Auch Plug-in-Hybride zählen zu den geförderten E-Mobilen. Foto: imago/MiS/Bernd Feil

Deutschland hat mittlerweile den weltweit drittgrößten Bestand von Elektrofahrzeugen. Eine Erhebung des Stuttgarter ZSW zeigt auch, dass zudem erstmals ein deutscher Hersteller auf Platz zwei bei den globalen Neuzulassungen landet.

Stuttgart - Deutschland macht bei der Elektromobilität im weltweiten Vergleich Boden gut. Das zeigt die alljährliche Erhebung des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zur Entwicklung der Elektromobilität weltweit, die unserer Zeitung vorab vorliegt. Deutschland hat demnach aktuell den drittgrößten Bestand an E-Mobilen nach China und den USA und verzeichnete dabei 2020 eine Wachstumsrate wie kein anderes Land. Allerdings liegt der Anteil der Stromer an den Neuzulassungen auch hierzulande mit knapp elf Prozent noch niedrig. Insgesamt ist die Zahl der Elektrofahrzeuge weltweit auf 10,9 Millionen Stück gestiegen – das sind drei Millionen mehr als im Vorjahr. Berücksichtigt werden für den Vergleich alle Fahrzeuge, die extern elektrisch aufgeladen werden können – also neben reinen E-Mobilen auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit sogenanntem Range Extender, einem kleinen Verbrennungsmotor, der die Batterie unterstützt und so die Reichweite erhöht.

 

Deutschland liegt bei den Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen derzeit auf dem zweiten Platz hinter China. Im Jahr 2020 hat sich die Zahl der Stromer hierzulande mehr als verdreifacht: Sie stieg von 108 530 im Vorjahr auf 394 632. Damit ist der Zweitplatzierte von 2019, die USA, auf Platz drei gerutscht. Insgesamt wuchs vor allem in Europa die Zahl der E-Mobile, während die weltweit größten Märkte China und USA kaum mehr zulegten: In China lag das Plus bei nur drei Prozent, der US-Markt schrumpfte sogar um zwei Prozent – zum zweiten Mal in Folge.

Der Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen ist ausbaufähig

„Der E-Fahrzeug-Markt entwickelt sich in vielen Ländern sehr vielversprechend, insbesondere in der Europäischen Union“, sagt Frithjof Staiß, geschäftsführendes ZSW-Vorstandsmitglied. „Der positive Trend ist jedoch auch auf höhere Fördersätze für Elektrofahrzeuge im Rahmen von Corona-Konjunkturpaketen und zusätzliche Maßnahmen wie die abgesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland zurückzuführen.“ Daher sei es wichtig, „diesen Förderimpuls sukzessive in ein marktgetriebenes Wachstum zu überführen, um das Ziel der Bundesregierung von sieben bis zehn Millionen Elektroautos im Bestand bis 2030 effizient erreichen zu können“. Hierfür müssten in Deutschland im Schnitt jährlich rund eine Million E-Fahrzeuge neu zugelassen werden, so Staiß. Das erwartbar ambitioniertere neue EU-Klimaschutzziel dürfte wohl einen deutlich größeren E-Auto-Anteil erfordern als bisher angestrebt. „Der Erfolg des vergangenen Jahres ist somit erst der Anfang.“

Gemessen am Elektroanteil der Neuzulassungen sind andere Länder deutlich weiter als Deutschland, wie das ZSW errechnet hat: In Norwegen, seit Jahren Vorreiter der Elektromobilität, wurden mit 62,4 Prozent E-Anteil mehr Elektrofahrzeuge zugelassen als Verbrenner. Auf Platz zwei folgt Schweden mit knapp 30 Prozent. Der deutsche Anteil von knapp elf Prozent stellt immerhin eine Verdreifachung der Vorjahresquote dar.

Drei der beliebtesten fünf Stromer stammen von VW

Nicht nur die Nachfrage nach E-Fahrzeugen in Deutschland, auch ein deutscher Hersteller – Volkswagen – holt langsam auf: Unter den weltweiten Neuzulassungen führt zwar weiterhin der US-Konzern Tesla mit fast 500 000 Autos, knapp dahinter aber folgt mit rund 422 000 Fahrzeugen die VW-Gruppe. Der chinesische Hersteller SAIC, der fast ausschließlich auf dem heimischen Markt tätig ist, folgt auf Rang drei. Dass BMW im Vergleich auf dem vierten und Daimler auf dem sechsten Rang landen, liegt vor allem am Erfolg ihrer Plug-in-Hybride 2020. Tesla ist auch über die vergangenen Jahre summiert erfolgreichster Hersteller: Seit 2010 haben die Amerikaner weltweit insgesamt 1,38 Millionen Fahrzeuge verkauft. Der zweitplatzierte Hersteller BYD aus China bringt es auf gut 916 000 Autos.

Marktführer bei den Neuzulassungen in Deutschland war 2020 der Volkswagen-Konzern, der drei der ersten fünf Plätze belegt. Zwar ist der bei den Deutschen beliebteste Stromer mit dem Renault Zoe nach wie vor ein Franzose. Doch schon auf dem zweiten Platz folgt mit dem E-Golf ein VW, vor dem Model 3 von Tesla.

In Schweden und Belgien ist der Anteil von Mischantrieben hoch

Der Anteil von Plug-in-Hybriden liegt bei E-Auto-Neuzulassungen weltweit bei etwa einem Drittel und ist im Vergleich zum Vorjahr um sechseinhalb Prozentpunkte gewachsen. Einzig in China und Großbritannien ist der Anteil der Verbrenner mit zuschaltbarem Elektromotor relativ konstant geblieben. Besonders hoch ist ihr Anteil an den Neuzulassungen mit mehr als beziehungsweise fast 70 Prozent in Schweden und Belgien.

„Die erfolgreiche Aufholjagd der deutschen Hersteller bei den neu zugelassenen Elektroautos zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind“, sagt Markus Hölzle, ZSW-Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien. „Trotzdem bedarf es noch stärkerer Anstrengungen der heimischen Automobilindustrie, um langfristig mit der Weltspitze mithalten zu können.“