Gedreht wurde der Film, der die Geschichte zweier Brüder erzählt, auf der schottischen Isle of Sky – in nur drei Tagen, Foto: privat

3,3 Millionen Menschen haben das Youtube-Video „Dear Brother“ von Dorian Lebherz und Daniel Titz, zwei Studenten der Film-AK in Ludwigsburg, geklickt. Im Interview spricht Lebherz über spektakuläre Landschaften – und zwei Flaschen Whisky.

Ludwigsburg – - Unendliche Landschaften, tiefgrüne Moore, dazu ein emotionales Gedicht, dass die Geschichte zweier Brüder in den schottischen Highlands erzählt: Mehr als 3,3, Millionen Menschen haben das Video „Dear Brother“ von Dorian Lebherz und Daniel Titz auf Youtube geklickt. Dabei ist der Film kein offizieller Spot – sondern eine Studienarbeit.
Herr Lebherz, ist denn inzwischen schon ein Job-Angebot von Johnnie Walker in ihr E-Mail-Postfach geflattert?
Nein, aber wir haben schon mit einem Vertreter von Johnnie Walker telefoniert. Er war begeistert über den Spot und hat uns auch zwei Flaschen Whisky geschickt.
Spaß beiseite: Haben sie mit diesem enormen Erfolg ihres Videos gerechnet?
Nein, wir waren davon ziemlich überrascht. Ich bin zwar der Meinung, dass Dear Brother unser bester Film ist. Die Zutaten, warum ein Video viral geht, hat er aber eigentlich nicht. Er ist weder lustig noch kontrovers. Er ist vor allem emotional. Trotzdem waren die Reaktionen positiv.
Wie erklären Sie sich diesen Hype?
Zum einen hat ein US-amerikanischer Blog unser Video besprochen und auch verlinkt. Die haben rund 500 000 Fans im Netz, das hat einen enormen Schub gebracht. Auf der anderen Seite denke ich, dass der Film einfach auch gut in die Jahreszeit und die Stimmung kurz vor Weihnachten gepasst hat. Im Hochsommer hätte das sicher nicht so funktioniert.
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Werbefilm für Whisky zu machen?
Daniel Titz und ich studieren beide Werbefilm-Regie an der Filmakademie hier in Ludwigsburg. Das Video ist eine Semesterarbeit von uns. Am Anfang stand eigentlich die Landschaft: Wir wollten in den Highlands von Schottland drehen.
Und dann kam erst die Geschichte?
Wir haben nach einer Marke gesucht, die zu dieser Landschaft passt. Und Johnnie Walker ist eine typisch schottische Marke. Der Claim Keep Walking, der damals noch aktuell war, passte auch sehr gut dazu.
Sicher ist der Film mit kleinem Budget entstanden. Wie lange haben Sie gedreht?
Die Film-AK stellt Mittel und Technik für diese Projekte zur Verfügung. Je nachdem wie groß das Projekt werden soll, steckt man noch Eigenmittel in den Film oder sucht nach Unterstützung bei Unternehmen. Wir haben drei Tage gedreht, und die Plätze schon vorher im Internet ausgesucht – damit wir nicht so viel fahren mussten. Den Schauspielern haben wir eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlt, dafür haben sie eine gute Arbeitsprobe. Es ist ein gegenseitiges Hoffen.
Seine Wirkung entfaltet das zweiminütige Video, das von der Trauer eines Mannes um seinen verstorbenen Bruder erzählt, auch über den Text: ein Gedicht über Freiheit und Kindheit. Haben Sie ihn geschrieben?
Der Sprecher des Textes hat uns eine erste Version geschickt, und dann haben wir ihn gemeinsam weiter bearbeitet.
Und nun, nach solch einem Erfolg: haben sie viele Reaktionen bekommen?
Wir haben zwischen 300 und 400 Mails bekommen. Es haben sich Produktionsfirmen gemeldet, aber auch Leute, die persönlich eine ähnliche Geschichte erlebt haben wie die Brüder im Film.
Und wie geht es nun für Sie weiter?
Unter den Mails waren auch US-amerikanische Firmen, die Spielfilme produzieren. In Amerika ist die Trennung zwischen Film und Werbung nicht so scharf wie hier in Deutschland. Daher wäre es sicher mal interessant, dort reinzuschauen – Geschichten erzählen können wir ja. Kurzfristig wollen wir erst mal eine ganz andere Art von Film machen: einen lustigen.
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