Nach ihrer Schulter-Operation im August 2019 wieder voll belastbar: Rückraumspielerin Xenia Smits. Foto: Baumann

Zahlreiche deutsche Handball-Nationalspielerinnen zog es vor dieser Saison nach Ungarn. Xenia Smits entschied sich anders: Sie kam aus Frankreich zur SG BBM Bietigheim. Es passt zu ihrer außergewöhnlichen Vita.

Bietigheim-Bissingen - Was Markus Gaugisch als erstes zu Xenia Smits einfällt? Die Antwort kommt blitzschnell: „Sie ist eine wahnsinnig professionelle Spielerin“, sagt der Trainer der Bundesliga-Handballerinnen der SG BBM Bietigheim über seinen Neuzugang. Genau mit dieser Einstellung ging sie auch an die Entscheidungsfindung heran, was ihre sportliche Zukunft betrifft.

 

Soll sie beim französischen Branchenprimus Metz Handball bleiben? Soll sie wie ihre deutschen Nationalmannschaftskolleginnen Dinah Eckerle, Ann-Cathrin Giegerich, Emily Bölk und Alicia Stolle oder die bisherigen Bietigheimerinnen Angela Malestein und Laura van der Heijden dem lukrativen Lockruf aus Ungarn folgen oder das Angebot der SG BBM annehmen?

Schriftlicher Pro- und Contra-Katalog

Die 26-Jährige setzte sich vergangenen Dezember in Ruhe hin, machte einen schriftlichen Pro- und Contra-Katalog – und entschied sich gegen den Trend, gegen einen Wechsel in die ganz besonders finanzkräftigen Handball-Hochburgen in Budapest, Györ, Debrecen oder Siofok. Warum? „Weil ich in einem deutschen Topclub mit einigen deutschen Nationalspielerinnen zusammenspielen kann. Das ist ein Pluspunkt und reizt mich sehr“, sagt die Rechtshänderin. Und wenn in Deutschland ein Frauenhandballverein mit der Hochfinanz in Osteuropa zumindest annähernd mithalten kann, dann ist es nun einmal die SG BBM Bietigheim. Dennoch war es alles andere als eine Selbstverständlichkeit, Xenia Smits an Land zu ziehen. „Es ist überragend, dass ein Aushängeschild des deutschen Frauenhandballs diesen Weg geht“, freut sich Gaugisch und fügt im Brustton der Überzeugung hinzu: „Für Bietigheim, aber auch für die gesamte Liga.“

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Xenia Smits war schon immer jemand, die sich nicht zwingend für das Naheliegende entschied. Ihre Eltern spielten Volleyball, sie selbst als Kind Tennis und Fußball, sie probierte Turnen und Reiten. Hängen geblieben ist die gebürtige Belgierin in einer Sportart, die in ihrem Heimatland nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt: beim Handball. Schnell sprach sich ihr Ausnahmetalent herum. Mit 14 Jahren ging es nach Deutschland – in ein Handball-Internat nach Bad Wildungen.

Smits ordnet sich eher der deutschen Mentalität zu

Mit 16 setzte sie bereits in der ersten Liga unter Trainer André Fuhr bei der HSG Blomberg-Lippe zum Sprungwurf an. In der Saison 2012/13 schoss sie sich zur Bundesliga-Torschützenkönigin. 2014 nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an, seitdem besitzt das 1,82 m große Handballass zwei Pässe. Ein Jahr später folgte der nächste Karrieresprung: Xenia Smits entschied sich für das Angebot von Metz Handball. Mit dem französischen Topclub feierte sie vier französische Meisterschaften, zwei Pokalsiege und sammelte wertvolle Erfahrungen in der Champions League, aber auch im Trainingsalltag: „In Deutschland wird auf Disziplin sehr großen Wert gelegt. In Frankreich wird auch hart gearbeitet, aber es geht lockerer zu. Ein Lied, ein Tänzchen in der Kabine vor einem wichtigen Spiel sind keine Seltenheit“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Sie selbst ordnet sich eher der deutschen Mentalität zu.

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Mit eisernem Willen kämpfte sie sich nach ihrem Sehnenriss in der Schulter im August 2019 wieder zurück. Jetzt ist sie heiß auf den Saisonauftakt am kommenden Samstag (19 Uhr/MHP-Arena Ludwigsburg) mit der SG BBM gegen die HSG Bad Wildungen Vipers. Schöner Nebeneffekt ihres Punktspieldebüts im Bietigheimer Dress: Es gibt ein Wiedersehen mit ihrer Schwester Munia (21), die neuerdings beim Club aus Nordhessen spielt. Schwester Aaricia (22), die dritte Smits-Handballerin, geht für Zweitligist VfL Waiblingen auf Torejagd.

Deutsche Meisterschaft als Ziel

Die Ziele von Xenia Smits sind klar: In der Champions League eine gute Rolle spielen, in der Liga der Gewinn der deutschen Meisterschaft und mit dem deutschen Nationalteam bei der Europameisterschaft in diesem Jahr (4. bis 20. Dezember in Norwegen und Dänemark) den nächsten Schritt machen und wenn möglich um die Medaillen spielen. Mit ihrer professionellen Einstellung und ihrem Können soll sie einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen. Dass sie als Neuzugang bei der SG BBM direkt im Mannschaftsrat landete, belegt ihre Führungsrolle – die ihr in Ungarn bestimmt nicht auf Anhieb zugeteilt worden wäre.