Der PSV Stuttgart ist im Neckarpark direkter Nachbar des VfB Stuttgart und des Stadions. Foto: Maps4News/HERE

Der Goliath der Stuttgarter Vereine denkt an seine Zukunft – und die Stadt ist gewillt, dem VfB mehr Platz zu verschaffen. Momentan spielt am Standort im Neckarpark der kleine Nachbar PSV aber nicht mit. Zumindest noch nicht.

Stuttgart - Bewegungsspiele sind sein Ding, und jetzt hat der VfB Stuttgart auch einiges in Bewegung gebracht, um seinen Standort in Bad Cannstatt ausbauen zu können: Nachdem der Bundesligist beim Bürgermeisteramt vorgesprochen hat, sucht das Sportamt nach Ersatzflächen für den Polizeisportverein (PSV) Stuttgart, der für den VfB nach Möglichkeit Platz machen soll.

Die Stadt hat auch schon erste vage Ideen für einen Ersatzstandort ins Gespräch gebracht, darunter ein Gebiet bei Hofen und beim Max-Eyth-See, doch der PSV-Vorsitzende Andreas Stolz erkennt bisher „kein konkretes Angebot“. Sportamtsleiter Günther Kuhnigk muss denn auch einräumen: „Noch sind wir weit entfernt von einer Standortentscheidung.“ Ja, noch habe man nicht wirklich einen Alternativstandort.

VfB hat schon Plätze saniert, aber noch mehr Handlungsbedarf

Die Überlegungen beim VfB waren schon früher immer wieder einmal aufgeblitzt. Jetzt scheint die Entschlossenheit jedoch gewachsen zu sein, die stetige Weiterentwicklung des 125 Jahre alten Vereines am Heimatstandort Cannstatter Wasen abzusichern – und nicht entfernte Standorte für Trainingszentren zu entwickeln wie Konkurrenten in München, Dortmund und auf Schalke. Nach der Ausgliederung der Profisparte aus dem Verein brachte der VfB seit 2017 die Platzanlagenin der Nähe des Clubheims auf Vordermann, die vor allem den Jugendmannschaften dienen. Beim Clubheim und den Einrichtungen für die Profis ist aber auch noch Handlungsbedarf absehbar.

Um Engpässe zu beseitigen, ging der Verein schon Kooperationen mit Nachbarvereinen ein, darunter dem PSV. Der überlässt dem großen Bruder für Trainingszwecke zeitweise seine beiden Sportplätze. Dafür pflegt der VfB dem PSV die Außenanlagen. Der VfB könne die beiden Sportplätze gern noch öfters nutzen, sagt PSV-Chef Stolz. Die Lust auf einen Vereinsumzug allerdings ist gering. Seit mehr als 80 Jahren fühle sich der Verein am Standort wohl. Vor zwei Jahren erst habe man im Vereinsheim aufwendig Heizung und Duschräume saniert. Die Spatzen pfeifen außerdem von den Dächern, dass die Gastronomie im Vereinsheim und die Vereinskasse gut von den Menschen profitieren, die auf den Wasen strömen, zu VfB-Spielen, aber auch in die Schleyerhalle, die Porschehalle und das Carl-Benz-Zentrum.

Der PSV möchte durch einen Umzug Vorteile haben

Auf dem jetzigen Areal verfügt der PSV über vier Tennisplätze, zwei Sportplätze, eine 400-Meter-Laufbahn und ein Kleinspielfeld. Außerdem gibt es Trainingsmöglichkeiten in der benachbarten Scharrena in der Stadionkurve. Was die Mitgliederkartei angeht, sieht die PSV-Führung zudem allerbeste Entwicklungsmöglichkeiten. Auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände in Bad Cannstatt entstehen viele Hundert Wohnungen, aus denen neue Mitglieder kommen könnten. So gesehen zeigt sich Stolz zwar gesprächsbereit, aber er macht auch deutlich, dass für den PSV ein zusätzlicher Vorteil abfallen muss, wenn man denn umziehen soll. Von der immer wieder beschworenen „Win-win-Situation“ – eine Lösung mit Vorteilen sowohl für den VfB wie auch für den PSV – sehe er noch nichts, sagt Stolz.

Genau da liegt der Hase im Pfeffer. „Ohne die Win-win-Situation wird es nicht funktionieren. Zumindest völlig gleichwertig müsste der neue Standort für den PSV sein“, meint Sportamtsleiter Kuhnigk ähnlich wie Fred Stradinger, Präsident des Sportkreises Stuttgart. Der PSV sei ein gut etablierter Sportverein. Gegen seinen Willen werde man keinen Erfolg haben. Andererseits seien die Bestrebungen des VfB verständlich.

Kuhnigks schwieriger Auftrag von den zuständigen Bürgermeistern und OB Fritz Kuhn ist es nun, zu sondieren, ob eine Win-win-Situation doch möglich ist. Beim letzten Gespräch im Sportamt vereinbarte man, dass jeder noch einmal seine Hausaufgaben macht und man sich danach wieder trifft. Vom VfB, sagt Kuhnigk, erwarte man sich eine Art Masterplan, was er genau vorhabe.

Eines zumindest macht Hoffnung auf eine Lösung: Von den Vereinen kommen Signale der Entschlossenheit zu Fairplay.

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