Ein Platz für Veranstaltungen und die Menschen: Dass der Arsenalplatz das sein kann, zeigt beispielsweise das Kastanienbeutelfest. Foto: factum/Archiv

Trotz großer Lücken im Haushalt hält Ludwigsburg an der zentralen Innenstadtentwicklung fest. Das Projekt wird aber gestreckt. Zumindest eine grundlegende Entscheidung, die den Verkehr betrifft, ist gefallen.

Ludwigsburg - Eine Atmosphäre wie auf einem typisch südfranzösischen Platz wollte das Büro Mann Landschaftsarchitektur aus Fulda mit seinem Siegerentwurf des Großprojekts ZIEL (Zentrale Innenstadtentwicklung) schaffen. Der Ludwigsburger Arsenalplatz sollte komplett umgemodelt werden. Zu einem Ort, der die Menschen anzieht und zum Verweilen einlädt, aber auch als Aufwertung des bislang so tristen Wegs vom Bahnhof in die Innenstadt. Bis dort mediterranes Flair herrscht, wird es dauern. Wenn es überhaupt jemals dazu kommt.

Immerhin haben sich die Mitglieder der Ausschüsse für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften (SHL) sowie Mobilität, Technik und Umwelt (MTU) in ihrer jüngsten Sitzung für eine Interimslösung ausgesprochen. Die Stadt hatte wegen der finanziellen Schieflage vorgeschlagen, den ZIEL-Gewinner sowie den Zweitplatzierten des Wettbewerbs darum zu bitten, ihre Entwürfe zu überarbeiten. Sie sollen aufzeigen, wie das Gebiet – den Schillerplatz mit eingeschlossen – in Teilabschnitten neu gestaltet werden könnte, um die Arbeiten an die finanziellen Möglichkeiten der Stadt anzupassen. Auch die Ludwigsburger Bürger sollen eingebunden werden und können Vorschläge machen. Die Stadt wünscht sich, „ein Schaufenster für den künftigen Platz“.

Die Entscheidung über den endgültigen Entwurf ist für Ende 2020 anvisiert. Wenn das Parkhaus der Kreissparkasse im Regeleareal fertig ist (voraussichtlich Mitte 2023), soll am Arsenalplatz gebaut werden.

Tempo 30 in der Wilhelm- und Arsenalstraße

Dem Gemeinderat vorzuschlagen, Autos schon während der Übergangsphase ganz aus diesem Teil der Stadt zu verbannen, dazu konnte sich die Verwaltung noch nicht durchringen. Einige Stellplätze für Kurzzeitparker, Elektroautos, die dort aufgeladen werden können oder Behinderte sollen erhalten bleiben. Auch die Arsenalstraße bleibt für den Verkehr erst einmal offen. Auf der Strecke, genauso wie in der Wilhelmstraße, gilt dann Tempo 30.

Lesen Sie hier: So sieht der Gewinner-Entwurf des ZIEL-Wettbewerbs aus

Einen komplett autofreien Arsenalplatz, das geht nach wie vor über die Vorstellungskraft einiger Gemeinderatsmitglieder hinaus – trotz jahrzehntelanger Diskussion, Verkehrsgutachten, Bürgerbeteiligungen und zuletzt dem aufwendigen und teuren Ideenwettbewerb. Allen voran die CDU, aber auch FDP und Freie Wähler sprachen sich wieder mal für den Erhalt aus. Das immer gleiche Argument: Menschen, die zum Einkaufen mit dem Auto in die Innenstadt kommen, müssen es irgendwo abstellen.

Die Freien Wähler zeigten zumindest ein wenig Kompromissbereitschaft und zogen ihren Antrag zur Erhaltung von 50 bis 80 Parkplätzen zurück. „Wir würden uns auch mit 40 zufrieden geben“, sagt der Fraktionsvorsitzende Reinhard Weiss.

Mehr Aufenthaltsqualität trotz Parkplätzen?

Über einen konkreten Antrag wurde nicht abgestimmt, nachdem Albert Geiger, kommissarischer Leiter des Dezernats für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften, vorgeschlagen hatte, die Anzahl der Parkplätze an ein vorläufiges Nutzungskonzept für den Arsenalplatz zu koppeln. „Wir müssen vielleicht auch einfach schauen, was uns der Wettbewerb anbietet“, schlug Oberbürgermeister Matthias Knecht (parteilos) vor. „Meine Fantasie reicht aber nicht aus, mir vorzustellen, dass die Aufenthaltsqualität steigt, wenn 50 bis 80 Plätze übrig bleiben.“

Dass das auch im Gegensatz zu den ursprünglichen Überlegungen stehen würde, aufgrund derer die KSK mit dem Bau eines Parkhauses beauftragt wurde, mahnten SPD und Grüne an. Denn eigentlich sollten die dort entstehenden Stellplätze die auf dem Arsenalplatz obsolet machen. „Die Tiefgaragenplätze werden wahnsinnig teuer von den Stadtwerken angemietet“, sagte Christine Knoß (Grüne). Autofahrern dann noch eine Alternative auf dem Arsenalplatz zu bieten, sei „irrsinnig“.

Keine Rampe Richtung Schillerplatz

Planungssicherheit hat die Kreissparkasse seit Donnerstagabend bei der Ausfahrt aus der neuen Garage. Die Autos sollen in Richtung Westen über die Gartenstraße fahren – wie genau der Verkehr geregelt wird, muss noch geprüft werden. Baubürgermeister Michael Ilk (Freie Wähler) hatte die Ausschussmitglieder fast angefleht, sich nicht für eine Ausfahrt in Richtung Schillerplatz zu entscheiden. Nur Teile der CDU beharrten letztlich auf der Lösung, die eine Rampe und zwei zusätzliche Ampeln am Ende der Schulgasse notwendig gemacht hätten.

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