Im Kampf gegen die Wohnungsnot braucht es mutige Entscheidungen. Foto: dpa//Patrick Seeger

Die Bemühungen gegen die Wohnungsnot dürfen nicht abreißen, meint StN-Autorin Annika Grah.

Stuttgart - Dass die Zahl der Förderanträge für Sozialwohnungen im vergangenen Jahr nach oben ging, ist ein Hoffnungsschimmer. Offenbar tut sich etwas in Baden-Württemberg. Offenbar ist der Wille da, tatsächlich mehr sozialen Wohnraum zu schaffen. Für ein Aufatmen ist es allerdings noch viel zu früh.

Lage spitzt sich zu

Denn in die Sozialwohnungen, die heute gefördert werden, wohnen erst in ein paar Jahren Menschen. Bis der Rückgang der Sozialwohnungen im Land damit auf breiter Front gestoppt ist, dürfte es also noch dauern. Wer heute dringend eine erschwingliche Wohnung sucht, dem ist nicht geholfen. Im Gegenteil: Während die Zahl der Sozialwohnungen in den vergangenen Jahren sank, wuchs die Zahl der Menschen, die sich auf die Wartelisten für eine solche Wohnung setzen ließen.

Und die Lage spitzt sich zu: Die Mieten steigen weiter. Selbst Normalverdiener können sich vor allem in Ballungszentren Wohnen immer weniger leisten. Damit steigt die Nachfrage nach günstigem Wohnraum und auch die Nachfrage nach Sozialwohnungen. Denn für Menschen am unteren Ende des Wohlstandsspektrums ist der freie Wohnungsmarkt bereits jetzt unerschwinglich.

Mutige Entscheidungen

Um daran wirklich etwas zu ändern braucht es mutige Entscheidungen im Land, aber auch in den Kommunen. Dazu gehört es, Wohnungen auch dort zu planen, wo es Menschen, die bereits eine Bleibe haben, vielleicht nicht unbedingt passt – oder Bauvorschriften von parteipolitischen Ideologien zu entschlacken, die das Bauen besonders teuer machen. Für die politischen Akteure im Wohnungsgeschäft heißt es also lediglich: Weitermachen. Denn das Problem der Wohnungsnot ist noch nicht gelöst. Und eine echte Entspannung ist lange nicht in Sicht.

annika.grah@stuttgarter-nachrichten.de

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