-die-Uhr-Betrieb erhalten bleiben. Zentrale Standbeine sind demnach: die Bauchirurgie, die Gastroenterologie, die Unfallchirurgie und eine erweitere Klinik für Altersmedizin. Auch einen Gesundheitscampus mit privat angebotenen medizinischen Leistungen sehen die Gutachter auf dem Leonberger Klinikgelände vor.
OB will Status als Grundversorger sichern
Keine Zukunft indes geben sie der Gynäkologie mit Geburtshilfe, obwohl erst vor zwei Jahren in Leonberg ein hebammengeführter Kreißsaal mit positiver Resonanz eingeführt worden war. Stattdessen soll in der künftigen Flugfeldklinik bei Böblingen eine zentrale Geburtenstation ein gerichtet werden. Auch die Geburtshilfe in Herrenberg würde den Plänen zum Opfer fallen.
Martin Cohn befürchtet, eine allzuheftige Diskussion um den Fortbestand der Gynäkologie könnte den Status als Krankenhaus mit Dauerbetrieb gefährden. Der OB hält es für sinnvoller, eine ambulante Entbindungsstation im Zuge des geplanten Gesundheitscampus am Krankenhaus einzurichten. Ähnlich hatte sich unlängst der SPD-Kreisrat und Mediziner Günther Wöhler im Gespräch mit unserer Zeitung geäußert.
„Bester Vertrieb für das Krankenhaus“
Der CDU-Chef Zander hingegen verweist auf den hohen finanziellen Anteil, den Leonberg für die geplante Großklinik bei Böblingen erbringt: „Die Flugfeldklinik kostet allein für Zinsen und Abschreibungen die Stadt Leonberg durchgerechnet über die Kreisumlage rund vier bis fünf Millionen Euro zusätzlich an Kreisumlage“, rechnet Zander vor. „Und als Dankeschön streicht uns der Landrat die Geburtshilfe.“
Die Kosten für den Böblinger Klinik-Neubau, der ein Leistungsangebot bereithalten soll, das dem einer Uni-Klinik ähnelt, wurde im Juli beim Richtfest mit 621 Millionen Euro angegeben. Dass das nicht reicht, wird in Fachkreisen kaum in Frage gestellt. Skeptiker befürchten gar, dass die Latte von einer Milliarde Euro gerissen wird.
Oliver Zander verweist unterdessen auf den werbenden Effekt einer gut aufgestellten Geburtshilfe für das gesamte Krankenhaus. „Die werdenden Mütter sind in der Regel gesunde Menschen, die mit der Geburt ihres Kindes einen ersten – hoffentlich positiven – Kontakt zum Krankenhaus Leonberg haben. Die kommen dann wieder, zur nächsten Geburt oder falls es eines medizinischen Eingriffs bedarf.“
Umgekehrt kämen die Patienten nie zurück, die durch eine Schließung der Geburtshilfe verloren gingen. Dies gelte auch für Väter und die gesamte Verwandtschaft. „Ein hohes vierstelliges Patientenpotenzial geht dem Leonberger Krankenhaus dadurch verloren“, befürchtet Zander.
Gleichzeitig sieht er die Pläne von Landrat Bernhard als „Missachtung der Leistung der Hebammen“ in Leonberg. „Da wurde mühsam etwas aufgebaut, was jetzt wieder zerschlagen werden soll.“