Auch der Eckensee in der Stuttgarter Innenstadt ist von einer Eisschicht überzogen – sollte man hier einbrechen, holt man sich zum Glück nur nasse Füße. Foto: Andreas Rosar

Dauerfrost in Stuttgart, still und starr liegen die Seen: Doch die Eisflächen in der Landeshauptstadt sind Sperrgebiet – auch wenn viele das partout nicht einsehen wollen.

Stuttgart - Ein paar Tage Dauerfrost und über Stuttgarts Seen liegt eine Eisschicht. Doch so verlockend es auch sei: Betreten ist strengstens verboten. Zunächst einmal ist das Eis auf dem Bären- oder am Max-Eyth-See derzeit gar nicht dick genug, um sicher zu halten. Und selbst wenn: „In Stuttgart darf kein See betreten werden“, stellt Ann-Katrin Gehrung von der Pressestelle der Stadt Stuttgart klar.

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Die Landeshauptstadt misst wegen des generellen Verbots auch die Dicke des Eises nicht – damit weiß dann auch keiner, ob die Eisschicht reicht, um einen Menschen oder gar mehrere sicher zu halten.

Aus Erfahrung setzen sich immer wieder Menschen über das Verbot der Stadt hinweg: Im vergangenen Jahr tummelten sich zum Beispiel wahre Menschentrauben auf den zugefrorenen Wildparkseen. Sogar Eishockey wurde auf den zugefrorenen Seen gespielt.

DLRG muss immer wieder ausrücken

Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt dringend vor dem Betreten von Eisflächen. Helfer müssten bei solchen Wetterlagen immer wieder ausrücken, um eingebrochene Menschen aus dem kalten Wasser zu retten, sagte der stellvertretende Leiter Einsatz der DLRG Württemberg, Bastian Sturm - oft zwei bis dreimal pro Woche. Meistens kämen sie rechtzeitig. Aber: „Wir haben immer wieder Todesfälle.“

Zugefrorene Gewässer könnten erst bei einer Eisdicke von 15 Zentimetern auch von Gruppen sicher betreten werden, betonte Sturm. „Die Leute sind oft unvernünftig.“ Wenn erst ein Mensch auf einer Eisfläche sei, wagten sich nach und nach immer mehr. Das sei aber besonders gefährlich, weil eine Eisfläche, die an einer Stelle trage, an anderen Stellen viel zu dünn sein könne. So sei das Südufer eines Teiches oder Sees oft beschattet, während auf das Nordufer die Sonne scheine. „Man sieht auch nicht, ob unter der Oberfläche Quellen sind, die die Eisdicke deutlich verringern.“ Auch auf fließenden Gewässern bilde sich oft nur eine dünne Eisschicht.

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Die nächsten Tage bleiben in Stuttgart frostig: Die Nächte bleiben bei –5 Grad deutlich im Dauerfrost, am Tag kommen die Temperaturen über den Gefrierpunkt nicht hinaus. „Erst zum Wochenende wird es ein bisschen milder“, weiß Marco Puckert vom Deutschen Wetterdienst am Schnarrenberg.

Städtischer Vollzugsdienst kontrolliert

In Stuttgart wird das Verbot von den Mitarbeitern des städtischen Vollzugsdienstes kontrolliert. Wenn diese Menschen auf zugefrorenen Seen sehen, fordern sie diese erstmal auf, schnell vom Eis zu kommen. „Dann suchen sie das Gespräch mit den Leuten und informieren darüber, wie gefährlich das ist, was sie da tun“, sagt Ann-Katrin Gehrung. Bußgelder werden laut der Stadtsprecherin keine verhängt – obwohl das generell möglich wäre. „Wir setzen auf die Vernunft der Leute.“

Dass die kindliche Freude am glitzernden Eis manchmal jeden gesunden Menschenverstand in den Hintergrund drängt, beweist eine Geschichte aus dem Jahr 2017: Damals wurden sogar die Bürgermeister Werner Wölfle und Peter Pätzold auf dem Eis des Pfaffensees gesichtet.

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