Alexander Jung (links) mit Dynjandi und Michael Klingels mit Astoria Foto: Sandra Hintermayr

Die Liebe zu Islandpferden hat Alexander Jung und Michael Klingels zusammengeführt, gemeinsam züchten sie die Rasse. Ihre Pferde stehen in Echterdingen und Stuttgart-Degerloch und machen nicht nur ihre Besitzer glücklich.

Degerloch/Echterdingen - Neugierig beschnuppert die gescheckte Astoria die Besucherin in ihrem Offenstall, lässt sich geduldig das weiche Winterfell kraulen. Die Stute Bláma untersucht derweil die Kameratasche der Fremden. Vielleicht ist da ja was Schmackhaftes darin versteckt? Das freundliche, soziale Wesen der Isländer zieht Pferdefans in ihren Bann. Auch Alexander Jung und Michael Klingels haben sich mit dem „Virus“ angesteckt. Als „die tollste Rasse der Welt“ beschreibt Jung die Islandpferde – „weil sie so sind, wie sie sind“. Schlau nennt er seine Tiere, verträglich und kinderlieb. „Sie machen alles mit“, schwärmt Jung. Auch wenn sie mit der Pferdekutsche durch die Stadt fahren und ein Bus vorbeifährt, bleiben sie laut dem Züchter gelassen. „Sie zucken noch nicht mal mit den Ohren“, sagt Jung.

In Degerloch leben fünf der Islandpferde in einer kleinen Herde auf dem Hof von Horst Straif. In Echterdingen stehen die Zuchtpferde auf gepachteten Flächen. 13 Isländer haben Jung und Klingels zusammen. Der Wunsch der beiden Männer ist es, irgendwann einen eigenen Hof zu besitzen. „Davon träumt jeder – die Pferde hinter dem eigenen Haus zu haben“, sagt Jung.

Stammbaum bis nach Island zurückverfolgbar

Islandpferde gehören zu den reinsten und ursprünglichsten Rassen der Welt. Auch die Stammbäume der Pferde der beiden lassen sich bis nach Island zurückverfolgen. „Eine unserer Stuten kommt direkt aus Island“, sagt Michael Klingels. Die Zucht ist für die Männer ein Hobby, eine Leidenschaft. Alexander Jung betreibt einen Reitsporthandel in Stuttgart, Michael Klingels arbeitet als Gärtner.

Über die Islandpferde haben sie zusammengefunden. Die robuste Rasse von der rauen Insel im hohen Norden hat es Jung und Klingels seit Kindesbeinen angetan, seit den ersten Reitstunden sozusagen. „Die Faszination Islandpferd lässt einen nicht los“, sagt Jung. Seit 30 Jahren hat er eigene Isländer. Auch Klingels war von Anfang an begeistert von den Pferden. „Ich hatte den Wunsch, diese tolle Rasse selbst zu züchten“, sagt Klingels. Seit 2016 züchten die beiden Männer unter dem Namen Islandpferdegestüt Nauwies.

So erholsam wie ein Karibikurlaub

Mit ihren Pferden gehen die Reiter auch auf Turniere und nehmen an Wanderritten teil. Ein Wochenende auf dem Pferderücken, kilometerlange Strecken mit teilweise Dutzenden anderen Reitern, schlafen im Zelt oder Wohnmobil. „Man reitet – mit Pausen – den ganzen Tag“, sagt Jung. „Dabei kann man richtig abschalten. Das ist erholsam wie ein Karibikurlaub.“ Er schwärmt von der Gemeinschaft der Islandpferdereiter, von der Verbundenheit.

Wo die Vierbeiner auftauchen, zaubern sie den Menschen ein Lächeln ins Gesicht, sagen die Züchter. Mit den Degerlocher Pferden sind sie oft im Ort unterwegs, bieten Kinderreiten und Kutschfahrten an. Im Sommer haben Mensch und Pferd den Senioren bei „Urlaub ohne Koffer“, einem Angebot der evangelischen Kirche im Waldheim, eine Freude bereitet. „Dabei war eine 100-jährige Frau, die begeistert von der Kutschfahrt war“, erzählt Jung. Eine Premiere für die Dame. „Sie sagte, da musste sie erst 100 Jahre alt werden, um einmal in einer Kutsche zu sitzen.“ Auch eine Frau, die etwa 50 Operationen erdulden musste, ist Jung im Gedächtnis geblieben. „Die Freude in ihren Augen, das war unbezahlbar“, sagt er über die Begegnung der Dame mit seinen Islandpferden. Im Dezember war Michael Klingels als Nikolaus verkleidet mit der Kutsche unterwegs und hat Schokoladennikoläuse verteilt, außerdem hat er mit der Stute Bláma mehrfach eine Bewohnerin des Hospizes Sankt Martin besucht. „Es ist schön, wenn wir den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern können – gerade in Zeiten von Corona, in der es so viele Einschränkungen gibt“, sagt Klingels.

Pferdebesuch im Hospiz

In Echterdingen stehen die Zuchtpferde teils auf von der Stadtverwaltung gepachteten Flächen und tragen zur Landschaftspflege bei. Auch beim Erhalt der Streuobstwiesen sind die Tiere eine Hilfe, sagt Klingels. „Wir sorgen so dafür, dass diese wertvollen Kulturlandschaften nicht verschwinden.“

Also alles eitel Sonnenschein in der Islandpferdewelt? Nicht ganz. Eines lässt den Züchtern den Blutdruck in die Höhe schnellen: „Wenn die Leute ungefragt unsere Pferde auf der Weide füttern“, sagt Jung. Egal ob Äpfel oder gemähtes Gras – nichts davon solle man den Tieren geben. Im schlimmsten Fall könnten die Pferde daran sogar sterben. Jung sagt: „Man füttert keine fremden Tiere. Punkt.“ Damit die freundlichen Islandpferde auf der Weide auch weiterhin den Spaziergängern eine Freude bereiten können.

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