Barbara und Ulrich Endreß haben sich von den Bewohnern der Föhrichstraße schon verabschiedet. Nach 35 Jahren hören sie auf. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Das Ehepaar Endreß kümmerte sich 35 Jahre lang im städtischen Wohnheim an der Föhrichstraße 6 um einstige Obdachlose und Asylbewerber.

Feuerbach - Der Abschied von ihren Schützlingen dürfte ihnen nicht leicht gefallen sein. Für die Bewohner des städtischen Wohnheims an der Föhrichstraße 6 war das Ehepaar Endreß fast wie Ersatzeltern: „Hast du Kummer, hast du Fragen – einfach Uli sagen“ – nach diesem Leitspruch kümmerte sich der gelernte Drucker, der inzwischen 78 ist, all die Jahre zusammen mit seiner Ehefrau Barbara um die Obdachlosen und Asylsuchenden, die in Feuerbach gestrandet waren.

Mischung aus Nächstenliebe und Durchsetzungsvermögen

Doch nun hat das Ehepaar sein Ehrenamt nieder gelegt: „Wir haben gemeinsam in diesen Jahren viel erlebt – Schönes, Leidvolles, aber immer haben wir uns wieder vertragen und respektiert als Mensch“, haben sie den Bewohnern zum Abschied geschrieben. „Gerne denken wir an diese gemeinsame Zeit zurück und lassen Euch mit einer gewissen Wehmut zurück.“ Sozialamtsleiter Stefan Spatz bedankte sich bei dem Ehepaar für die „überaus hohe Einsatzbereitschaft“: „Mir ist bewusst, dass Sie im Rahmen Ihres außergewöhnlichen Engagements auch viele schwierige Situationen meistern mussten – das haben Sie mit Bravour geschafft!“ Mit manchen Bewohnern sind sie alt geworden. Für ihr Engagement bekamen sie übrigens den Verdienstorden des Landes überreicht.

Und wie fing alles an? Ursprünglich befand sich die Bäckerei Kipp in dem Gebäude, später mietete das Sozialamt das Haus an, um Menschen ohne feste Bleibe ein Dach über dem Kopf anzubieten. Anfang der 1980er Jahre hatte die Stadt sich mit der evangelisch-methodistischen Kirche geeinigt und ihr die Betreuung der Einrichtung übertragen. Da auch das Ehepaar Endreß in der Kirchengemeinde aktiv war, kam so der Kontakt über einen ehemaligen Richter zustande. Dieser spürte, dass Ulrich Endreß der Richtige für den „Job“ war. Mit einer Mischung aus Pragmatismus, Nächstenliebe und Durchsetzungsvermögen bewältigte „Uli“, wie alle ihn nennen, die Aufgabe. Gleich zu Beginn baute sich ein baumlanger Kerl aus Ungarn vor ihm auf: „Ich bin Gabor, ich bin Bürgermeister von Föhrichstraße“, sagte dieser, um die Machtverhältnisse klarzustellen. Ulrich Endreß konterte: „Na schön, dann gibt es ab heute einen Oberbürgermeister hier und der bin ich.“

Ein echtes Original

Er ist eben ein echtes Original: Doch einmal hätte ihm seine Hilfsbereitschaft auch das Leben kosten können. Ein psychisch kranker Bewohner ging mit dem Messer auf ihn los und verletzte ihn am Bauch. Er musste sofort operiert werden. „Ich trag` ihm aber nichts nach, der Kerle ist halt krank“, sagte er später vor dem Richter. Und was wird nun aus dem Haus?

„Inzwischen gibt es eine Mitarbeiterin des Sozialamts, die Kontakt zu allen Bewohnern aufgenommen hat und an die sie sich jederzeit wenden können“, sagt Marion Zorn vom Sozialamt.

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