Unser Autor hat sich auf die Yoga-Matte begeben – klicken Sie sich durch den Selbstversuch. Foto: Michele Danze

Yoga ist mehr als Leibesübung. Es kann auch die Pforten zu neuen Erkenntnissen öffnen, sagt Sanjeev Bhanot. Der Meister verspricht seinen Schülern in nur einer Stunde unentdeckte Potenziale freizulegen und magische Momente. Ein Selbstversuch.

Stuttgart - Alle suchen krampfhaft. Nach Sinn. Nach Liebe. Nach Glück. Aber wo findet man das? Und am besten alles auf einmal. Beim Yoga sagen Erleuchtete, die auf dem Weg ihrer Selbstfindung sogar eine universale Kraft erspäht haben wollen. Diese Geschichte hat sogar Hollywood inspiriert. Mit Julia Roberts im Film „Eat Pray Love“. Bei den Dreharbeiten hat Sanjeev Bhanot die Roberts unterstützt. Bei der richtigen Haltung. Vielleicht auch bei der Suche nach Glück. Denn Sanjeev sagt: „Glück ist die universelle Vollendung. Die meisten suchen sie in Verbindung mit Tanz, Liebe oder Sex. Aber ich gehe den direkten Weg.“

Es ist der Weg auf die Yoga-Matte.

Sie liegt an diesem Tag im Atrium der Landesmesse bei der „YogaExpo“. Dort verspricht Sanjeev (44) uns die pure Erkenntnis. Und die Entdeckung ungenutzter Potenziale. Er gibt sein Ehrenwort. Die Verlockung zu erfahren, dass es auf dieser Welt noch andere Formen der Erkenntnis gibt, ist größer als jede Skepsis. Und wenn die Sache auch noch dabei hilft, die chronischen Rückenschmerzen zu lindern. Umso besser.

Man gibt sich also in die Hände dieses charismatischen Menschen in seiner Kutte, wie sie einst auch Gandhi trug. „Die Matte“, sagt er sanft, „ist das Schlachtfeld, auf dem du viel über deine Potenziale erfahren wirst.“ Was sich martialisch anhört, bedeutet eigentlich das Gegenteil. Denn nicht der Kampf mit sich und seinen Grenzen führe zum Ziel, sondern das Loslassen. „Deshalb sage ich immer: die Menschen hier betreiben Yoga als Work-out. Ich lehre jedoch Yoga als Work-in.“ Die Richtung geht nach innen.

Einem Mensch der westlichen Welt kommt diese Erklärung etwas abgedreht vor. Aber als der Meister mit tiefen Blicken und warmen Worten weiterspricht, wächst das Vertrauen in seine Fähigkeiten. „Den magischen Moment im Yoga erfährt man nicht durch harte Arbeit, sondern durch Entspannen. Nur so erlangt man dieses wirklich große und magische Gefühl.“

Allmählich macht sich die böse Ahnung breit, dieses Glücksgefühl gibt’s nicht gratis. Man muss sich’s verdienen. „Aber nicht so, wie es fleißige Protestanten gewohnt sind“, mahnt Sanjeev erneut, so wie er vermutlich viele vorher gewarnt hat. Denn Sanjeev Bhanot stammt aus einer Familie von Yogalehrern und praktiziert selbst seit er fünf Jahre alt ist diese Kunst. Inzwischen hat er sogar mehr als 300 Yogalehrer aus 25 Ländern ausgebildet.

Und dann kommt der Augenblick der Wahrheit: Flach auf den Rücken legen und die Knie hoch an die Brust ziehen. Das Ziel, mit dem Kinn die Knie zu berühren, scheint unerreichbar. Sanjeev sieht die verkrampfte Mienen aller teilnehmenden der Yoga-Kämpfer und erklärt lässig: „Wenn ihr das Lachen verliert, macht ihr etwas falsch.“

Zu dieser Erkenntnis wäre jeder vermutlich selbst gekommen. Auch ohne diesen Spruch spürt man den schmerzhaften Kontakt zu seinem steifen Körper. Doch Sanjeev murmelt nur Befehle wie „Schultern nach hinten“ und ähnliche Kommandos. Dann biegt er die Extremitäten in die vermeintlich richtige Position – und siehe da: Plötzlich trifft Kinn Knie. Zauberhaft.

Dieses Wunder der Anatomie an einem Büromenschen schafft er in dieser Stunde noch vier mal bei verschiedenen Übungen. Jedes mal ist es dasselbe Rezept: locker lassen . . . Das hat er also mit neue „Potenziale entdecken“ gemeint. Seine Prophezeiung „Du wirst eine totale Wende in deinem Leben erfahren“ ist ein bisschen wahr geworden. Dieses Klicken im Kopf ist es, was Sanjeev will, wenn Grenzen gesprengt werden. Zu spüren, dass im Yoga nur der sanfte Weg zum Ziel führt. „Siehst du“, sagt er mit einem triumphierenden Lächeln: „Du musst nicht hart arbeiten oder stressen, du musst nur relaxen. Das verspricht die totale Magie.“ Schöne Worte, nette Erkenntnis. Aber was passiert mit kampferprobten Menschen im Alltag? Wo bleibt da die Magie? „Du bist der Boss“, sagt Sanjeev, „du kannst lernen, dieses Gefühl zurückzurufen und zu bewahren.“ Die Frage nach dem Wo erübrigt sich: Natürlich auf der Yoga-Matte.

Mit diesem Auftrag entlässt der Yoga-Meister seine Schüler und ruft mit einer inneren Freude hinterher: „Vergiss nicht, auf deine verkrampften Schultern zu achten!“

Sanjeev Bhanot hält an diesem Samstag auf der Landesmesse im Vortragsbereich 1 um 15.15 Uhr einen Vortrag und gibt am Sonntag (16.30 Uhr) am gleichen Ort eine weitere Yoga-Stunde.
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