Die BPD Immobilienentwicklung wirbt mit viel Grün und einem Quartiersplatz in der Mitte des neuen Wohngebiets. Foto: Ackermann + Raff

Auf dem ehemaligen Hansa-Areal an der Sigmaringer Straße entsteht bis Ende 2022 ein neues Quartier mit Kindertagesstätte. Das Projekt hatte sich immer wieder verzögert.

Möhringen - Es ist aktuell eines der größten Wohnbauprojekte in Stuttgart. Auf dem ehemaligen Hansa-Areal an der Sigmaringer Straße will der Immobilienentwickler Bouwfonds Property Development (BPD) das Hofquartier Möhringen bauen. In einigen Wochen soll Baustart sein. Darum hat das Unternehmen vor Kurzem alle vorgemerkten Interessenten angeschrieben. Die Resonanz war überwältigend. BPD bekam mehr als 800 Rückmeldungen. „Es sind beinahe alle Interessenten noch vorhanden“, schreibt das Unternehmen in einer schriftlichen Stellungnahme.

Damit gibt es mehr als viermal so viele potenzielle Käufer wie Wohnungen. Denn auf dem 15 800 Quadratmeter umfassenden Grundstück entstehen elf Wohnblöcke mit drei beziehungsweise vier Vollgeschossen. 174 Wohnungen mit einer Fläche von insgesamt mehr als 14 890 Quadratmetern sind geplant. Entsprechend den Grundsätzen des Stuttgarter Innenentwicklungsmodells (SIM) sind 20 Prozent für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen. In der Praxis bedeutet das, dass die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) 38 Wohnungen schlüsselfertig übernimmt und vergleichsweise günstig vermietet. Der Rest der Wohnungen ist frei finanziert.

Auf dem Areal entsteht auch die neue Feuer- und Rettungswache

Zudem wird es eine viergruppige Kindertagesstätte für 60 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren geben. In der Mitte ist ein sogenannter Quartiersplatz vorgesehen. In einer Tiefgarage werden mehr als 200 Stellplätze angelegt. Die BPD Immobilienentwicklung investiert etwa 55 Millionen Euro. Im Internet wirbt das Unternehmen mit „bewährten BPD-Ausstattungsdetails“. Die Wohnungen entstehen im hinteren Teil des Grundstücks. Entlang der Sigmaringer Straße sind Gewerbeflächen geplant, allerdings nur für solche Gewerke, die das Wohnen nicht wesentlich stören. Auch Grünflächen sind vorgesehen – als Puffer zwischen Schule, Gewerbe und Wohnen und als Übergang zur freien Landschaft. Die Pläne für das Projekt stammen von dem Architekturbüro Ackermann + Raff. Das Stuttgarter Büro hatte den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen.

Auf dem östlichen Teil des Areals entsteht die neue Feuer- und Rettungswache mit Katastrophenschutzzentrum. Auswirkungen auf die Vermarktung hat das aber ganz offensichtlich nicht. Die BPD bezeichnet Möhringen als einen „interessanten Wohnstandort“. Der Stadtteil habe alles zu bieten, von Einkaufsmöglichkeiten über Kindergärten und Schulen bis hin zu einer guten Verkehrsanbindung an Bus, Bahn, Autobahn und Flughafen.

Das Projekt hatte sich immer wieder verzögert. „Der Architektenwettbewerb konnte erst nach der Entscheidung der Stadt Stuttgart für eine Feuerwache am Standort Möhringen stattfinden“, schreibt die BPD dazu in ihrer Stellungnahme und fügt hinzu: „Große Projekte wie diese Gebietsentwicklung haben eine lange Planungszeit.“ Nach und nach seien das Hansa-Verwaltungsgebäude und das AEB-Gebäude entstanden. Derzeit werde die Feuerwache gebaut. Nun erfolge der Vertriebsstart der Eigentumswohnungen. Die BPD rechnet mit einer Fertigstellung aller 174 Wohnungen Ende 2022.

Viele große Wohnbauprojekte in den vergangenen Jahren

Das mit Abstand größte Wohnbauprojekt in der Vergangenheit war der Europaplatz auf dem Fasanenhof. Dort wurden unter anderem 269 Wohnungen, ein Einkaufszentrum und ein Familienzentrum realisiert. Der Seepark an der Vaihinger Straße in Möhringen war lange Zeit eine Hängepartie. Letztlich baute die GWG auf dem ehemaligen Auwärter-Gelände am Probstsee 183 Wohnungen und eine Kindertagesstätte.

Ebenso drehten sich und drehen sich noch immer rund um den Möhringer Bahnhof die Baukräne. Entlang der neuen Probststraße wuchsen neben einem Caritas-Pflegeheim nach und nach mehrere Wohnkomplexe in die Höhe. Auf der anderen Seite des Bahnhofs ist die Nachverdichtung noch längst nicht abgeschlossen. Die Bietigheimer Wohnbau und die Strenger-Gruppe bebauen das Grundstück am Ende der Filderbahnstraße, wo einst die Fahrrad-Servicestation stand. 22 Wohnungen sind geplant. Die Friedenau plant am Filderbahnplatz ein Wohn- und Geschäftshaus. Dort entstehen allerdings vor allem Gewerbeflächen und lediglich acht Wohnungen.

Umstrittene Nachverdichtung

Noch Zukunftsmusik ist die Nachverdichtung rund um den Ehrlichweg auf dem Fasanenhof. Die Baugenossenschaften, die dort Grundstücke besitzen, wollen neue Wohnungen schaffen. Der Umwelt- und Technikausschuss hat im Januar das Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Der Entwurf sieht im Ideenteil bis zu 130 Wohnungen vor. Viele Menschen auf dem Fasanenhof sind dagegen.

Im Stadtbezirk Vaihingen stehen große Projekte in den Startlöchern. Auf dem Eiermann-Campus soll ein völlig neues Quartier entstehen mit Wohnungen, Büros, Kindergärten und einer Schule. Auch auf dem Aurelis-Gelände wird es Veränderungen und damit sicher auch die ein oder andere neue Wohnung geben. Im Gespräch waren einst Appartements für Studenten und Geschäftsreisende. Mittlerweile gehört die Fläche der Stadt, die nun einen Rahmenplan erstellt.

Große Nachfrage nach Wohnraum auch in Stuttgart-Vaihingen

Die BB Wohnbau Böblingen zeichnet für das neue Quartier zwischen der Emilien­straße und der Robert-Koch-Straße verantwortlich. Auf dem Grundstück an der Robert-Koch-Straße 9 entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus mit einer Gewerbefläche im Erdgeschoss. Darüber befinden sich 15 Wohnungen, und alle sind bereits verkauft. Zudem gibt es eine Tiefgarage. Auf den Grundstücken an der Robert-Koch-Straße 13 und 15 sind zwei Mehrfamilienhäuser mit je zehn Wohnungen und einer Tiefgarage mit 30 Stellplätzen geplant. Im dritten Bauabschnitt folgt ein Mehrfamilienhaus für zehn Familien auf dem Areal Robert-Koch-Straße 17 bis 19.

Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) hat auf der Rohrer Höhe nachverdichtet. An der Steig- und Thingstraße entstanden 75 Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen.

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