Franziska Mathis-Ullrich spricht in ihrem Gastbeitrag über KI in der Medizin. Foto: Maike Nicolai/Universität Hamburg

Fünf Expertinnen und Experten blicken beim Thema Künstliche Intelligenz in die Zukunft. In diesem Gastbeitrag: Franziska Mathis-Ullrich, Juniorprofessorin im Bereich Medizinrobotik.

Stuttgart - Zum Abschluss unserer Serie rund um das Thema Künstliche Intelligenz haben wir fünf Expertinnen und Experten um einen Blick nach vorne gebeten. In ihren Gastbeiträgen formulieren sie zwischen visionärem Optimismus und Skepsis die Herausforderungen und Chancen, die mit dieser Technologie verbunden sind.

 

In diesem Gastbeitrag schreibt Franziska Mathis-Ullrich, Juniorprofessorin im Bereich Medizinrobotik am Karlsruhe Institute of Technology (KIT):

„Wer einen modernen Operationssaal betritt, dem wird die Vielzahl der Geräte gleich ins Auge fallen. Operationssäle sind heute gespickt voll mit Technik, die den Patienten überwachen oder – Stichwort minimalinvasive OP – von Chirurgen ferngesteuert werden. Die Chirurgin sitzt dabei vor einem Bildschirm und bewegt mit einer Art Joystick die Instrumente im menschlichen Körper.

Eine eigene Intelligenz – also eine Künstliche Intelligenz (KI) – haben die Geräte jedoch überwiegend nicht. Und ich glaube, dass auch in 20 Jahren keine Operationen voll autonom vom KI-Roboter – ohne menschliches Zutun - durchgeführt werden. Nicht mal in 50 Jahren werden wir meines Erachtens menschenleere OPs sehen, mit Ausnahme vielleicht bei sehr standardisierten Eingriffen, wie etwa dem Grauen Star.

Die Grenze der KI

Denn bisher gibt es keine Technologie, die in Notfällen die menschliche Kreativität ersetzen könnte. Auch KI wird dies nach heutigem Stand nicht leisten können. Chirurgen wird die Arbeit also nicht ausgehen. Doch ihre Arbeit wird sich in den nächsten Jahren massiv verändern.

Systeme werden immer häufiger Aufgaben übernehmen, die heute vielleicht von Assistenten erledigt werden. Das ist unbestritten. Denn robotische Systeme werden immer intelligenter. Ein Beispiel dafür ist etwa eine Endoskop-Kamera, die weiß welches Instrument der Chirurg gerade bedient – und sich dann selbstständig so platziert, dass sie die entscheidenden Organe im richtigen Winkel im Bild zeigen kann.

Dass der Operationssaal mittelfristig nicht verwaist hat meines Erachtens auch damit zu tun, dass ethische Fragestellungen in der Gesellschaft noch nicht ausreichend diskutiert sind. Erlauben wir dem Chirurgieroboter, Fehler zu machen? Diese Frage gehört beispielsweise dazu.“

Wie Judith Simon, Professorin für Ethik in der Informationstechnologie, die Zukunft der KI einschätzt, lesen Sie hier. Alle Teile unserer Serie zur Künstlichen Intelligenz finden Sie auf dieser Seite.